Ferienbeginn im Zeichen der Thomas-Cook-Pleite

Ferienbeginn im Zeichen der Thomas-Cook-Pleite

Von Thomas Kramer

  • Alle Thomas Cook-Reisen bis Jahresende abgesagt
  • Zurich-Insolvenzversicherer: 110 Mio. Euro für Entschädigungen
  • Anwalt für Reiserecht: wahrscheinlich nur 30 Prozent Erstattung

Für Daniela Versteegen aus Krefeld war die Nachricht vom abgesagten Urlaub eine Katastrophe. Zwei Jahre hat sie gespart, jeden Euro umgedreht. Zum ersten Mal wollte die allein erziehende Mutter mit ihren 5 Kindern gemeinsam Urlaub machen.

Geplant waren zwei Wochen im türkischen Antalya: "Wir haben Flaschen gesammelt, die Kinder haben auf ihr Taschengeld verzichtet. Jetzt fragen sie: Warum fliegen wir nicht? Und dann liefen direkt schon die Tränen. Wir haben das doch bezahlt."

Aus Verzweiflung wird Wut

Anja Leopold aus Meckenheim kennt diese Schicksale. Sie gehört zum Administratorenteam der privaten Facebookgruppe "Thomas Cook Insolvenz News und Erfahrungsaustausch". In nur vier Tagen ist sie zu einem Forum mit mehr als 10.000 Mitgliedern geworden. Ihr selbst wurde kein Urlaub abgesagt. Sie wollte einfach nur helfen, Austausch im Netz zu organisieren. Ihr Eindruck: "Die Leute werden gereizter, der Ton auch ein bisschen harscher. Da müssen wir schon auch aufpassen."

Das gewaltige Echo hat sie und die anderen im Team überrascht. Seit dem 23. September, dem Tag der Thomas-Cook-Insolvenz, sichtet sie täglich stundenlang Kommentare. Die einen schreiben, wie sie ihren Urlaub noch irgendwie zu retten versuchen, andere können sich eine zweite Buchung nicht leisten, bleiben zu Hause. Doch sie alle treibt die Frage nach Entschädigungen um.

Pleite statt Urlaub?

WDR 5 Tagesgespräch 24.09.2019 44:03 Min. Verfügbar bis 23.09.2020 WDR 5

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Vollständige Erstattung utopisch

Der Kölner Anwalt für Reiserecht, Torben Schultz, rät, Erstattungsansprüche bei der Zurich anzumelden, dem Insolvenzversicherer von Thomas Cook. Einen Anwalt brauche es dafür nicht, das gehe einfach per Musterschreiben und Auslagenbelege.

Die Zurich Versicherung hält für abgebrochene oder abgesagte Pauschalreisen 110 Millionen Euro Entschädigungsgeld bereit. Doch für alle Ansprüche betroffener Kunden wird das wohl kaum reichen. Schultz: "Die Erfahrung lehrt, dass die Chancen überschaubar sind, 100 Prozent erstattet zu bekommen."

Vorauszahlungen in Millionenhöhe

Zahlungen via Bank zurück zu buchen, sei zwar teilweise möglich, aber kein rechtssicherer Weg. Die Insolvenzverwalter könnten sich das Geld später zurückholen. Allein in Deutschland soll Experten zufolge ein dreistelliger Millionenbetrag an Vorauszahlungen geleistet worden sein.

Schultz schätzt, dass kaum mehr als 30 Prozent davon zurückgezahlt werden können. Das hängt davon ab, wie hoch der Schaden tatsächlich ist. Das ermittelt die Zurich derzeit noch. Dann wird sich zeigen, ob die vom Gesetzgeber als Maximalbetrag vorgesehenen 110 Mio. Euro Insolvenzabsicherung ausreichend waren.

Stand: 11.10.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

36 Kommentare

  • 36 Magdalena 12.10.2019, 23:29 Uhr

    Ich habe am 1.9.2019 gebucht Einzahlung 18.9 getätigt und am 23.9 Insolvenz das ist veraschen !!!! Wenn meine Reise im Januar nicht stattfindet nehme ich Rechtsanwalt und meine einbezahlte 1000€ muss ich bekommen Ab in den Urlaub hat mir diese Reise angeboten und verkauft Wie kann man so was machen ??? Kann kaum glauben dass die es nicht wussten

  • 35 Schüler 12.10.2019, 22:56 Uhr

    ICh und mein Mann haben am 6.7 bei buchen Reisen gebucht für den 23,12 nach Tunesien 3 Wochen. HaBen aber schon ne anzalug gemacht . Wissen aber nicht optimal wir das Geld wider bekommen oder nicht Uns hat auch kein Reise Büro angerufen und bescheit gegeben. Binicht sehr enteuscht vom den reisebüro.

  • 34 Christina Noack 12.10.2019, 21:22 Uhr

    Schon im Frühjahr wurde darauf aufmerksam gemacht,dass wenn bei TC eine Insolvenz Eintritt 110 Millionen als Absicherung nicht genug sind.Und nun??? JEDER EINZELNE musste hart für diesen Urlaub sparen.Auch unsere Reise wurde abgesagt.Wir sind wütend und traurig,aber schlimmer ist,dass unser hart erspartes Geld auch weg ist.Dann soll doch die Regierung mit einspringen,denn sie wussten das TC nicht ausreichend versichert ist,nicht bei diesen Ausmaß.Ich frage wo sind denn die Millionen,die wir Alle für unsere Reise angezahlt bzw.bezahlt haben?? Wo sind die Gelder geblieben????

  • 33 Juli 12.10.2019, 20:49 Uhr

    Wir haben auch eine Woche vor dem Insolvenzantrag bei Bucher.de eine Woche Mallorca über Neckermann Reisen für 4 Personen gebucht. Wenn man dann in den Medien erfährt, dass die mögliche Insolvenz bereits im Juli bei Thomas Cook diskutiert wurde, kann ich einfach nicht nachvollziehen weshalb weiterhin Buchungen gemacht werden konnten. Ich wäre auch für eine Gemeinschaftliche Klage, da jeder einzelne ein Recht darauf hat sein Erspartes Geld zurück zu bekommen, egal ob aus niedrigen, mittleren oder höheren Schichten - Geld ist Geld und muss verdient werden!

  • 32 Lisa Lacombe 12.10.2019, 19:40 Uhr

    Existiert ein Spendenkonto für Frau Tersteegen???? Wie kann man da Infos bekommen???

  • 31 Anonym 12.10.2019, 19:20 Uhr

    Wir -5 Frauen - haben bei Neckermann gebucht und wollten am 24. Sept für 2 Wochen nach Agadir fliegen ........fast 6.000 € sind wohl weg !!!! Die Insolvenz lag doch schon länger in der Luft, aber die Verantwortlichen haben das Geld genommen, ohne Gegenleistung! Aus unserer Sicht ist es Betrug

  • 30 Katy 12.10.2019, 18:36 Uhr

    Die Familie fliegt ja nun trotzdem in den Urlaub.

  • 29 Regina 12.10.2019, 18:19 Uhr

    Wir wären am 28.9.geflogen aus Enttäuschung wurde nur noch Wut wir haben im Januar gebucht es sollte ein Familienurlaub mit meinen erwachsen Kindern sein wir hatten uns alle so gefreut denn die Gelegenheit haben wir auch nicht immer ??

  • 28 r. sippel 12.10.2019, 15:09 Uhr

    gibt es ein spendenkto. für frau versteegen?

    Antworten (1)
    • Katy 12.10.2019, 18:36 Uhr

      Es wurde schon via Paypal gespendet, die Familie fliegt am Mittwoch in den urlaub

  • 27 Martin 12.10.2019, 11:01 Uhr

    Wie kann es sein, dass eine Versicherung ein halbes Dutzend Reiseunternehmen mit einem Sicherungsschein deckt?!? Auf meinem Schein stehen Öger und Bucher Reisen, schon das sollte nicht zulässig sein. Und nun soll ganz TC Deutschland mit einem Sicherungsschein gedeckt werden? Bei uns stecken 4040€ im Feuer. Wir haben noch einmal direkt über das Hotel mit Rabatt gebucht für weitere 3300€. Diese Verbrecher!!! Und TC Deutschland soll finanziell nicht angeschlagen gewesen sein!? Ich will das Geld zurück! Zum Glück konnten wir unseren 3 Kindern den Urlaub noch gönnen. Mir tun alle leid, die nicht mehr fliegen konnten. Sammelklage gegen BRD jetzt. Denn die EU hat längst Richtlinien bezüglich der Absicherung erlassen. Zudem Sammelklage gegen die Zurich wegen der Sicherungsscheine.

    Antworten (1)
    • Alexander 12.10.2019, 14:51 Uhr

      Hallo Martin. Uns hat es auch erwischt. Man müsste soviel Betroffene zusammen trommeln und eine Riesen sammel Klage veranlassen. Es werden zwar viele sagen das es keine Chance auf Erfolg gibt aber man sollte es versuchen. Viele Grüße

  • 26 I.Stövsand 12.10.2019, 10:01 Uhr

    Reise gebucht am 20.07.19 für 03.November bis 17.November Gran Canaria... Komplett bezahlt € 2300,und dann innerhalb 7Wochen Insolvenz ???? Also wirklich,dass hätten die Damen im Reisebüro doch wissen müssen,warum wird dann noch fleissig weiter verkauft,ist man denn nicht dazu verpflichtet den Zahlenden Kunden aufzuklären???Oder geht es hier nur um Provision??? Also,ich fühle mich doch verarscht,nie wieder...das Vertrauen ist dahin,unverschämtheit!! Hinzu als bitterer Nachgeschmack,dieser Aufwand mit der VERSICHERUNG, unzählige Versuche die Mail zu versenden,null Chance ,komplett überlastet, TELEFON : keine Chance. Was machen denn die Leute,die keinen Computer haben???Nicht jeder ist im Besitz eines Laptop 's...etc. Für alles springt der Staat ein,also warum denn nicht hier bei diesem Chaos??? MANCHE MACHEN ES SICH WIRKLICH EINFACH!!!

  • 25 Sabine foelske 12.10.2019, 08:02 Uhr

    Es ist eine riesenschweinere man freut sich so sehr auf denn Urlaub arbeitet hart dafür bin altenpflegerin und meine Tochter auch wären zusammen geflogen insgesamt sind 5600 Euro weg haben wir hart für gearbeitet

  • 24 Hennes 12.10.2019, 07:38 Uhr

    Warum verdienen Leute soviel Geld die null anung haben von der Politik Kinder Garten Altenheim Strasse

  • 23 Petra h 12.10.2019, 07:35 Uhr

    Ich finde jeder soll sein Geld wie der bekommen oder Ersatz Urlaub wir mussten auf die Strasse gehen das der Stadt auch sieht so geht das nicht für alle ist Geld da nur für uns nicht trauriges Deutschland haubsache e die oben verdienen genug

  • 22 Petra 12.10.2019, 07:33 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 21 Beate Großer 12.10.2019, 06:49 Uhr

    Ich schließe mich der Meinung von Frau Harloff voll und ganz an. Wir hatten unsere Reise bereits Ende Dezember 2018 bei Neckermann gebucht und wollten am 14. Oktober nach Mallorca fliegen. Auch wir haben nur wenige Tage vor Bekanntwerden der Insolvenz die Restzahlung geleistet. Auch ich halte das für Betrug. Eiskalt hat man alle Leute, welche in den Herbstferien reisen wollten, noch abkassiert. Außerdem werden Kunden mit der Aushändigung des Sicherungsscheins bewusst getäuscht. Es ist nicht zu glauben, dass alle Betroffenen nur ca. 30 Prozent von der Versicherung erstattet bekommen sollen. Ich werde meine Reisen in Zukunft nur noch kurzfristig buchen und mit Kreditkarte bezahlen. Das Vertrauen ist jedenfalls weg.

    Antworten (1)
    • Erik 12.10.2019, 17:11 Uhr

      Ich habe mit einer Visa Kreditkarte von der ING Diba Bank eine Pauschalreise wenige Tage vor der Insolvenz bei Bucher gebucht und bezahlt. Wollte den Betrag jetzt wieder zurückbuchen lassen und die ING Diba verweist nur auf den Reisesicherungsschein und ist nicht zuständig. Also Kreditkart ist leider auch nicht sicher.

  • 20 Familie Geipel 12.10.2019, 06:27 Uhr

    Wir haben gespart und uns auf den Urlaub rießig gefreut Vor allem unser Sohn.Nun können wir nicht nach Ägypten fliegen und das viele Geld ist auch weg!!Ich hoffe das vielleicht doch etwas Geld zurück kommt und wir hoffentlich dann auch mal in den Urlaub fliegen könne.

  • 19 Geli 12.10.2019, 00:33 Uhr

    Für unsere Urlaubsreise ab 20.09. nach Teneriffa und La Palma buchten wir nur das Hotel auf La Palma bei Neckermann Reisen. Bei unserer Ankunft von Teneriffa auf La Palma am 25. 09. sagte man uns im Hotel, dass unser Voucher wertlos ist und wir dafür kein Zimmer mehr haben können. Wir mussten nochmal bezahlen. Da wir keine Pauschalreise gebucht hatten tritt für uns die Zurich nicht ein. Vermutlich ist unser Geld futsch.

  • 18 Origin 12.10.2019, 00:00 Uhr

    Ich habe eine Insolvenz als Mitarbeiter beim einem mittelständischen Ferienhaus-Anbieter miterlebt. Es handelt sich um langwieriges und sehr komplexes Verfahren, denn erst einmal muss festgestellt werden, ob es eine verwertbare Masse gibt. Jede Geschädigte muss beim Insolvenzverwalter seinen finanziellen Schaden anmelden. Das sind eventuell hunderttausende, die auch noch geprüft werden müssen. Es ist noch nicht bekannt, welche Ansprüche, auch von Leistungsträgern im Ausland, von den 110 Millionen erstrangig sind. Der Konzern wird zerschlagen und es wird sich herausstellen, wieviel Geld der Insolvenzverwalter noch eintreiben kann. Ich teile die die Einschätzung des Rechtsanwaltes mit ca. 30% Rückerstattung, eventuell auch etwas weniger. Das Kuriosum ist, dass T.C. voraussichtlich plant, ins operative Geschäft mit dem 01.12.2019 zu beginnen. Ich frage mich nur, mit welchem Geld und wer hat noch Vertrauen auch in die Nachfolgeunternehmen.

  • 17 Reisebüromitarbeiter 11.10.2019, 23:56 Uhr

    Daher ein klares Nein zu einem Neckermann 2.0 oder Thomas Cook 2.0! Am liebsten sogar mit chinesischen Investoren neustarten? Wer soll denen noch trauen? Die Kunden oder Hoteliers, die seit Monaten geprellt und betrogen wurden? Das Team von Thomas Cook Deutschland & Neckermann, deren "engagierte" Belegschaft und ihre deutsche Chefin Stefanie Berks kannten ihre prekäre Situation. Die Hoteliers und wir Reisebüros wurden belogen und hin gehalten wie gut es läuft und jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln und kriegen die Enttäuschung unserer geprellten Kunden ab. Daher je schneller der Schlussstrich gezogen wird umso besser! Es gibt bessere deutsche Reiseveranstalter! Und es muss nicht immer der größte oder börsennotiertes Unternehmen wie die TUI oder mit großem ägyptischen Investor wie bei FTI sein. Der Mittelstand hat Deutschland groß gemacht! Daher werde ich meine Kunden jetzt noch mehr auf die beiden vom Inhaber noch selbst geführten Unternehmen wie Schauinsland und Alltours buchen.

  • 16 Birgit Harloff 11.10.2019, 22:09 Uhr

    Unsere Reise habe ich Januar gebucht und mit 20% angezahlt. Dann erhalte ich am 15.09. Die Aufforderung den restl. Reisepreis zu bezahlen. Schon da war lange bekannt im Reiseunternehmen, das die Insolvenz unausweichlich ist. Das ist vorsätzlicher Betrug. Die Reisebucher noch abzuzocken und dann 10 Tage später die Insolvenz zu beantragen. Dann der 2.Betrug mit der Zürich Versicherung. Sicherung scheine auszugeben ohne volle Deckungssumme. Ich werde nie wieder über Thomes Cook oder in meinem Fall Neckermann Reisen buchen.

    Antworten (1)
    • Claudia B. 12.10.2019, 09:52 Uhr

      Mir ging es genauso. Kam noch eine E-Mail zur Erinnerung an die Restzahlung und..."Bald geht es in ihren Urlaub"... Da wussten sie schon alles. So eine Schweinerei. 3 Tage später dann in den Nachrichten von der Pleite gehört. Leider über Airmarin. Ich werde auch nie wieder Thomas Cook buchen.

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