Versiegelung und Flächenverlust: NRW sucht Lösungen

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Versiegelung und Flächenverlust: NRW sucht Lösungen

Von Benjamin Sartory

  • Jeden Tag werden in NRW bis zu zehn Hektar Fläche verbaut
  • Landwirte leiden unter Flächenfraß
  • Naturschützer haben Lösungsvorschlag

Dort, wo Heinz-Peter Leimkühler Futtermais für seine Rinderaufzucht in Moers anbaut, soll ein Supermarkt entstehen. Dann werden fast elf Hektar umgewandelt und in NRW ist wieder eine Fläche zugebaut. Seit zwei Jahren sucht Leimkühler nach einer Ausgleichsfläche. Doch er findet einfach nichts.

"Flächeninanspruchnnahme" heißt der Verbrauch offiziell. In NRW werden jeden Tag etwa neun bis zehn Hektar Landschaft umgewandelt - in Siedlungen, Gewerbe oder Straßen. Zwar war der Verbrauch früher noch höher. Seit fünf Jahren geht er aber nicht mehr zurück, sondern stagniert. Das bisherige Ziel des Landes, nur noch fünf Hektar pro Tag zu verbrauchen, scheint in weiter Ferne.

Flächenfraß in NRW

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 07.08.2018 | 03:48 Min.

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Koalition gibt Ziel auf

Die schwarz-gelbe Landesregierung will ohnehin davon abrücken. Sie will Hürden für Gründer und Unternehmer abbauen. Deshalb soll auch das Fünf-Hektar-Ziel der Vorgängerregierung aufgegeben werden. Während sich Naturschützer deshalb sorgen, begrüßt die Wirtschaft die Pläne.

Die Industrie- und Handelskammer Duisburg setzt sich seit Längerem dafür ein, dass Gewerbegebiete einfacher und schneller geplant werden können. Es sei auch ein Trugschluss, dass die Wirtschaft Schuld am Flächenfraß sei, sagt Geschäftsführer Michael Rüscher. "Die Fläche für Gewerbe und Industrie liegt irgendwo bei zwei Prozent. Und wenn man sich die letzten Jahre anguckt, geht das sogar zurück." Die Nachfrage sei hingegen hoch. Wenn keine Flächen angeboten werden könnten, müssten Unternehmen weggeschickt werden.

Wohnbebauung braucht Flächen

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass in NRW vor allem die Wohnbebauung wächst. Und wer Natur zubaut, muss an anderer Stelle Ersatz schaffen zum Beispiel durch Wald. So gehen der Landwirtschaft weitere Flächen verloren.

Auch Rinderzüchter Leimkühler aus Moers fühlt sich doppelt getroffen. "Fläche wird bebaut. Und für diese bebaute Fläche müssen dann Ausgleichsflächen geschaffen werden, die dann bepflanzt werden müssen als Ersatzmaßnahme." Für Landwirte gibt es am Ende keine passenden Flächen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz plädiert für eine radikale Verdichtung. "Höher bauen, da haben alle was davon. Das ist insbesondere auch im Gewerbebereich der Fall. Der Dienstleistungsanteil erlaubt uns auch viel leichter als im industriellen Bereich in die Höhe zu gehen", sagt Thomas Krämerkämper vom NRW-Vorstand. Auch im Wohnbereich müsse in die Höhe gebaut werden.

Stand: 07.08.2018, 06:00

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