Landesumweltamt: Keine Dioxin-Rückstände nach Brand im Chempark Leverkusen

Landesumweltamt: Keine Dioxin-Rückstände nach Brand im Chempark Leverkusen

Die Ruß- und Staubrückstände nach der Explosion im Chempark Leverkusen waren höchstwahrscheinlich nicht gefährlich. Das teilten Stadt und Landesumweltamt am Freitag mit. Infolge der Explosion kamen fünf Menschen ums Leben, 31 wurden verletzt. Zwei Mitarbeiter werden noch vermisst.

Im Chempark Leverkusen im Stadtteil Bürrig hat es am Dienstagmorgen eine schwere Explosion gegeben. Im Entsorgungszentrum des Unternehmens Currenta war ein Tanklager mit chlorierten Lösungsmitteln in Brand geraten. Es gibt nach Angaben des Unternehmens bislang fünf Tote und 31 Verletzte. Zwei Menschen werden noch vermisst.

Hotlines für die Bevölkerung

Für die Bevölkerung in Leverkusen gibt es eine Hotline, die unter folgender Telefonnummer zu erreichen ist: Leverkusen 0214-2605 99333.

Rußniederschlag bitte an eine weitere Bürgerhotline der Stadt Leverkusen melden: 0214-4063333.

Nach wie vor gelten zudem vorsorglich folgende Handlungsempfehlungen:

  • Nahrungsmittel aus dem Garten nicht verzehren.
  • Keine Spielplätze, Spielgeräte, Gartenmöbel, Pools etc. nutzen, auf denen Ruß niedergegangen ist.
  • Keine Reinigung der verschmutzten Gegenstände vornehmen, da eine erhöhte Schadstoffkonzentration bislang nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Bei nicht aufschiebbaren Arbeiten im Garten Handschuhe tragen.

Keine erhöhten Schadstoffbelastungen festgestellt

Die Untersuchungen der Ruß- und Staubrückstände, die nach dem Brand in der Müllverbrennung des Chemieparks Leverkusen in den umliegenden Wohngebieten niedergingen, haben nach Angaben des Landesumweltamtes nur eine geringe Schadstoffbelastung ergeben. Es seien keine Rückstände von Dioxin und dioxinähnlichen Stoffen in den Rußpartikeln festgestellt worden, teilten Vertreter von Stadt und LANUV am Freitag mit.

Bei den Polychlorierten Biphenylen (PCB) und den Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) seien sehr geringe Werte gemessen worden, die die Bewertungsgrenzen unterschritten. Die Ergebnisse deuteten bisher darauf hin, dass die beim Brand freigesetzten Stoffe nur ein geringes Dioxin-Bildungspotential gehabt hätten. Die Ermittlungen, welche weiteren Stoffe bei dem Unfall beteiligt waren, dauerten noch an.

Die Vorsichtsmaßnahmen für die Anwohner bleiben allerdings vorerst bestehen.

Tanklager enthielt Reststoffe aus der Agrar-Chemie-Produktion

Erst am Samstag wurde bekannt, welche Chemikalien bei dem Unfall in Brand geraten waren. Nach Angaben der Kölner Bezirksregierung enthielten die Tanks "flüssige Reststoffe aus der Produktion von Chemikalien für die Landwirtschaft". Der Hauptbestandteil seien "phosphor- und schwefelhaltige Chemikalien" gewesen.

Landesumweltministerin richtet "Task Force" ein

Bei einem Besuch an der Unglücksstelle im Chempark hat Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser sich am Samstagvormittag vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und verkündet, dass das Landes-Umweltamt eine "Task Force" einrichten und gemeinsam mit anderen Behörden den Ruß untersuchen will. Ministerin Heinen-Esser sagte, nun sollten schnellstmöglich alle Maßnahmen eingeleitet werden, damit sich künftig ein derartig schlimmes Unglück nicht wiederhole.

Stand: 31.07.2021, 18:30

Kommentare zum Thema

396 Kommentare

  • 396 Bürriger 02.08.2021, 17:00 Uhr

    Heute mittag gegen 11.30 Uhr bin ich in Bürrig an der Verbrennungsanlage vorbei gefahren. Es hat so dermaßen bestialisch nach Produkt gestunken, das einem der Atem stockte. Die Zufahrtstrasse zur Deponie ist hermetisch abgeriegelt und man fragt sich bei dem atemwegsreizenden Gestank was da vor sich geht. Die unmittelbaren Anwohner Am Benden und Rüttersweg und die Bewohner am Neulandpark können einem echt leidtun.

  • 395 Luftikus 02.08.2021, 16:49 Uhr

    Der Leiter des Chempark sagt im Radio Interview:“Es sei natürlich etwas in die Luft gelangt, was da nicht hingehöre, so Friedrich - das heißt, in der direkten Rauchwolke, die nach oben gestiegen ist, seien Konzentrationen gewesen, die gesundheitsschädlich sind. Es komme aber darauf an, was bei uns Leverkusenern oder den Städten aus unserem Umfeld angekommen ist. Dazu habe es Messungen gegeben - sowohl vom Chempark als auch vom Landesumweltamt - die eine erste, vorsichtige Entwarnung ermöglicht hätten“ Will der die Anwohner für blöd verkaufen???? Das Zeug ist nach oben geblasen worden und hat sich demnach in Luft aufgelöst oder was will er uns jetzt damit sagen ??????

  • 394 Anna 02.08.2021, 16:32 Uhr

    Heute wurde in den regionalen Nachrichten gemeldet, das es sich bei dem Inhalt der Tanks um Chemiekalienreste aus der Landwirtschaft handelt. Wenn ich das richtig verstehe könnte es sich dabei u.a.auch um das inzwischen verbotene Mittel Glyphosat von Bayer handeln und würde bedeuten das man die Stoffe,die man im Ausland verarbeitet wieder in Containern in den ursprünglichen Hexenkessel zur Vernichtung zurückbringt. Somit schließt sich der Kreis auch wenn Currenta inzwischen nicht mehr zu Bayer gehört. Großflächig kann man sich also das Unkraut jäten in der nächsten Zeit sparen.

    Antworten (1)
    • Anonym 02.08.2021, 18:22 Uhr

      Es handelt sich nicht um Reste aus der Landwirtschaft sondern um Abfälle aus der Pflanzenschutzmittelproduktion.

  • 393 Pia 02.08.2021, 16:10 Uhr

    Greenpeace sagt zu der Explosion: "Aus chemischer Sicht ein Super-GAU" Greenpeace unsersucht eigene Proben. Es sind Menschen gestorben. Es wird von 31 Verletzten gesprochen. Doch im Grunde haben alle Anwohner eine chemische Verletzung erlitten, deren Folgen sich erst mit der Zeit zeigen werden.

  • 392 Pia 02.08.2021, 15:58 Uhr

    Wir wohnen 10km Luftlinie v. Explosionsort entfernt, die Giftwolke ist seit der Explosion um 9:30 Uhr auch über unseren Wohnort gezogen (Sg, Randgebiet zu Leichlingen). Sirenen haben wir nicht gehört. Lautsprecherdurchsagen sind hier nicht angekommen. Ich wurde gegen 11:30 Uhr von Jemandem informiert, der die Warnung von der Warn-App bekommen hat. Über den 2. Brand am nächsten Morgen wurden wir nur vom WDR informiert. Bis heute wissen wir nicht, wann genau es zum zweiten Mal gebrannt hat, und ob wir zu diesem Zeitpunkt draussen waren oder die Fenster geöffnet waren. Warum wird so schleppend über diese eklatanten Gefahren informiert?

  • 391 Gerd W. 02.08.2021, 14:54 Uhr

    @383,384: natürlich beziehen die Äusserungen sich auf das Thema, nur werden Sie mittlerweile in dieser totalitären Bananenrepublik Deutschland von den Medien "wegzensiert"....

  • 390 Anonym 02.08.2021, 12:35 Uhr

    Wurden nicht erst 2, dann 3 verstorbene geborgen und ein Schwerverletzter starb im Krankenhaus? Somit zähle ich bereits 6 Tote und 30 Verletzte sowie 2 immer noch Vermisste.. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie denke ich es sollte niemand "vergessen" werden - auch wenn manche dies vielleicht für haarspalterei halten werden...

    Antworten (1)
    • WDR.de 02.08.2021, 15:17 Uhr

      Es wurden vier Menschen tot geborgen und ein Schwerverletzter starb im Krankenhaus, insgesamt sind also bislang fünf Tote bekannt. Auch heute (Montag, 2.8.) gelten noch zwei Menschen als vermisst.

  • 389 Anwohnerin 02.08.2021, 11:21 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 388 Lena 02.08.2021, 09:00 Uhr

    Ich hatte in der Zeit Fenster auf Kipp. Ist die Wolke giftig gewesen? Es wird immer nur von Rußpartikel geredet.

    Antworten (1)
    • WDR.de 02.08.2021, 11:16 Uhr

      Die bisherigen Untersuchungen haben keine Schadstoffbelastung gefunden, Lena - es wurde bislang vor allem nach Dioxin-Verbindungen gesucht. Die Untersuchungen gehen aber weiter, um auch andere Giftstoffe ausschließen zu können.

  • 387 Schwippschwapp 02.08.2021, 08:07 Uhr

    ...die ehrenwerten Politiker (hat Leverkusen eigentlich einen Bürgermeister???), die Ämter, die Polizei, die Medien... alle werden EUCH erzählen, das die vielen Vögel, Insekten, Lebewesen an Altersschwäche gestorben sind, und IHR werdet es IHNEN glauben :o((( wann kapiert IHR endlich, wie es in diesem unserem wunderschönen Land abgeht?? es geht nur um Geld, Macht, aber niemals um EUCH das Volk...

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    • Chemikantin 02.08.2021, 16:56 Uhr

      Welche Vögel sind denn gestorben? Hahaha

  • 386 Paul Melcher 01.08.2021, 23:58 Uhr

    Die Berichterstattung - egal durch wen - ist wirklich unterirdisch. Weder Presse, noch WDR, noch LANUV scheinen Interesse zu daran zu haben, die Bevölkerung auf dem Laufenden zu halten. Da wird aus scheinbarer Bequemlichkeit zugelassen, dass der Verursacher selbst für die Informationen, die an die Öffentlichkeit gelangen, verantwortlich zeichnet. Das ist doch vorsätzliche Vertuschung. Auch die Landesregierung ist da nicht besser. Laschet macht lieber Wahlkampf in Polen mit seiner Staatsmannsschau und besucht Morgen lieber mal wieder (mit vielen Kamerateams im Schlepptau) publikumswirksam die Überschwemmungsgebiete. Er sollte doch den Ernst der Lage erkennen und alles Nötige in die Wege leiten, dass diesen Schmutzfinken endlich die Betriebserlaubnis für eine derart gefährliche Anlage in der Nähe zu einigen der bevölkerungsreichsten Regionen NRWs entzogen wird. Oder spendet der Betreiber so viel für den Wahlkampf?

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    • Chemikantin 02.08.2021, 16:55 Uhr

      So gefährlich kann die Anlage ja nicht sein. Ist niemand außerhalb verletzt worden, Messwerte waren auch ok und wenn niemand den Ruß jetzt isst, gibt es auch keine Langzeitwirkungen. Auto fahren ist irgendwie gefährlicher. Die Mitarbeiter die dort arbeiten werden genau dafür bezahlt. Dafür bekommen sie extra Zulagen und verdienen ziemlich gut. Man kann sich entscheiden wo man wohnt und wo man arbeitet. Aber man kann den ganzen Sondermüll der von jedem von uns produziert wird nicht einfach auf unserer Erde liegen lassen. Das ist doch nicht so unverständlich oder?

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