Streit um AfD-Äußerung: Feuerwehrchef in der Kritik

Streit um AfD-Äußerung: Feuerwehrchef in der Kritik

  • Der Chef des Feuerwehrverbands hat vor rechtem Gedankengut in den eigenen Reihen gewarnt
  • Inzwischen stehen Rücktrittsforderungen im Raum
  • Gewalt- und Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer hält Vorgehen des Chefs für richtig

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, der Schwelmer Hartmut Ziebs, steht seit einigen Wochen in der Kritik. Fünf seiner sieben Stellvertreter fordern ihn zum Rücktritt auf. Ziebs zufolge liegen die Rücktrittsforderungen darin begründet , dass er öffentlich vor rechtsnationalen Tendenzen in der Feuerwehr gewarnt hat - sowie vor einer Unterwanderung durch die AfD.

Vonseiten der Vizepräsidenten wird das dementiert. Eine öffentliche Stellungnahme zu den Beweggründen für die Rücktrittsforderung ist bisher jedoch nicht erfolgt. Eine Einladung zu einer außerordentlichen Sitzung des NRW-Feuerwehrverbandes am Donnerstag (28.11.2019) hat keines der fünf Präsidiumsmitglieder angenommen.

Wilhelm Heitmeyer

Der Bielefelder Gewalt- und Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer

Der Gewalt- und Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer hält das Vorgehen für richtig.

WDR: Hartmut Ziebs hat davor gewarnt, dass rechte Tendenzen in der Feuerwehr Fuß fassen. War es richtig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen? 

Wilhelm Heitmeyer: Nach meiner Auffassung war das absolut richtig. Die AfD ist zwar eine im demokratischen Verfahren gewählte Partei, prominente Führungspersonen verletzen jedoch ständig die Grundprinzipien dieser Gesellschaft.

Deshalb ist es wichtig, menschenfeindliche Grenzverletzungen deutlich auszusprechen und sich dagegen zu wenden. Einfach gleichgültig zusehen? Das hat schon lange genug stattgefunden.

WDR: Ziebs wird vorgeworfen, er verhalte sich nicht parteipolitisch neutral. Wie politisch kann ein Feuerwehrchef sein? 

Heitmeyer: Gerade in heutigen Zeiten ist es notwendig, die Grundsätze dieser Gesellschaft immer wieder neu öffentlich zu festigen; unabhängig von Parteien.

Wenn aber die AfD eine autoritäre Gesellschaft anstrebt und ständig die Grenzlinien radikal überschreitet, muss man intervenieren. Der Präsident des Feuerwehrverbandes hat ja auch eine wichtige Vorbildfunktion.

WDR: Es gibt keine konkreten Zahlen dazu, wie viele Feuerwehrleute rechtes Gedankengut haben. Wovon kann man auf Grund allgemeiner Untersuchungen ausgehen? 

Heitmeyer: Auch in der Feuerwehr wird es diese Einstellungen geben. Gleichzeitig ist es ein ziemliches Problem, wenn sicherheitsrelevante Institutionen - wie Polizei, Bundeswehr und Feuerwehr - sich weigern, die Verbreitung von derartigen Einstellungen untersuchen zu lassen. Es wird immer noch mit der Parole hantiert: Alles Einzelfälle.

WDR: Die AfD stellt sich in ihren öffentlichen Äußerungen gern demonstrativ hinter die Feuerwehr. Was steckt dahinter? 

Heitmeyer: Die Feuerwehr ist die am höchsten angesehene Institution in der Gesellschaft. Davon will auch die AfD etwas mitbekommen. Es gehört zu den zentralen politischen Zielen der AfD, dass sie in die Institutionen eindringen will, um ihr autoritäres Gesellschaftsbild zu verbreiten.

Ganz deutlich steht das in einem neuen Strategiepapier. Darin steht: "Es wird bis Dezember 2019 eine Liste der Berufsgruppen, ethnischen Gruppen, Vereine und Verbände erstellt, bei denen die AfD ein hohes Potential an Zustimmung erwarten kann."

WDR: Hartmut Ziebs hat kürzlich herausgestellt, dass in den Feuerwehren immer noch vor allem weiße Männer sind – wären mehr Migranten in den Feuerwehren eine gute Präventivmaßnahme gegen rechte Tendenzen?

Heitmeyer: Ja, das wäre ein guter Ansatz. Es gibt die sogenannte "Kontakthypothese" als Konzept: Wenn man erfolgreich gemeinsame Ziele verwirklicht, verliert die Gruppenzugehörigkeit deutlich an Gewicht und die einzelne Person rückt in den Vordergrund. Die Feuerwehr ist genau solch ein Feld, wo das gelingen kann.

Das Gespräch führte Nina Giaramita

Stand: 28.11.2019, 18:45

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