Greenpeace: Supermärkte setzen vor allem auf Billigfleisch

Greenpeace: Supermärkte setzen vor allem auf Billigfleisch

  • Greenpeace: 70 Prozent des Frischfleischs aus "Stallhaltung"
  • Im Regal gekennzeichnet, an Theken oft nicht
  • Tierschützer-Proteste vor NRW-Supermärkten gegen Billigfleisch

Der überwiegende Teil des von den großen Supermarktketten angebotenen Frischfleischs stammt laut Greenpeace von Tieren aus klimaschädlicher und tierschutzwidriger Haltung. Dies habe eine Abfrage bei neun führenden deutschen Lebensmittelanbietern ergeben, teilte die Umweltorganisation am Samstag (25.01.2020) mit.

Fast 70 Prozent des Frischfleischs in großen Supermarkt-Ketten komme aus "Stallhaltung" – der niedrigsten Stufe in der freiwilligen Kennzeichnung des Einzelhandels. Bei Schweinefleisch seien es sogar mehr als 85 Prozent.

Kennzeichnung nicht flächendeckend

Der Handel hatte im April 2019 eine vierstufige Kennzeichnung für die Frischfleischprodukte der Eigenmarken eingeführt. Dabei entspricht Haltungsform 1 (Stall) dem gesetzlichen Mindeststandard, Haltungsform 4 (Premium) ist unter anderem mit Bio vergleichbar.

Proteste vor Supermärkten

Diese Kennzeichnung erfolgt aber offenbar nicht durchgängig. Fast alle der befragten Supermarktketten kennzeichnen laut Greenpeace zwar ihr Frischfleisch, vor allem im Selbstbedienungs-Regal. An den Fleischtheken und bei verarbeiteten Produkten, etwa aus der Tiefkühlung, bestehen demnach aber Lücken.

Die Organisation plädiert dafür, gar kein Fleisch der Stufe 1 mehr zu verkaufen. Am Samstag hat es deshalb bundesweit Proteste vor mehr als 50 Supermärkten gegeben. In NRW standen Greenpeace-Aktivisten unter anderem vor den Läden verschiedener Ketten in Köln, Aachen, Dortmund und Bielefeld.

Handel: "Tierwohl langsam anheben"

Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels hält dagegen: "Wenn wir für mehr Tierschutz sorgen wollen, können wir nicht von heute auf morgen nur noch den höchsten Standard anwenden."

Ansonsten würde das Angebot deutlich zurückgehen. "Das Tierwohl muss langsam und in der Breite angehoben werden – so, dass alle Interessen einigermaßen berücksichtigt werden."

Kennzeichnung als "Transparenz-Angebot"

Patrick Klein von "Initiative Tierwohl" erklärt zu der Stufen-Kennzeichnung: "Das ist kein Tierwohl-Siegel, sondern ein Transparenz-Angebot für den Kunden. Der soll auf Anhieb feststellen können, was er einkauft."

Die "Initiative Tierwohl" ist ein Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und dem Einzelhandel.

Auch Bundesregierung plant Kennzeichnung

Neben der freiwilligen Kennzeichnung der Supermärkte gibt es noch andere Siegel. Für Bio-Fleisch etwa gelten gesetzliche Vorgaben, unter anderem zum Auslauf der Tiere und dem Einsatz von Antibiotika.

Derzeit plant auch die Bundesregierung eine weitere Kennzeichnung. Sie soll vorerst nur für Schweinefleisch gelten – und freiwillig sein.

Stand: 25.01.2020, 14:39

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