So verdient Facebook Geld mit Ihren Daten

Eine Lupe wird auf das Facebook Logo gehalten

So verdient Facebook Geld mit Ihren Daten

Von Jörn Seidel

Facebook sieht sich schweren Vorwürfen einer Whistleblowerin ausgesetzt. Nutzt der Konzern seine Macht zur Gewinnmaximierung aus? So verdient Facebook an den User-Daten.

Der stundenlange Ausfall von Facebook und seinen Diensten WhatsApp und Instagram am Montag führt ein weiteres Mal vor Augen, wie mächtig der US-Internetkonzern geworden ist. Betroffen waren, wie es scheint, alle 3,5 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer – fast die Hälfte der Weltbevölkerung.

Vorwürfe von Facebook-Whistleblowerin

Zwar stürzte der Kurs der Facebook-Aktie um satte fünf Prozent ein. Das soziale Netzwerk bleibt aber weiterhin die Nummer eins in der Welt. Umso bedenklicher sind die Vorwürfe, die Whistleblowerin Frances Haugen gegenüber dem Konzern erhebt. Am Dienstag sagt sie dazu vor dem US-Kongress aus.

Die ehemalige ranghohe Facebook-Mitarbeiterin wirft der Unternehmensleitung vor, mit ihrer Macht nicht vertrauensvoll genug umzugehen. Das zeige sich unter anderem darin, dass der Algorithmus von Facebook insbesondere auf Wut ausgerichtet sei. Dadurch würden sich die Menschen aktiver beteiligen, was dem Konzern mehr Geld in die Kassen spüle. Und das geht so:

So verdient Facebook mit seinen Nutzerinnen und Nutzern Geld

"Facebook verdient sein Geld praktisch ausschließlich mit Werbung", erklärt WDR-Digitalexperte Jörg Schieb. "Und die ist zielgenau auf die Menschen zugeschnitten." Firmen können ihre Produkte und Dienste also passgenau über Facebook bewerben. Bedeutet: Je länger die Nutzerinnen und Nutzer bei Facebook aktiv sind, desto mehr Geld lässt sich an ihnen verdienen. Allein in den USA seien das nach Schätzungen 550.000 Dollar pro Stunde, so Schieb.

Wenn viele Menschen lange bei Facebook und seinen Diensten WhatsApp und Instagram aktiv sind, ergibt sich allerdings auch noch ein weiterer Vorteil für die Firma: Es werden mehr Nutzer:innendaten erzeugt. Dadurch kann Facebook noch genauere Profile erstellen, um passgenauer Werbung zu verkaufen. Dazu gehören nicht nur Daten wie Alter, Geschlecht und Einkommen, sondern auch zahlreiche andere Details wie etwa zu Neigungen und Vernetzungen.

Whistleblowerin: Menschen sind leicht zu Wut zu inspirieren

Die Inhalte, die Nutzerinnen und Nutzern bei Facebook angezeigt werden, werden von einem Algorithmus, also einem Programm, vorausgewählt. "Eine der Konsequenzen, wie Facebook diese Inhalte heute auswählt, ist die Optimierung für Inhalte, bei denen Nutzer mitmachen wollen. Dann bleiben sie länger dabei", sagte Whistleblowerin Haugen gegenüber WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung".

Und Facebook habe herausgefunden, "dass es am einfachsten ist, Menschen zu Wut zu inspirieren als zu anderen Emotionen."

Julian Jaursch: "Nicht unbedingt für die Menschen gut"

Bedeutet: Die Inhalte, die Facebook seinen Nutzerinnen und Nutzern anzeigt, spiegeln offenbar ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit wider. Julian Jaursch von der Stiftung Neue Verantwortung zeigt sich von Facebook enttäuscht. "Das, was für Facebooks Geschäft gut ist, ist nicht unbedingt für die Menschen gut", sagte er am Dienstagmorgen bei WDR2.

Mittlerweile finde allerdings ein Umdenken in der Öffentlichkeit statt, beobachtet Digitalexperte Schieb. Dass die Whistleblowerin Frances Haugen nun vom US-Kongress vernommen wird, "ist keine Kleinigkeit". Offenbar reife auch in der Politik der Gedanke, dass man Facebook mehr regulieren müsse. Wie - das sei allerdings noch unklar.

Stand: 05.10.2021, 16:10

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