Autor und Journalist Roman Schell im Gespräch im heute journal am 26.02.22

Flucht mit Kindern aus der Ukraine: "Sie begreifen nicht, was in ihrem Land passiert"

Stand: 27.02.2022, 12:10 Uhr

Der Journalist Roman Schell flieht durch die Ukraine Richtung Westen – zusammen mit einem Psychologenteam und zehn kriegstraumatisierten Kindern und Jugendlichen aus der Region Donbass.

Roman Schell steht in einer kargen Landschaft in der Nähe einer Kleinstadt im Westen der Ukraine. Er sieht müde aus. Nachts schläft er gerade höchstens vier Stunden. In die Ukraine gekommen ist er als Journalist. Jetzt versucht er, mit zehn Kindern und Jugendlichen zu fliehen.

Von der Militäroffensive überrascht

Mitte Februar ist Schell von Moskau aus in den Osten der Ukraine gereist. Sein ursprünglicher Plan war, dort für den Sender "Arte" über ein Psychologenteam zu berichten, das kriegstraumatisierte Kinder in der Krisenregion betreut.

Seit 2014 berichtet Schell regelmäßig über den Konflikt in der Ostukraine. Doch diesmal wird er mitten in der Recherche von der russischen Militäroffensive überrascht. Es gibt heftigen Beschuss, tagelang werden russische Mörsergranaten auf das Dorf gefeuert, in dem er sich aufhält.

Schell flüchtet vor den Angriffen und nimmt zehn Kinder mit. Im Gespräch mit der ARD sagt er, die Kinder hätten ihn angefleht, sie mitzunehmen. Die Familien der Kinder blieben zurück – man stehe aber ständig mit ihnen in Kontakt. Seit Tagen flüchtet die Gruppe jetzt mit Autos Richtung Westen. Fast täglich gerät sie unter Beschuss, muss sich stundenlang in Kellern verstecken.

"Große Schlangen vor den Tankstellen, große Schlangen vor den Geschäften, leere Regale, man kann eigentlich nichts mehr kaufen." Journalist Roman Schell

Die Flucht sei kompliziert, berichtet Schell. Die Straßen seien verstopft, die ganze Ukraine sei auf den Beinen, die Menschen versuchten, das Land zu verlassen.

Versteck in den Bergen

Roman Schells Ziel ist es erst einmal, die Kinder in Sicherheit zu bringen. Er sagt, dass es ihnen gerade den Umständen entsprechend gut geht. Viele würden nicht richtig begreifen, was gerade in ihrem Land passiert. Er und das Psychologenteam versuchten, die Kinder möglichst fernzuhalten von Orten, an denen es Explosionen gibt.

In den nächsten Tagen will er sie in der Grenzregion zu Polen in den Bergen unterbringen – dort, wo es keine Militärstützpunkte der ukrainischen Armee gibt. Dort, wo es ruhig ist. Dort sollen sie die nächsten Wochen verbringen.

Reporter im Ukraine-Krieg

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Interviews 26.02.2022 07:13 Min. Verfügbar bis 26.02.2023 WDR 5


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