Gürtel eines Polizisten mit Handschellen und Funkgerät

Reul: Hatten terrorverdächtigen 17-Jährigen bereits auf dem Schirm

Stand: 03.02.2022, 17:23 Uhr

Der in Hannover festgenommene Jugendliche aus dem Raum Köln war den Behörden schon länger bekannt. Schon seit Anfang 2020 habe sich dieser islamistisch radikalisiert, erklärte Innenminister Herbert Reul.

Der Jugendliche aus Kerpen werde verdächtigt, eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitet zu haben, sagte Arndt Lorenz, Direktor des Amtsgerichts am Donnerstag. Mit seiner Aussage bei der Polizei habe sich der Beschuldigte selbst belastet. Außerdem hätten Telefonate mit seinen Eltern den Eindruck verstärkt, dass er einen Anschlag plante.

Laut der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf bestehe sogar ein "dringender" Tatverdacht. Der Kerpener soll ausgesagt haben, dass er sich Gegenstände zum Bau einer Sprengvorrichtung verschafft und eine solche hergestellt habe. Ob das stimmt, werde derzeit geprüft, sagt die Generalstaatsanwaltschaft.

Das Amtsgericht Kerpen hat inzwischen Haftbefehl gegen den 17-Jährigen erlassen. Er ist in die Jugendhaftanstalt nach Wuppertal gebracht worden.

Kerpener unter Terrorverdacht: Spürhunde im Zug

Der Tatverdächtige war am vergangenen Samstag vorläufig festgenommen worden. In diesem Zusammenhang hatte die Bundespolizei einen Zug in Wunstorf bei Hannover mit Spürhunden nach Sprengstoff durchsucht. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht. Auch der 17-jährige Verdächtige habe keine gefährlichen Gegenstände bei sich getragen, sagte Heming. Rund 100 Fahrgäste mussten am Samstagabend wegen der Durchsuchung gut eine Stunde am Bahnhof ausharren. Für den Zug und die Reisenden habe keine Gefahr bestanden.

Der 17-Jährige war wegen eines gerichtlichen Beschlusses aus Gründen der Gefahrenabwehr direkt in Polizeigewahrsam genommen worden.

Hinweise aus dem persönlichen Umfeld des Kerpeners

Die Ermittlungen seien nach Hinweisen aus dem persönlichen Umfeld des Beschuldigten aufgenommen worden. Der Jugendliche sei dann am Samstag gegen 17 Uhr von Bundespolizisten im Hauptbahnhof Hannover aufgespürt und zur Wache mitgenommen worden. Ein Entschärfer habe den Inhalt seiner Tasche begutachtet, aber nichts Gefährliches entdeckt.

Nach Angaben der Bundespolizei war der 17-Jährige vor der Kontrolle am Hauptbahnhof in dem Zug gewesen, der später durchsucht wurde. Er habe sich auffällig verhalten und am Reisezentrum eine Tüte mit Gegenständen abgestellt. Der Bereich wurde daraufhin abgesperrt, in der Tüte sei allerdings nur Kleidung gewesen.

"Außerordentlich besorgniserregende" Textnachrichten

Herbert Reul

Innenminister Herbert Reul (CDU)

Die Polizei Hannover hatte erklärt, den Einsätzen sei ein Hinweis der Polizei aus Köln vorausgegangen. Man sei auf den 17-Jährigen aufmerksam geworden, weil er ihm nahestehenden Personen Textnachrichten geschickt habe, erklärte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Landtag. "Erst hat er geschrieben, er werde von Islamisten in Hannover festgehalten. In einer weiteren Nachricht hieß es dann, er sei jetzt mit diesen Islamisten am Hauptbahnhof in Hannover und setze sich in einen Zug nach Köln." In einer weiteren Nachricht hätte es "außerordentlich besorgniserregende Inhalte" gegeben, so Reul. Deswegen hätte der Zugriff erfolgt.

"Unsere Polizei hatte diesen Jugendlichen schon auf dem Schirm", erklärte Reul. So soll der Jugendliche in der Vergangenheit bereits mehrfach polizeilich etwa wegen Körperverletzung in Erscheinung getreten sein. Zudem lägen mehrere Prüffälle aus dem Bereich "Islamistischer Terrorismus" vor, so Reul. "Es gab Erkenntnisse, dass er sich seit etwa Anfang 2020 zunehmend islamistisch radikalisiert und von seinem üblichen sozialen Umfeld isoliert hat."

Jugendlichem droht mehrjährige Haftstrafe

Der Kölner Staatsschutz hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Zur Frage, ob auch die Kölner Wohnung des Verdächtigen durchsucht worden sei, sagte Oberstaatsanwalt Heming, es seien "im Großraum Köln entsprechende Maßnahmen gefahren worden."

Dem 17-Jährigen mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft droht nun eine bis zu fünf Jahre lange Jugendstrafe, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Bis zu einer Verurteilung gelte aber die Unschuldsvermutung, betonte Heming

Keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne

Weitere Auskünfte – zum Beispiel, ob der Verdächtige Teil eines Terrornetzwerks ist – könne man derzeit mit Blick auf den Schutz der Ermittlungen und das Alter des minderjährigen Beschuldigten nicht geben. Zu konkreten Anschlagsplänen habe man derzeit aber keine Erkenntnisse.

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