Pop-up-Bike-Lane: Protest mit temporären Radspuren

Eine Demonstrantin bemalt ein Pappschild

Pop-up-Bike-Lane: Protest mit temporären Radspuren

Von Sabine Tenta

  • Bundesweite Praxisdemos für neue Radwege
  • In NRW waren Münster und Düsseldorf dabei
  • Temporäre Radspuren entstehen auf Straßen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Samstag (23.05.2020) bundesweit in über 30 Städten für mehr Radwege demonstriert. Und zwar ganz praktisch: In Absprache mit Polizei und Ordnungsamt haben Fahrrad-Aktivisten temporäre Radspuren angelegt. Pop-up-Bike-Lane nennen sich die Streifen, die mit wenigen Mitteln fix dem Autoverkehr abgezwackt werden. Ein paar Pylone, also rotweiße Plastikhütchen, und ein paar Markierungen auf der Straße reichen dafür aus.

Demos in Münster und Düsseldorf

Demonstranten am Straßenrand in Münster

Demo für mehr Radspuren in Münster

In NRW haben Düsseldorf und Münster mitgemacht. So gab es am Vormittag für ein paar Stunden auf zwei vielbefahrenen Autostraßen in diesen beiden Städten einen neuen Radweg. Und zwar nicht irgendwo zwischen parkenden Autos und Fußgängern, sondern dort, wo nach Auffassung vieler Fahrrad-Aktivisten die Zweiräder besser aufgehoben sind - auf der Straße im fließenden Verkehr. "Das ist keine klassische Demo, sonder mehr ein Praxisbeispiel", sagte Katinka Fuckart vom Bündnis Verkehrswende Münster dem WDR.

Klingelnder Dank in Münster

Die Radfahrenden in Münster waren wie auch in anderen Städten begeistert. Sie fuhren mit hochgereckten Daumen auf der neuen Spur, klingelten dankbar für den neuen Freiraum, der ihnen Sicherheit bietet. Und die Autofahrer? Die mussten - obwohl es Samstagvormmittag war - keineswegs im Stau stehen. Sie haben sich in Münster schnell mit der neuen Lage arrangiert.

Fahrrad-Boom dank Corona-Krise

Das Radfahren in der Corona-Krise boomt - kein Wunder, denn diese Art der Fortbewegung ist relativ sicher, was das Infektionsrisiko mit Covid-19 betrifft. Aber leider mitunter sehr unsicher mit Blick auf den Straßenverkehr insbesondere in Innenstädten.

1,5 Meter Abstand - das ist nicht nur wegen des neuen Coronavirus geboten, sondern laut Straßenverkehrsordnung auch für Autofahrer beim Überholen von Radfahrern in Innenstädten vorgeschrieben. Wie selten dieser Abstand eingehalten wird, kann jeder, der mit dem Rad unterwegs ist, am eigenen Leib erfahren. Auch darum werden ausreichend breite Radwege dringend gebraucht.

Viele Städte weltweit haben sich zu Pop-up-Bike-Lanes durchringen können. Berlin ist Vorreiterin in Deutschland. Auch in Bogota in Kolumbien oder in London, der britischen Metropole, werden den Radfahrenden neue Spuren ausgerollt. Denn sie tragen wesentlich zu einer klimagerechten Verkehrswende bei.

Stand: 23.05.2020, 15:57

Aktuelle TV-Sendungen