Waldbrände: NRW-Feuerwehr ist in Griechenland eingetroffen

Waldbrände: NRW-Feuerwehr ist in Griechenland eingetroffen

Von Katja Goebel

Feuerwehrleute aus Bonn, Königswinter und Leverkusen sind auf der Halbinsel Peloponnes in Griechenland angekommen. Es ist der erste Einsatz einer speziell ausgebildeten Waldbrandeinheit.

Knapp 60 Einsatzkräfte aus NRW sind mit ihrem Konvoi aus 19 Fahrzeugen in Griechenland eingetroffen, um dort den Kampf gegen die verheerenden Flammen in Griechenland zu unterstützen. Die Feuerwehrleute machten sich jetzt mit ihrem Einsatzgebiet vertraut, sagte Simon Friz, Einsatzleiter der Bonner Feuerwehr am Mittwoch dem WDR.

Dafür müsse Kartenmaterial studiert werden, das genau Auskunft über die Geländeformationen gebe. "Damit wir keine allzu großen Überraschungen vor Ort erleben", so Friz. Zu diesem Zweck habe man auch eine Drohne dabei. "Das ist extrem hilfreich, um zu wissen, wie weit sich die Feuer ausgebreitet haben."

Startschuss von der EU

Man habe sich bereits vor einigen Jahren darauf vorbereitet, im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens eine solche Waldbrandeinheit zu entsenden, hatte Carsten Schneider, stellvertretender Feuerwehrchef der Bonner Berufsfeuerwehr, vor der Abfahrt gesagt. Am Freitagabend kam der Startschuss von der EU für die Kollegen aus NRW. Dann musste alles sehr schnell gehen.

Spezialeinheit für Waldbrände

Was ist das Besondere an dem Einsatz? "Die Strukturen sind natürlich ganz andere", erklärte Lutz Schumacher von der Feuerwehr Bonn. "Wir arbeiten hier auf EU-Ebene mit anderen Ländern zusammen und sind der Dienststelle in Griechenland unterstellt." Die Einsatzkräfte sprechen fließend Englisch und haben auch eine andere Ausrüstung dabei.

Feuerwehrfahzeuge

Der Konvoi: Abfahrt aus Bonn

Zum Beispiel geländegängige Fahrzeuge, darunter zwei Unimogs. Die Schutzkleidung ist dünner, wegen der großen Hitze. Auch schwere Motorsägen sind an Bord, um Bäume zu fällen und Schneisen zu schlagen, mit speziellen Haken könne der Boden aufgekratzt werden, um das Feuer aufzuhalten.

Anfahrt von über 2.000 Kilometern

Außerdem sei die Truppe autark. Ausgestattet mit Zelten und Verpflegung könne sie kurzerhand überall ihr Lager aufschlagen und sich selbst versorgen. "Wir haben natürlich schon Respekt vor dem Einsatz", so Schumacher. Allein die Anfahrt von über 2.000 Kilometern durch mehrere Länder habe es in sich. "Das ist die längste Anfahrt, die wir je hatten."

Am Mittoch sind sie nun am Einsatzort eingetroffen. Nach einer Woche vor Ort sei die Rückfahrt ins Rheinland geplant, hieß es in Bonn.

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Lufttransport nicht möglich

Der lange Anfahrtsweg und die damit verbundene Verzögerung sei zwar nicht ideal, erklärte Arno Kluwig von der Feuerwehr Bonn dem WDR am Sonntag. Aber angesichts des Fuhrparks von 19 Fahrzeugen habe es keine sinnvolle Alternative zum Landweg gegeben. Frachtflugzeuge seien schwer zu organisieren. "Außerdem hätte ein einziges Flugzeug für unsere Ausrüstung noch nicht einmal ausgereicht."

THW unterstützt

Auch das Technische Hilfswerk schickte Experten nach Griechenland. Man werde die Feuerwehrkontingente aus der Bonner Region sowie aus Hessen unterstützen, hatte das THW am Sonntag mitgeteilt. 15 Einsatzkräfte sollen den Feuerwehrteams im Raum Athen in den Bereichen Logistik und Materialinstandsetzung tatkräftig zur Seite stehen.

"Es ist eine biblische Katastrophe"

In Griechenland wüten seit Tagen Waldbrände mit riesigem Ausmaß. Von der besonders betroffenen Insel Euböa meldeten die Behörden am Mittwoch leichte Fortschritte: "Ich denke, wir können sagen, dass die Feuerfronten langsam unter Kontrolle gebracht werden", sagte der Bürgermeister der Inselstadt Istiea, Giannis Kontzias, dem staatlichen Fernsehsender ERT. Auf der Insel wurden bereits hunderte Häuser zerstört, drei Menschen starben.

Ein Feuerwehrmann schaut auf das Feuer vor sich.

Wüten in Griechenland: riesige Waldbrände

Weiter besorgniserregend war die Lage in der Bergregion Gortynia auf der Halbinsel Peloponnes. Die Feuerwehr konzentriere sich darauf, das Feuer vom dichtbewaldeten Berg Mainalo fernzuhalten, sagte der Vize-Gouverneur der Region Arkadien, Christos Lambropoulos. "Dörfer scheinen im Moment nicht in Gefahr zu sein, aber die Bedingungen ändern sich stündlich."

Hilfe für Griechenland aus ganz Europa

Nicht nur Feuerwehrleute aus Deutschland machten sich auf den Weg nach Griechenland. An den Löscharbeiten nehmen in den nächsten Tagen Feuerwehrleute aus Rumänien, Frankreich, Zypern, Kroatien, Israel, Großbritannien, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ägypten, Katar und Kuwait teil.

Stand: 11.08.2021, 14:41

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