Polizei dementiert Mord an einem Russen in Euskirchen

Lokalzeit2go - Bonn 21.03.2022 00:49 Min. Verfügbar bis 21.03.2023 WDR Bonn

Frau entschuldigt sich für Verbreitung von "Fake-Video"

Stand: 21.03.2022, 16:02 Uhr

Seit Sonntag kursiert ein "Fake-Video" im Netz, demzufolge Ukrainer im Raum Euskirchen einen Russen zu Tode geprügelt haben sollen. Die Urheberin hat sich nun für die unwahre Behauptung entschuldigt.

In Krisen, die Menschen emotional so aufwühlen wie jetzt der Krieg in der Ukraine, machen fragwürdige Informationen im Internet immer noch ein wenig schneller die Runde als ohnehin schon üblich.

Video sollte Hass schüren

Nachdem die Polizei bereits am Sonntag vor der Verbreitung eines "Fake-Videos" im Netz gewarnt hat, in dem es um ein angebliches Verbrechen durch Ukrainer in Nordrhein-Westfalen ging, hat sich die Urheberin dieses Videos nun auf der Social-Media-Plattform Tiktok in einem weiteren Video für die falsche Information entschuldigt.

Die Frau hatte in dem "Fake-Video" von einem Überfall auf einen 16-jährigen Jugendlichen im Raum Euskirchen berichtet, der angeblich von einer Gruppe Ukrainer zu Tode geprügelt worden sei, so die Bonner Polizei. Experten gingen schnell davon aus, "dass es sich um ein absichtliches Fake-Video handelt, das Hass schüren soll" und baten darum, es nicht weiter zu verbreiten.

Polizei prüft, ob sich die Frau strafbar gemacht hat

In dem Clip war eine Frau zu sehen, die auf Russisch davon berichtete, dass sie von einer Freundin von dem angeblichen Vorfall am Bahnhof von Euskirchen gehört habe. Der Polizei Bonn lagen indes keinerlei Informationen über einen solchen gewalttätigen Übergriff oder gar über einen Todesfall vor.

In ihrer Entschuldigung sagte die Frau, dass sich ihre Behauptung als unwahr herausgestellt habe. Sie wolle nicht, dass andere den gleichen Fehler machten wie sie. Vor Ermittlungen gegen ihre Person schützt sie dieser Schritt nicht. "Wir prüfen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft den Verdacht einer Straftat", sagte ein Polizeisprecher am Montag in Bonn mit Bezug auf die Clips.

Video verbreitet sich trotz Löschung weiter

Die Polizei war durch Anrufer auf das Video in den sozialen Medien aufmerksam geworden. Ziel sei nun, dass das Video gelöscht und nicht weiterverbreitet werde, so der Sprecher. Auch solle die Identität der Sprecherin geklärt werden.

Zudem wurde am Montag bekannt, dass die Geschichte als erstes von einem polizeibekannten Mann erzählt worden sein soll. Er ist nach ARD-Informationen in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen Beleidigung aufgefallen. Obwohl die Frau das Video gelöscht hat, verbreitet es sich weiter – unter anderem auch in Russland.

Über dieses Thema berichten wir am 21. März 2022 im WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Bonn, 19:30 Uhr.

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