Protestaktion in Berlin: Was will Extinction Rebellion?

Protestaktion in Berlin: Was will Extinction Rebellion?

Von Nina Magoley

  • "Extinction Rebellion" startet Protestaktionen in Berlin
  • Warnung vor Klimawandel und Artensterben
  • Auftreten radikaler als Fridays for Future

Seit Montag früh (07.10.2019) rufen die Umweltaktivisten von "Extinction Rebellion" in Berlin zu "zivilem Ungehorsam gegen Klimakrise und Massenaussterben" auf. Nach Angaben der Polizei versammelten sich rund 1.000 Aktivisten an der Siegessäule. Seit vier Uhr blockierten die Demonstranten alle Straßen rund um den Großen Stern. "Die Wälder brennen, das Wasser wird knapp, Insekten sterben - dass die Klimakatastrophe unser Überleben auf dem Planeten bedroht, wird mittlerweile für uns alle körperlich erlebbar", heißt es auf der Hompage der Bewegung. In Paris hatten Demonstranten bereits am Samstag ein Einkaufszentrum besetzt.

Wer steckt hinter Extinction Rebellion?

Protestierende halten ein grünes Schild mit der Aufschrift "Extinction Rebellion" hoch

Junge Menschen auch bei "Extinction Rebellion"

Auch bei Extinction Rebellion (XR) sind es hauptsächlich junge Menschen, die zu den Demonstrationen kommen. Anders als bei "Fridays for Future" setzt XR aber auf drastischere Bilder: So legten sich im Frühjahr mehr als 6.000 Menschen quer auf mehrere Brücken Londons.

Auch in Köln oder Bonn blockierten sie bereits mit ihren Körpern den Verkehr. Dabei sei nicht die Absicht, Gewalt anzuwenden, betonen die Aktivisten auf ihrer Homepage, sondern "Kreativität". Entstanden in Großbritannien, stellt sich XR derzeit als internationaler Verbund aus kleineren oder größeren "Ortsgruppen" dar, die nach Angaben der Organisation jeder Interessierte selber gründen kann.

Wie bereiten sich die Aktivisten vor?

In Berlin mit dabei sein will auch Nadine Strabel aus Essen. Angesichts der Klimakrise habe sie "große Angst vor der Zukunft", sagt die 22-jährige Biochemie-Studentin. Obwohl sie "eher schüchtern" sei, habe sie nicht lange nachdenken müssen bei der Entscheidung, nach Berlin zu fahren. "Ein Bußgeld oder dass man in Gewahrsam genommen wird" - das sei ihr der Protest wert.

Extinction Rebellion- Aktivistin Nadine Strabel aus Essen

"Schüchtern", dennoch entschlossen: Nadine Strabel aus Essen

In einem "Aktionstraining" vorab hat die junge Frau Verhaltensmaßnahmen gelernt: Dass bei den Blockaden Rettungsgassen freigehalten werden sollen oder wie man sich zum kleinen Päckchen macht, "damit es einem nicht weh tut", von Polizeibeamten weggetragen zu werden.

FFF und XR: Wer will was?

Extinction Rebellion erinnere mit seinen Aktionen etwas an Greenpeace, sagt Klaus Hurrelmann, Sozialwissenschaftler an der Hertie School of Governance in Berlin. Während Fridays for Future "sehr konzentriert und diszipliniert" arbeite und sich "als einzigen, kleinen Gesetzesverstoß" das Schuleschwänzen erlaube, agiere XR "mit enorm größerer Wucht, aber auch erheblich stärkerer Regel- und Rechtsverletzung".

Fridays for Future habe die Einhaltung der Pariser Klimavereinbarungen als Ziel formuliert. Nachdem aber das jüngst von der Bundesregierung beschlossene Klimapaket von vielen Seiten als unzureichend krisitiert wurde, sei FFF nun im Zugzwang, die Strategie zu überdenken, meint der Wissenschaftler. Seine Vision: Wenn FFF sich mit XR verbinde würde - ohne, dass sich beide Bewegungen einander angleichen - könnte "eine ungeheure Stärke entstehen".

Ziviler Ungehorsam fürs Klima

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 06.09.2019 10:57 Min. Verfügbar bis 05.09.2020 WDR 5

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Stand: 07.10.2019, 08:35

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 André 07.10.2019, 10:43 Uhr

    Ziviler Ungehorsam ist dringend notwendig. Allerdings ist es mehr als naiv, zu erwarten, dass sich allein durch die Blockaden was ändert.Die Politikerkaste, die den Auftrag zur Formulierung von Gesetzen an Lobbyisten abgibt, lacht doch über solche Spielchen.

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