In diesen NRW-Städten ist die Luft nun deutlicher sauberer - trotz EuGH-Urteil

In diesen NRW-Städten ist die Luft nun deutlicher sauberer - trotz EuGH-Urteil

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs wegen hoher Stickoxid-Werte ist eine bittere Pille: Zwar wurden Grenzwerte jahrelang überschritten, auch in NRW. Seitdem hat sich aber vieles verbessert.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am Donnerstag in einem Urteil bestätigt, dass Deutschland jahrelang gegen Vereinbarungen zur Vermeidung von Luftverschmutzung verstoßen hat. In 26 Städten und Regionen - darunter zehn in NRW - seien die Grenzwerte für Stickoxide jahrelang "systematisch und anhaltend überschritten" worden. Dabei ist die Luft in NRW mittlerweile deutlich sauberer.

Luftverschmutzung in zehn Städten und Regionen in NRW

In NRW wurden laut dem Urteil die Jahresgrenzwerte für Stickstoffdioxide im Zeitraum 2010 bis 2016 hier überschritten:

  1. Grevenbroich (Rheinisches Braunkohlerevier)
  2. Köln
  3. Düsseldorf
  4. Essen
  5. Duisburg/Oberhausen/Mülheim
  6. Hagen
  7. Dortmund
  8. Wuppertal
  9. Aachen
  10. urbane Bereiche und ländlicher Raum in NRW

EuGH-Urteil: "Keine geeigneten Maßnahmen ergriffen"

Darüber hinaus habe Deutschland EU-Recht gebrochen, indem "keine geeigneten Maßnahmen ergriffen wurden", um ab 2010 überall die Einhaltung der Grenzwerte für Stickstoffdioxide zu gewährleisten.

Die Grenzwerte für Stickstoffdioxide gelten seit 2010. Seitdem darf das Jahresmittel an keiner Messstelle über 40 Mikrogramm liegen, das Stundenmittel darf höchstens 18 mal im Jahr die Schwelle von 200 Mikrogramm überschreiten.

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Strafe für Deutschland unklar

Ob Deutschland nun eine finanzielle Strafe droht und in welcher Höhe, ist noch unklar. "Ist die Kommission der Auffassung, dass der Mitgliedsstaat dem Urteil nicht nachgekommen ist, kann sie erneut klagen und finanzielle Sanktionen beantragen", teilte der EuGH.

Längst Abwärtstrend bei Stickstoffdioxide - auch in NRW

Der bittere Beigeschmack des EuGH-Urteils: Mittlerweile ist die Luft in den Städten und Regionen in NRW deutlich sauberer geworden. Erst Ende Mai teilte das Umweltbundesamt mit: 2020 sei der Grenzwert im Jahresmittel bundesweit nur noch in sechs Städten überschritten worden - im Jahr davor noch in 25 Städten. Unter den sechs Städten ist keine aus NRW.

Tatsächlich teilte das Landesumweltamt NRW für das vergangene Jahr mit: "Die Luftschadstoffwerte sind sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Vergleich zum langjährigen Trend deutlich gesunken."

Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft
Stadt201520172019
Köln666244
Düsseldorf595648
Essen505043
Oberhausen534943
Aachen444637
Dortmund495045
Wuppertal514943
Hagen494945

Die Tabelle zeigt Höchstwerte einzelner Messstationen in den angegebenen Orten.

Maßnahmen zeigen Wirkung

Der Rückgang der Stickstoffdioxid-Belastung ist nach Ansicht der Behörde vor allem lokalen Maßnahmen wie Tempolimits, Fahrverboten oder dem Einsatz schadstoffärmerer Busse zuzuschreiben. Denn Hauptquelle der Stickstoffdioxide in Städten ist laut Umweltbundesamt der Straßenverkehr, hier vor allem Diesel-Pkw. So wurden Grenzwertüberschreitungen ausschließlich an viel befahrenen Straßen gemessen. Einfluss auf die Messungen hat aber auch die aktuelle Wetterlage.

Die Pandemie-Maßnahmen würden eine eher geringe Rolle bei der 2020 gesunkenen Luftbelastung spielen, sagen die Umweltämter. Zwar gab es im Lockdown in den Städten 30 bis 50 Prozent weniger Straßenverkehr, und die NO₂-Konzentrationen sanken an verkehrsnahen Messstationen um 15 bis 40 Prozent. Aber: Die coronabedingte Verringerung sei nur ein kurzfristiger Effekt von rund vier Wochen gewesen.

#DIESELGATE – Die Machenschaften der deutschen Autoindustrie WDR.DOK 24.02.2021 01:25:10 Std. UT Verfügbar bis 24.02.2022 WDR Von Johan von Mirbach

Stand: 04.06.2021, 15:28

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