Flüchtlinge stärken Pflege-Nachwuchs

Pflegemassage für eine Pflegebedürftige

Flüchtlinge stärken Pflege-Nachwuchs

  • Großer Personalnotstand in den Pflegebrufen
  • NRW bietet Flüchtlingen Perspektive als Pflegekräfte
  • Modellprojekt mit positiver Zwischenbilanz

"Wir sind sehr positiv überrascht, dass so viele geflüchtete Menschen für den Beruf der Altenpflege geeignet sind", sagt Sina Wagner dem WDR am Dienstag (28.08.2018). Sie ist Leiterin des Modellprojekts "Care for Integration", das geflüchteten Menschen in NRW eine berufliche Perspektive in der Altenpflege inklusive Hauptschulabschluss bietet.

Erfolgreiches Modellprojekt

Das Projekt startete im Dezember 2016 mit 130 Flüchtlingen. "95 von ihnen sind weiter dabei und werden ihre Fachkraftausbildung im Juli 2019 beenden - deutlich mehr, als wir erwartet haben", bilanziert Projektleiterin Wagner. Der Modellversuch an den Standorten Köln, Düsseldorf, Duisburg, Heinsberg, Lippstadt, Münster und Bielefeld läuft so gut, dass jetzt ein zweiter Durchlauf mit weiteren Flüchtlingen gestartet wird.

Gewaltiger Fachkräftemangel

Laut Bundesagentur für Arbeit bewerben sich in NRW auf 100 freie Stellen in der Altenpflege nur 47 Interessenten. Demnach ist die Altenpflege auch hierzulande am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen. "Das Projekt 'Care for Integration' ist ein vielversprechender Ansatz zur Sicherung der Pflege als auch zur Integration von geflüchteten Menschen", sagt denn auch Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Vor diesem Hintergrund mutet absurd an, dass schon Flüchtlinge abgeschoben wurden, die im Pflegebereich arbeiteten oder einen entsprechenden Ausbildungsvertrag hatten. Auch bei "Care for Integration" waren einige Auszubildende davon bedroht. Projektleiterin Wagner: "Nach dem Hinweis auf die Ausbildung ist aber noch niemand abgeschoben worden. Wir stehen in engem Kontakt mit Ministerien und Ausländerbehörden."

Duldungsvoraussetzung präzisiert

Erst unlängst hatten sich Unternehmen und Handwerksbetriebe, die Flüchtlinge ausbilden, beim Land über diese Abschiebepraxis beschwert. NRW präzisierte daraufhin in einem Erlass seine Duldungsvoraussetzungen. Flüchtlinge können in den drei Jahren ihrer Ausbildung und bei bestandener Prüfung mit Duldung für zwei weitere Jahre im Betrieb bleiben. Daran soll sich möglichst ein Aufenthaltsrecht anschließen.

Der Afghane Sina Abdolahi lenkt ein Pflegebett mit einer Puppe während seiner Ausbildung

Der Afghane Sina Abdolahi lenkt ein Pflegebett, in dem (noch) eine Puppe liegt

Der Afghane Sina Abdolahi ist bereits anerkannter Asylbewerber, darf somit uneingeschränkt arbeiten und macht in Heinsberg ein Praktikum bei einem ambulanten Pflegedienst. Für ihn steht fest, dass er über das Praktikum hinaus in der Pflege arbeiten will. "Das ist ein menschlicher Beruf", sagt der 22-Jährige.

Stand: 28.08.2018, 17:11

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