Fake-Videos erkennen: Auf Details achten

Stand: 21.03.2022, 15:47 Uhr

Derzeit kursieren viele Fake-Videos, die gezielte Desinformationen rund um den Ukraine-Konflikt verbreiten. Urheber sind häufig russische Trollfabriken, die das öffentliche Meinungsbild mit gezielten Desinformationen manipulieren wollen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt den Unterschied zwischen Fake-Videos und Deep-Fakes – und wie sich solche Fälschungen erkennen lassen.

Videos verbreiten sich auf Facebook, Youtube, Instagram und TikTok sehr schnell. Was Emotionen schürt, das wird von den Algorithmen ungeachtet von Inhalt oder Wahrheitsgehalt besonders häufig angezeigt – und damit rasant verbreitet.

Genau mit diesem Mechanismus spielen Personen und Gruppen, die Fake-Videos produzieren. Oft reicht es schon, ein paar vorhandene Bilder neu zusammenzuschneiden, mit Off-Texten zu versehen (gesprochener Text), mit Soundeffekten zu garnieren und/oder mit Untertiteln auszustatten, um einen völlig falschen Eindruck zu vermitteln. Natürlich kommen auch gezielt gedrehte Szenen zum Einsatz. Da beim Posten keine Prüfung auf Wahrheit oder Echtheit erfolgt, ist es leicht, auf den Plattformen Fake-Videos jeder Art zu verbreiten.

Information als Waffe

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Kreml sogenannte "Trollfabriken“ finanziert, die nur das eine Ziel haben: Sie sollen gezielt Desinformation verbreiten. In Wort, Bild und in Form von Videos – und das auf allen gängigen Plattformen wie Youtube, Facebook, Twitter, Instagram und Co. Die Mitarbeiter dieser Trollfabriken verbreiten rund um die Uhr Unwahrheiten – um so die öffentliche Meinung zu verändern und zu prägen.

Unaufhaltsamer Schneeballeffekt

Das aktuell aufgetauchte Video, in dem behauptet wird, eine Gruppe Ukrainer hätte einen 16-Jährigen in Euskirchen zu Tode geprügelt, ist ein typisches Beispiel. Ein solches Ereignis ist absolut denkbar und möglich – und wird deswegen von vielen Menschen ungeachtet der Richtigkeit empört geteilt. Auf diese Weise entsteht ein unaufhaltsamer Schneeballeffekt. Bis klar ist, dass es sich um ein Fake-Video handelt mit bewussten Falschbehauptungen, ist der Schaden längst angerichtet.

Fake-Videos erkennen: Für Laien schwierig

Solche Fake-Videos als solche zu erkennen und zu enttarnen, ist für Laien nicht besonders leicht. Am besten ist, im Zweifel bei Fakten-Checkern wie Mimikama nachzuschauen, ob dort unabhängige Journalisten solche oft viral gehenden Bilder oder Videos bereits auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht haben. Wichtig ist aber auf jeden Fall, solche Inhalte nicht ungeprüft weiterzureichen. Liken oder Teilen führt nur dazu, selbst zum Schneeballeffekt beizutragen.

Deep-Fakes: Mit Hilfe von KI erzeugte Fakes

Mit populären Apps lassen sich die eigenen Gesichter in Musikvideos oder Hollywood-Filme montieren

Noch heikler sind sogenannte Deep-Fakes. Das sind Videos, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt wurden. Dabei werden Gesichter ausgetauscht oder Personen ganz andere Worte in den Mund gelegt. Was vor wenigen Jahren noch Forschungsprojekte waren, ist heute in der Popkultur angekommen. Mit Apps wie Reface oder Wombo kann jeder mit seinem Smartphone sein eigenes Gesicht in ein Video oder die Szene eines Kinofilms montieren. Hier sorgt das für Spaß – in vielen anderen Situationen kann es aber enormen Schaden verursachen.

Ein Fall für Profis

Profis können technisch noch sehr viel überzeugendere Aufnahmen erstellen. Und so kursieren bereits Deep-Fake-Videos von Putin und Selenskyi im Netz, in denen die Politiker jeweils ihre Kapitulation bekannt geben. Es ist damit zu rechnen, dass noch mehr solcher Deep-Fake-Videos im Ukraine-Konflikt auftauchen – um die Öffentlichkeit zu täuschen und die Meinung zu manipulieren.

Ein Schauspieler spricht, der Deep-Fake-Obama bewegt seine Lippen synchron

Bei technisch gut gemachten Deep-Fakes ist es nicht einfach, sie als Laie als solche zu erkennen. Es gibt manchmal Hinweise, vor allem an den Kanten des Gesichts: Wenn die Übergänge zum Hintergrund oder zur Bekleidung nicht stimmen, Schatten fehlen oder etwas unsauber erscheint, können das Hinweise auf eine Fälschung sein. Letztendlich feststellen können das aber nur Profis, die forensische Untersuchungen des Videomaterials vornehmen.

Deshalb: Selbst wenn in einem Video prominente Personen etwas behaupten, sollte dem nicht einfach geglaubt werden. Es ist zweifellos besser, eine Begutachtung von Fakten-Checkern und/oder seriösen Medien abzuwarten.

Auch wenn das im Eifer des Gefechts manchmal eine kleine Herausforderung bedeutet: Nicht alles, was echt aussieht und empört, gleich mit der Community teilen.

Über den Autor

Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.

Jörg Schieb, Jahrgang 1964, ist WDR-Digitalexperte und Autor von 130 Fachbüchern und Ratgebern. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf unseren Alltag.

Deepfake-Videos: Erkennst du die Fälschung?

11:34 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

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