Feuerwehr fordert für Silvester Polizeischutz

Feuerwehrwagen im Einsatz

Feuerwehr fordert für Silvester Polizeischutz

Von Nina Magoley

  • Feuerwehrleute im Einsatz bedroht und angepöbelt
  • Besonders an Silvester häufen sich Übergriffe
  • Gewerkschaft fordert Polizeischutz für die Retter

Einen solchen Moment möchte er nie wieder erleben, sagt Andreas Jedamzik: Zusammen mit seinen Feuerwehrkollegen war er in einer Silvesternacht in Dortmund zu einem Kellerbrand ausgerückt.

Zwei Mann befanden sich im brennenden Keller, als Feiernde auf der Straße plötzlich Böller auf den Rest der Truppe richteten. "Wir mussten uns hinter dem Einsatzfahrzeug verstecken", erinnert sich Jedamzik. Seine Kollegen im brennenden Keller waren auf sich allein gestellt.

Die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft fordert für das bevorstehende Silvester extra Polizeischutz für ihre Leute. Auch der NRW-Landesverband unterstützt diese Forderung.

Mehr Gewalt, besonders an Feiertagen

Drei Männer behindern am 05.07.2015 in Bremervörde (Niedersachsen) nach einem tödlichen Unfall die Arbeit der Rettungskräfte.

Keine Seltenheit: Angriffe auf Rettungskräfte

Übergriffe auf Rettungskräfte nehmen zu, besonders an Tagen, an denen Alkohol im Spiel ist: Silvester, Karneval oder Tanz in den Mai. Das sagen nicht nur Feuerwehrleute, sondern auch Rettungssanitäter und Polizisten.

Studien bestätigen den Eindruck - amtliche Zahlen werden aber nicht gezielt erfasst.

Feuerwehrleute resignieren vor Bürokratie

Das Problem sei, sagt der Dortmunder Feuerwehrmann Jedamzik, dass viele Kollegen Drohungen, Pöbeleien oder Angriffe mittlerweile als normal betrachteten. Um Vorfälle zu melden, müssten sie ein langes Formular ausfüllen. "Das könnte man theoretisch nach jedem zweiten Einsatz machen, meist kommt man aber gar nicht dazu." Viele Kollegen hätten resigniert und nähmen das einfach hin.

Polizeischutz für Feuerwehren?

WDR 5 Westblick - Interview 17.12.2018 04:52 Min. Verfügbar bis 17.12.2019 WDR 5

Download

Bei einer Umfrage der Uni Bochum gaben 80 Prozent der Betroffenen an, Übergriffe nicht zu melden. So erklärt sich wohl, dass das LKA für vergangenes Silvester nur drei gewalttätige Übergriffe nennt.

Zu wenig Polizei

Gewalt gegen Feuerwehr und Rettungssanitäter nimmt zu

Polizei-Begleitung entfällt oft

"Polizeischutz wäre da natürlich wünschenswert", sagt der Gewerkschafter. Wobei ein Polizeiwagen bei jedem Feuerwehreinsatz mitfahren soll, zum Beispiel, um den Verkehr umzulenken. Da die Polizei chronisch unterbesetzt ist, falle diese Begleitung oft aus, sagt Jedamzik. Das gelte gerade an Silvester sei ein zusätzlicher Einsatz der Polizeikollegen kaum realistisch.

Das NRW-Innenministerium winkt ab: Zusätzliche Polizeibegleitung sei nicht drin. Man sehe keinen Bedarf, sagt ein Sprecher. Betroffene müssten das bestehende Meldesystem "einfach konsequenter nutzen".

Die Betroffenen greifen zur Selbsthilfe: Bereits ein zweites selbst gedrehtes Video ging gerade online, in dem Feuerwehr und Polizei in Dortmund gemeinsam für mehr Respekt werben. Auf Youtube wurde der Film in den ersten zwei Wochen 6.000 Mal gesehen.

Stand: 17.12.2018, 06:30

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Tina Tino 18.12.2018, 12:46 Uhr

    Überall nimmt die Aggressivität zu. Gegen Feurwehr, Rettungskräfte, in Notaufnahmen.......aber die Ursachen zu benennen, da traut sich kaum einer ran......das gab es doch schon immer da Franz und Stefan Rettungskräfte bedrohten und auf Feuerwehrleute einschlagen....

  • 3 nrw-bürger 17.12.2018, 20:45 Uhr

    Es geht um alles. Die Leute , die unser Leben und unsere Sicherheit schützen, müssen vor Chaoten und Kriminellen geschützt werden. Wenn es die überforderte Polizei nicht kann (Danke, Politik!), dann sollte man private Sicherheitsleute mitfahren lassen. Zu tun gibt es genug. Am besten 100kg-Leute mit Kampfhunden. Damit die Feuerwehr und die Sanis wenigstens in Ruhe unser Leben und Eigentum schützen können. ---- Das ist doch pervers mittlerweile. Zuschauen reicht nicht mehr.

  • 2 Klaus 17.12.2018, 18:13 Uhr

    Traurig. Die voll individualisierte Spaß-Gesellschaft fordert nun ihren Tribut. In einer Welt ohne Konsequenzen und Verständnis für all die kleinen und großen Grenzüberschreitungen (zum eigenen Nutzen) kann man sich nur dran gewöhnen. Für die nächsten Wahlkampfgeschenke wird dann wieder an der inneren Sicherheit gespart. Die bringt keine Wählerstimmen.

  • 1 Anonym 17.12.2018, 12:58 Uhr

    Angriffe auf Rettungskräfte "geht gar nicht"!! Jeder Einzelne von uns könnte Hilfe früher als gedacht nötig haben. Die Rettungskräfte setzen ihre Gesundheit, wenn nicht gar ihr Leben aufs Spiel um Mitmenschen in Not zu helfen. Das sollten wir alle ehren, nicht bepöbeln!!

    Antworten (1)
    • nrw-bürger 17.12.2018, 20:46 Uhr

      Da hilft nur Härte und Konsequenz - sonst können wir unseren "Laden" hier dichtmachen. Strafen, schnelle Urteile.

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