Fachkräftemangel: NRW sucht IT-Spezialisten

Symbolbild: Binärzahlen

Fachkräftemangel: NRW sucht IT-Spezialisten

Von Katja Goebel

  • Mehr als 8.000 IT-Spezialisten fehlen allein in NRW
  • Informatik wird in der Schule immer noch unterschätzt
  • Modellprojekt will Grundschüler begeistern

Zur Diskussion über den IT-Fachkräftemangel

Die IT-Branche wächst und IT-Fachkräfte sind Mangelware. In NRW sind im Jahr 2018 laut IHK-Fachkräfte-Monitor etwa 41.200 akademisch qualifizierte Informatiker beschäftigt oder arbeitssuchend. "Benötigt werden aber 44.400. Das entspricht einem aktuellen Engpass von 3.200 Fachkräften", sagt Robert Schweizog von der IHK NRW. Hinzu kommt die Lücke bei den beruflich Qualifizierten: Hier sei der Mangel mit 5.000 Fachkräften noch größer.

Überall fehlen IT-Fachleute

WDR 5 Westblick - Serien 29.08.2018 04:07 Min. WDR 5

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Erste E-Commerce-Kaufleute

Derzeit sind 11.262 Azubis in reinen IT-Berufen, etwa Fachinformatiker oder Informatikkaufleute. "In diesem Jahr werden erstmalig Kaufleute im E-Commerce ausgebildet", so Schweizog.

Junge Frau steht vor Server

Bergehrt: Azubis in der IT-Branche

Im ersten Jahr habe man 269 Auszubildende verbuchen können, "was für einen neuen Ausbildungsberuf erfreulich ist." Gute Jobaussichten haben nach wie vor Datenschutzexperten. Der Markt sei nahezu leer gefegt, sagt Susanne Dehmel vom Verband Bitcom.

Software-Entwickler gesucht

Beim Ausbildungsstand in NRW sieht Hubert Martens, Geschäftsführer von Networker NRW, allerdings noch Luft nach oben. Der Verein vermittelt Anfragen von Unternehmen an Experten in seinem Netzwerk. "Heiß begehrt sind Software-Entwickler oder Programmierer", so Martens.

"Viele Unternehmen trauen sich immer noch nicht auszubilden." Und noch etwas sorgt Martens: Gut ausgebildete IT-Spezialisten blieben nach der Ausbildung oder dem Studium oft nicht in NRW.

Wenig Informatik-Kenntnisse

Bei der Computernutzung haben Schulen in NRW im Vergleich zu anderen Ländern weiter Nachholbedarf. Auch Informatik-Professor Ludger Humbert von der Bergischen Universität Wuppertal kritisiert, dass das Fach Informatik in NRW immer noch unterschätzt wird.

Studenten des ersten Semesters an modernen Computern

Schweres Studium: Informatik

"Was nutzen uns hohe Studienanfänger-Quoten, wenn wir merken, dass die Studierenden bereits im Bachelor scheitern, weil sie von dem Fach eine völlig falsche Vorstellung haben?" Viele Studienanfänger brächten überhaupt keine Kenntnisse in Informatik mit. Schon deshalb wünscht sich Ludger Humbert Informatik als Pflichtfach.

Wenn schon Grundschüler programmieren

Ganz früh Begeisterung für IT wecken, das will das Modellprojekte "Calliope Mini". Der Ansatz: Schon Grundschüler sollen mittels eines Minicomputers spielerisch an das Programmieren herangeführt werden.

Deutsche Schulen seien häufig der letzte Hort der analogen Welt, so die Projekt-Macher. Einer von ihnen ist Stefan Nolle, Digital-Unternehmer aus Köln. "Ich wünsche mir, dass Kinder in wenigen Jahren die Schule verlassen mit einem tiefen Verständnis der digitalen Welt um sie herum."

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Stand: 30.08.2018, 06:00

Kommentare zum Thema

14 Kommentare

  • 14 Uwe 31.08.2018, 09:15 Uhr

    Da muss ein Fehler im Text sein. Zitat "In NRW sind im Jahr 2018 laut IHK-Fachkräfte-Monitor etwa 41.200 akademisch qualifizierte Informatiker beschäftigt oder arbeitssuchend." Wenn da "arbeitssuchende" = Arbeitslose dabei sind, wieso braucht es dann noch mehr? Sollte man die arbeitslosen Uni-Informatiker nicht erst vermitteln?Vielleicht gibts dann keinen Mangel mehr.

  • 13 Josef Liebermann 31.08.2018, 06:29 Uhr

    Ich bin als DV-Kaufmann seit 10 Jahren Harv-IV Empfänger. Pech gehabt oder?

    Antworten (1)
    • HaJo Richter 31.08.2018, 11:20 Uhr

      Sie waren zu teuer. Es fehlen nicht die Fachkräfte, es fehlen billige Fachkräfte. Das eigentliche Thema ist Lohndumping

  • 12 Bernd 30.08.2018, 21:09 Uhr

    @hoe'oe: Ich denke nicht, daß die Löhne in dem Bereich zu niedrig sind. Alle Leute die ich kenne verdienen in dem Bereich ordentliches Geld. Und Natürlich kann die Lücke mit niedrig qualifizierten und Arbeitslosen gefüllt werden. Natürlich nicht mir einer 4 monatigen Umschulung, sondern mit einem Studium neben dem Beruf. 1. Abi nachmachen (Englischen ist wichtig, Mathematik/Physik ist hilfreich). 2 Studium neben dem Beruf (tagsüber arbeiten gehen, was auch immer und nach Feierabend die Schulbank drücken, ja nach angestrebten Ziel dauert so ein Studium 3-9 Jahre. Das ist zwar hart, aber es ist möglich und ich erwarte von jedem Sozialleistungsbezieher, daß er auch bereit ist für ein paar Jahre seine Freizeit zu opfern, um wieder wirtschaftlich erfolgreich zu werden. Von daher brauchen wir keinen import von Facharbeitern. Jeder kann es lernen, aber man muß halt ein paar Jahre seines Lebens investieren.

  • 11 Alter Mann 30.08.2018, 18:36 Uhr

    @hoe'oe: Uneingeschränkte Zustimmung. Hier geht es nicht Menschen, die im VHS-Kurs oder per Youtube ein wenig BASIC gelernt haben. Sondern um qualifizierte Experten, die zum Beispiel Geschäftsprozesse genau analysieren und umsetzen können. Oder Architekturen für verteilte Anwendungen entwerfen können. Mit der Umschulung oder Weiterbildung von Arbeitslosen lässt sich diese Lücke nicht stopfen - es werden ja Fachkräfte gesucht und keine digitalen Handlanger.

  • 10 hoe'oe 30.08.2018, 15:43 Uhr

    @Pauline, @Bernd: Bei der Ausbildung oder gar dem Studium als Informatiker nimmt Mathematik einen großen Raum ein. Leider ist der Ausbildungs- und Wissensstand vieler Schulabgänger in dieser Hinsicht so mangelhaft, daß Informatiker nicht der richtige Beruf für sie ist. Viele haben ein völlig falsches Bild von dem, was ein Informatiker, Soft- oder Hardwareentwickler etc. macht, wie ich in manchen Vorstellungsgesprächen für eine Ausbildung zum Softwareentwickler (und auch anschließenden Probepraktika für Schulabgänger) erlebt habe. In dieser Hinsicht läßt sich auch kein "Einstieg erleichtern" - tieferes mathematisches und technisches Verständnis ist ein absolutes Muß in diesem Beruf. Allerdings stimme ich zu, daß so manche Firma "Fachkräfte" für zu niedrige Preise "einzukaufen" versucht. Ein guter, erfahrener Entwickler ist nicht billig und selten jung. Und wer nicht-adäquate Gehälter zahlt, bekommt keine wirklichen Fachkräfte. In NRW hat man das offenbar oft noch nicht begriffen.

  • 9 Pauline 30.08.2018, 15:24 Uhr

    Fachkräftemangel obwohl es so viele Arbeitslose gibt? Vielleicht sollte man den Einstieg erleichtern.

  • 8 Bernd 30.08.2018, 14:30 Uhr

    Wie kann es einen Fachkräftemangel geben, wenn wir millionen von Arbeitslosen haben. Eigentlich sollte jeder, der sich für arm hält, begierig sein, sich weiterzubilden. Aber die Sozialleistungen sind offensichtlich so gut, daß es zu viel verlangt ist, einen anständigen (nicht im moralischen, sondern im wirtschaftlichen Sinne) Beruf zu erlernen. Das Engagement muß allerdings von den Menschen selbst ausgehen. Da dieses aber sein Jahren nicht der Fall ist, schließe ich daraus, daß es den Menschen noch viel zu gut geht, denn sonst würden sich sich ja weiterbilden.

  • 7 Herbert 30.08.2018, 14:29 Uhr

    Okay, woher soll so ein Redakteur das auch wissen ? Informatiker oder It-Spezialisten sind nicht beliebig austauschbar. Ein SAP Spezialist ist nicht durch einen WEB Front End Entwickler oder einen Großrechnerspezialisten zu ersetzen. Der Markt wandelt sich sehr schnell, die Betriebe investieren nicht in Aus - und Fortbildung, sondern jammern lieber über Fachkräftemangel. Selbst mit 100 000 It-Spezialisten kann es sein, das sie ihre 3 Stellen mit Spezialanforderungen nicht zu besetzen sind. Und zum Ausbilden brauch man schon mal mind. einen, der das dann auch kann. Das man mit einem abgeschlossenen Informatikstudium für 1400 brutto arbeiten muss, halte ich für SciFi. Selbst in der Dumpinglohnregion Ruhrgebiet sollten min. 30k im Jahr drin sein.

  • 6 Stephan Pursch 30.08.2018, 13:18 Uhr

    Immer die gleiche Leier. Das einzige was fehlt sind "Fachkräfte", die bereit sind zum Mindestlohn zu arbeiten. Zahlt den Leuten endlich angemessene Gehälter, dann sind die auch nicht gezwungen ihren Lebensunterhalt da zu bestreiten wo anständiger bezahlt wird.

  • 5 Axel 30.08.2018, 13:02 Uhr

    Ich kann auch programmieren. Ich hänge es aber nicht an die große Glocke. Zu seltsam sind die Reaktionen aus der Gesellschaft. Plötzlich nennen einen Leute einen "Nerd", obwohl man keiner ist. "Nerd" ist laut Duden ein abwertender Begriff, aber viele Leute finden ihn heute chic. Ich nicht. Für die anderen ist man plötzlich ein "Zahlenmensch" und wird in die Autisten-Ecke gestellt. Ich bin jedoch auch kein Autist, sondern ein normaler Mensch wie alle anderen, der gerne unter Leute geht. Und als dritte Komponente ist man plötzlich eine "Fachkraft". Man hat seine Aufgaben zu erledigen und sonst die Klappe zu halten. Solange sogenannten "Fachkräften" ein derart geringer Respekt entgegengebracht wird, wird sich m. E. nach an der Situation nichts ändern. Kindern programmieren beizubringen, finde ich hervortagend, aber dann bitte direkt am echten PC und nicht an einem Modellcomputer.

  • 4 Tomski 30.08.2018, 12:17 Uhr

    Mein erster Vollzeitjob nach abgeschlossenem Informatikstudium lag bei 1400 brutto im Monat, und auch jetzt frage ich mich warum ich überhaupt noch hier bin wenn in Süddeutschland und Hamburg das Gehaltsniveau etwa doppelt so hoch ist. Wenn ich ins Ausland ginge, würde sich mein Gehalt auf einen Schlag um den Faktor 3-5 erhöhen. Die IT-Ausbildung hier ist gut, aber in der Branche ist NRW ein Dumpinglohnland. Da muss dringend nachgebessert werden wenn NRW seine Fachkräfte nicht verlieren will.

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