Klimafasten: "Wir entdecken das Fasten wieder neu"

Klimafasten: "Wir entdecken das Fasten wieder neu"

An Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Die Kirchen rufen in diesem Jahr zum Klimafasten auf. Pfarrer Markus Schaefer von der Evangelischen Kirche Rheinland erklärt die Idee dahinter.

WDR: Eigentlich geht es beim Fasten darum auf Essen oder Trinken zu verzichten und sich auf Gott zu konzentrieren. Elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer regen nun aber zum Klimafasten an, um zum Beispiel fairer zu konsumieren. Wie sehr hat sich das Fasten bei der Kirche geändert?

Thomas Markus Schaefer, Pfarrer

Markus Schaefer ist Kirchenrat in der Evangelischen Kirche Rheinland

Michael Schaefer: Wir haben festgestellt, dass es nicht mehr nur darum geht, auf sich zu gucken, dass man selber weiterkommt, sondern dass wir in großen globalen Zusammenhängen leben. Mein Lebenswandel und mein Fasten hat immer etwas zu tun mit dem gesamten Kontext. Das wollen wir durch die Aktion Klimafasten ausdrücken.

WDR: Dabei geht es auch um den Verzicht von Plastik. Wie soll das aussehen?

Schaefer: Gott hat seine Schöpfung nie eingepackt. Wir können Gottes Schöpfung genießen, tragen aber auch eine Verantwortung dafür. Und so ist in der Aktion Klimafasten eine Woche vorgesehen, wo man verschiedene Anregungen aufnehmen kann, um Plastik zu sparen und damit etwas Aufmerksamkeit zu gewinnen für die Schöpfung.

WDR: Wird der ursprüngliche Gedanke des Fasten dadurch nicht verwässert?

Schaefer: Entscheidend finde ich am Klimafasten, dass man sich Dinge nicht rauspicken, aber auswählen kann. Es gibt sieben Wochen mit sieben Themen und es werden verschiedene Aktionen vorgestellt. Man muss nicht alle Dinge machen, sondern bekommt Angebote, die man mit anderen gemeinsam wahrnehmen kann. Deshalb empfinde ich das Fasten auch nicht als ein Muss, sondern als eine Veränderung, als ein Werden, wo meine Individualität und meine Lebensgewohnheiten eine große Rolle spielen. Denn wir wollen versuchen, über die Lebensgewohnheiten das große Ganze zu verändern.

WDR: Warum ist Aschermittwoch so ein guter Start dafür?

Schaefer: Aschermittwoch ist der klassische Beginn der Fastenzeit. Da sagt man, die nächsten sieben Wochen laufen anders, und man gibt sich Zeit, mal neu auf uns und Gottes Schöpfung zu blicken. Wenn die Leute Aschermittwoch als guten Tag zum Start dafür nehmen, kann das nur eine gute Sache sein. Man braucht manchmal solche markanten Tage.

WDR: Mittlerweile gibt es zum Beispiel auch Handyfasten. Wird die Idee des Fastens von anderen vereinnahmt?

Schaefer: Ich würde es eher umgekehrt sehen. Wir entdecken in der Kirche das Fasten wieder neu. Auf evangelischer Seite war Fasten nicht so ein großes Thema - es war eher ein römisch-katholisches Thema. Jetzt merken wir, Fasten hat sehr viel damit zu tun, wie wir uns als Menschen und wie wir diese Welt wahrnehmen und was unsere Verantwortung ist, diese Welt mitzugestalten. Das können wir nur gemeinsam tun. Deshalb glaube ich gar nicht so sehr, dass die anderen sich da an uns ranhängen, sondern wir entdecken eher, was in anderen Aktionen an tiefer Weisheit steckt.

Smartphonefasten mithilfe von Apps

WDR 2 Servicezeit 06.03.2019 03:49 Min. Verfügbar bis 05.03.2020 WDR 2

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Stand: 06.03.2019, 19:51

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