FAQ Afghanistan: Wie viele Menschen wurden bisher abgeschoben und warum?

Ein Flugzeug startet. Davor Stacheldraht.

FAQ Afghanistan: Wie viele Menschen wurden bisher abgeschoben und warum?

Deutschland hat Abschiebungen nach Afghanistan vorerst ausgesetzt. Was ist der Grund? Welche und wie viele Menschen wurden zuvor abgeschoben? Antworten hier im FAQ.

Warum werden die Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt?

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) begründete das Aussetzen der Abschiebungen mit den aktuellen Entwicklungen der Sicherheitslage in Afghanistan. Die afghanische Regierung hatte die EU-Mitgliedsstaaten bereits Mitte Juli um einen Abschiebestopp gebeten, denn seit dem Abzug nahezu aller internationaler Truppen haben die radikalislamischen Taliban große Gebiete des Landes erobert.

Unter dem Vormarsch leidet vor allem die Zivilbevölkerung. In der ersten Jahreshälfte sind den Vereinten Nationen zufolge mindestens 1.659 Zivilisten getötet und 3.524 Menschen verletzt worden. "Es gibt keine sicheren Gebiete in Afghanistan, es gibt keinen internen Schutz vor der Taliban", sagt der Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation ProAsyl, Günter Burkhardt.

Welche Menschen wurden zuvor nach Afghanistan abgeschoben?

Nach Angaben des Innenministeriums leben derzeit knapp 30.000 ausreisepflichtige Afghanen in Deutschland. Deutschland schiebt seit 2016 regelmäßig nach Afghanistan ab. Grundsätzlich würden aus NRW nur männliche Straftäter und Gefährder "nach sorgfältiger Einzelprüfung" nach Afghanistan abgeschoben, heißt es aus dem NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration.

Laut ProAsyl ist die Abschiebepraxis in den einzelnen Bundesländern verschieden. In Bayern etwa könnten auch sogenannte Identitätsverweigerer und Menschen, die sich nicht in einer Ausbildung oder einem Arbeitsverhältnis befinden, abgeschoben werden. Dadurch würden auch Afghanen abgeschoben, die sich nichts hätten zuschulden kommen lassen.

Wie viele Menschen wurden bisher nach Afghanistan abgeschoben?

Von 2016 bis Mitte Juli 2021 wurden im Rahmen von 40 Sammelabschiebungen insgesamt 1.104 Asylbewerber aus Deutschland nach Afghanistan zurückgebracht, darunter auch Menschen aus NRW. Nach Angaben des NRW-Innenministeriums wurden seit 2016 insgesamt 79 Personen (Stand: Mitte Juli 2021) aus Nordrhein-Westfalen nach Afghanistan abgeschoben.

"NRW war von Anfang an an den Sammelabschiebungen nach Afghanistan beteiligt", sagte Birgit Naujoks. "Es gibt ein Abkommen zwischen der Bundesregierung und Afghanistan, dass pro Monat 50 Menschen aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben werden dürfen".

Was ist die Grundvoraussetzung für eine Abschiebung?

Ein Mensch kann seinen Aufenthaltstitel wegen einer Straftat verlieren - das heißt aber nicht, dass er auch automatisch abgeschoben werden darf. Bei der Abschiebung ist Deutschland verpflichtet zu prüfen, ob der Person im Herkunftsland eine Gefahr für Leib und Leben beziehungsweise die Gefahr von Folter oder unmenschlicher sowie erniedrigender Behandlung droht.

Warum flüchten die Menschen aus Afghanistan?

Afghanistan ist seit etwa 40 Jahren von Konflikten und Vertreibung geprägt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 startete ein internationales Militärbündnis unter Führung der USA eine Invasion, wodurch die herrschenden Taliban in den meisten Teilen des Landes gestürzt wurden. Durch den Krieg wurde eine große Flüchtlingswelle ausgelöst.

Anschließend verübten die Taliban immer wieder Anschläge, um das Land zu destabilisieren. Die Anschläge richteten sich oft gegen die Zivilbevölkerung. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) lebten Ende 2020 2,6 Millionen Afghanen als Flüchtlinge. Das Leben der Menschen sei von Lebensmittelknappheit, unangemessenen Unterkünften sowie dem fehlenden Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Rechtsbeistand geprägt.

Ein Soldat bangt um afghanische Helfer – Marcus Grotian

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit 09.08.2021 23:13 Min. Verfügbar bis 09.08.2022 WDR 5


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Stand: 11.08.2021, 18:26

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