Weg aus dem Heimatland von "El Chapo"

Weg aus Mexiko - in ein neues Leben in NRW Aktuelle Stunde 17.11.2018 03:04 Min. Verfügbar bis 17.11.2019 WDR

Weg aus dem Heimatland von "El Chapo"

  • Prozessauftakt gegen den Verbrecher "El Chapo" in New York
  • Der Alltag in Mexiko wird von Kriminalität bestimmt
  • Interview mit einer Familie, die heute in NRW lebt

Er galt lange als der meistgesuchte Verbrecher der Welt, seit Anfang November steht der Ex-Drogenboss "El Chapo" in New York vor Gericht. Vanessa Contreras Schneider und ihr Mann Antonio Cruz sind mit ihrem Sohn vor den Folgen der Kriminalität in Mexiko geflohen und leben nun in NRW.

WDR: In Mexiko ist die Kriminalität allgegenwärtig. Wie erlebt man das?

Mexiko

Polizeieinsatz in Mexiko-Stadt

Vanessa Contreras Schneider: In Mexiko erlebt man zum Beispiel jeden Tag, dass Kinder entführt werden. Entweder es geht um Lösegeld, dann hat man Glück. Ansonsten verschwinden die Kinder in die Prostitution oder bekommen illegal Organe entnommen.

Antonio Cruz: Kürzlich haben sie in Mexiko-Stadt wieder einen Koffer gefunden, in dem die Leichen von zwei Kindern waren. Man muss sich das einmal vorstellen: Mitten am Tag steht da plötzlich ein Koffer mit zwei Kinderleichen!

Vanessa Contreras Schneider und ihr Mann Antonio Cruz leben mit ihrem Sohn in der Nähe von Bonn. Vanessa hat eine deutsche Mutter, ist in Mexiko aufgewachsen und besitzt wie ihr Sohn die deutsche Staatsbürgerschaft. Antonio ist Kfz-Mechatroniker in einer Autowerkstatt bei Bad Honnef.

Contreras Schneider: Oder sie rufen dich an.

WDR: Was sind das für Anrufe?

Contreras Schneider: Das ist meinen Eltern schon drei Mal passiert. Plötzlich klingelt das Telefon, und eine Stimme sagt: Wir haben eure Tochter. Im ersten Moment ist man geschockt und sagt vielleicht: "Was ist mit Vanessa?"

Dann kennen sie den Vornamen, und machen weiter: "Wir haben Vanessa in unserer Gewalt. Entweder ihr bezahlt, oder sie stirbt."

Dann ist im Hintergrund eventuell die Stimme einer schreienden Frau zu hören. Man denkt, es könnte das eigene Kind sein. Dann sagen sie: "In einer Stunde gibst du das Geld, oder sie ist tot." Natürlich versucht man, die eigenen Kinder auf dem Handy anzurufen. Aber wenn man sie nicht gleich erreicht, dann zahlt man lieber.

WDR: Hält man solche Verbrechen für möglich?

Cruz: Ja, natürlich. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich einmal an der Autobahnabfahrt einen Arm gesehen. Dann ein Bein, dann den Rest, Stück für Stück. Ich habe bei der Polizei angerufen. Die haben dann gesagt: "Ja, danke für den Hinweis, wissen wir schon. Wir sind unterwegs und sammeln das gleich ein." Ganz routiniert.

WDR: Was macht das mit den Menschen, wenn solche Dinge immer wieder überall passieren können?

Contreras Schneider: Man wird vorsichtig, gerade mit Kind. Man hat immer alle seine Sinne in Alarmbereitschaft. Niemals kannst du dein Kind aus den Augen lassen, keine Sekunde.

WDR: Wollen Sie irgendwann zurück nach Mexiko?

Cruz: Ich denke nicht, dass wir wieder in Mexiko leben wollen. Aber nach Mexiko reisen, Freunde und Familie treffen, das ja. Ich habe seit drei Jahren meine Eltern nicht gesehen, das ist schon hart.

Das Interview führte Thomas Kramer.

Stand: 17.11.2018, 08:00

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