Die 22-Euro-Freigrenze entfällt: Kleine Online-Käufe können teuer werden

Das Bild zeigt einen Paketboten mit einer Sackkarre voller Pakete.

Die 22-Euro-Freigrenze entfällt: Kleine Online-Käufe können teuer werden

Von Wolfgang Landmesser

Am 1. Juli tritt die EU-Mehrwertsteuer-Reform in Kraft. Damit entfällt die Freigrenze für Warenimporte aus Drittländern; die liegt bisher bei einem Warenwert von 22 Euro. Im Prinzip muss demnächst für alle importierten Produkte Einfuhrumsatzsteuer abgeführt werden. Für Kunden bedeutet das: wachsam sein.

Ein Plüsch-Oktopus für vier Euro, eine Glitzer-Handyhülle für neun Euro oder eine Powerbank für 15 Euro: Typische Produkte, die über Online-Plattformen in Asien vertrieben werden. Doch bei den Billigpreisen plus Versand wird es in Zukunft nicht bleiben.

Neun Euro Kaufpreis, acht Euro Zusatzkosten

Durch den Wegfall der 22-Euro-Freigrenze wird bei Online-Bestellungen in Nicht-EU-Ländern ab sofort Einfuhrumsatzsteuer fällig – also 19 Prozent. Die Paketdienste lassen sich die jetzt fälligen Zollanmeldungen von den Bestellern vergüten. Sechs Euro beträgt die Pauschale zum Beispiel beim Marktführer DHL. Bei einem Kaufpreis von 9 Euro bedeutet das Zusatzkosten von fast acht Euro.

Böse Überraschung bei Bestellung in Asien

„Viele wird das überraschend und kalt erwischen“, sagt Iwona Husemann voraus, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. Der Wegfall der 22-Euro-Freigrenze erinnert sie an den Brexit: Seit Anfang des Jahres werden bei Online-Bestellungen in Großbritannien Gebühren fällig. Auch darauf seien viele Verbraucherinnen und Verbraucher überhaupt nicht vorbereitet gewesen.

Praktisch bedeutet das: Die Kunden bekommen ihr Päckchen erst, wenn sie die entsprechenden Steuern und Gebühren bezahlt haben – zum Beispiel in der Postfiliale.

Viele Online-Händler informieren schlecht

Das Problem: Beim Kauf im Online-Shop gibt es häufig keine Informationen über die Zusatzkosten durch die Einfuhr in die EU. Nur wenige Händler informierten transparent über die Kosten einer Bestellung, sagt Andreas Weidner vom Berliner Startup Eclear, das Zoll-Software für Internet-Marktplätze entwickelt. Das liege auch daran, dass Zölle, Steuern und Gebühren je nach Zielland sehr unterschiedlich sind. Bei hunderttausenden verschiedenen Steuersätzen und entsprechenden Ausnahmen sei der Durchblick für Händler aus Drittländern ohne professionelle Hilfe kaum möglich.

Auch wenn die Händler nicht transparent über die tatsächlichen Kosten informieren: Mit den Folgen müssen sich am Ende die Käuferinnen und Käufer herumschlagen. Ein Hinweis für mögliche Zusatzkosten kann die Lieferzeit sein. Wenn auf der Online-Händler hier zwei bis drei Wochen angibt, kommt die Ware wahrscheinlich nicht aus der EU – und ein Kauf wird deutlich teurer.

Stand: 01.07.2021, 14:26

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