1.000 Euro Bußgeld: "Ferienverlängerung" kann teuer werden

Kinder am Strand

1.000 Euro Bußgeld: "Ferienverlängerung" kann teuer werden

  • "Ferienverlängerung" oft wegen günstiger Urlaubsflüge
  • Schüler können zum Unterricht gezwungen werden
  • Bußgelder bis zu 1.000 Euro

Die Zahl der sogenannten Ferienverlängerer ist in NRW in den vergangenen Jahren angestiegen. Auch in den Sommerferien werden wieder einige Schüler früher in den Urlaub fahren, beziehungsweise länger bleiben.

Welche Motivation steckt hinter der "Ferienverlängerung"?

Auch wenn in den letzten Tagen vor den Ferien oft nicht mehr viel im Unterricht passiert, weil zum Beispiel eine Projektwoche angesetzt ist oder Spielfilme geschaut werden: Die Schulpflicht gilt natürlich weiterhin.

Das bestätigt unter anderem die Bezirksregierung Arnsberg. Dort habe man einen "zunehmend laxeren Umgang der Erziehungsberechtigten mit der Schulpflicht" bemerkt, sagte ein Sprecher dem WDR. "Da gibt es viele Eltern, die lassen es im Zweifelsfall darauf ankommen, um einen günstigeren Urlaubsflug zu bekommen.

"Eltern würden die zeitlich und preislich besseren Reisezeiten nutzen", hieß es von der Bezirksregierung Münster. Autopanne auf der Rückreise, Familienfeier im Ausland, Erkrankung im Urlaub - diese und andere Gründe geben Eltern für das Fehlen ihres Kindes an, erklärte ein Sprecher der Detmolder Bezirksregierung.

Welche Maßnahmen treffen die Schulen oder Bezirksregierungen?

"Die Schulen sind ausdrücklich angehalten, bei festgestellten unentschuldigten Fehlzeiten in den Ferienrandzeiten das Gespräch mit den Eltern zu suchen, Atteste einzufordern und falls diese nicht vorgelegt werden, konsequent Bußgeldverfahren einzuleiten", sagt Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung Arnsberg.

Strafrechtlich können Eltern beziehungsweise Schüler in NRW wegen eines Verstoßes gegen die Schulpflicht nicht belangt werden, hieß es aus dem Schulministerium. In manchen anderen Bundesländern ist dies in besonders schweren Fällen möglich.

Aber auch in NRW können die Schüler gezwungen werden, wieder am Unterricht teilzunehmen. Zwang darf aber erst angewendet werden, wenn Gespräche und Geldbußen nicht mehr wirken. Die Maßnahme selbst wird dann von der Polizei durchgeführt.

Mit welchen Konsequenzen müssen "Ferienverlängerer" rechnen?

Wer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Im Höchstfall können es insgesamt 1.000 Euro werden. Das Bußgeld soll den finanziellen Vorteil aufheben, den eine frühere Reise mit sich brächte. Das Bußgeld kann gegen die Eltern, aber auch gegen Schüler selbst verhängt werden, die 14 Jahre oder älter sind.

In den Regierungsbezirken Arnsberg und Düsseldorf beträgt das Bußgeld 80 Euro pro Tag pro Kind pro Elternteil, in Münster sind es 100 Euro, in Köln sind 155 Euro fällig.

In Detmold lässt man die Höhe bewusst offen und verweist auf den Maximalbetrag von 1.000 Euro. "Wir wollen nicht, dass die Eltern ein eventuelles Bußgeld mit der Ersparnis bei der Urlaubsbuchung gegenrechnen", so ein Sprecher zum WDR.

Oh nein, Sommerferien!

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 10.07.2019 19:30 Min. Verfügbar bis 08.07.2020 WDR 5 Von Juliane Krebs

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Stand: 11.07.2019, 13:18

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