Biden lädt zu Klimakonferenz: So kann jeder die CO2-Bilanz verbessern

Energiewende und Mobilität Planet Wissen 21.04.2021 01:52 Min. UT Verfügbar bis 20.04.2026 SWR

Biden lädt zu Klimakonferenz: So kann jeder die CO2-Bilanz verbessern

Von Jan-Hendrik Raffler

Die EU hat sich auf neue Klimaziele verständigt und US-Präsident Biden lädt zu einer Klimakonferenz. Doch wie kann der Einzelne die CO2-Bilanz verbessern? Fragen und Antworten.

Die EU-Staaten haben sich am Mittwoch auf anspruchsvolle Klimaziele für das Jahr 2030 geeinigt. Bis dahin sollen mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als im Jahr 1990. Vorher war das Ziel ein Minus von 40 Prozent. Die Zeit drängt: 2020 war laut europäischem Klimawandeldienst Copernicus das wärmste Jahr in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die USA wollen den Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 im Vergleich zu 2005 mindestens halbieren. Diese Nachrichten kommen alle kurz vor dem von US-Präsident Biden initiierten virtuellen Klimagipfel.

Wie soll das Klimaziel erreicht werden?

Wer "klimaneutral leben" googelt, bekommt 4.650.000 Ergebnisse. Ob Kaffeebecher oder Honig, Turnschuhe oder Fotobücher, Bankkonten oder Flüge – in fast allen Lebensbereichen gibt es inzwischen Alternativen, die versprechen, keine Emissionen zu verursachen. Die Deutsche Post DHL Group mit Sitz in Bonn zum Beispiel hat vor ein paar Wochen ihren neuen Nachhaltigkeitsfahrplan vorgestellt. Der Konzern verspricht seine Treibhausgasemissionen im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen zu reduzieren. Durch E-Fahrzeuge zum Beispiel, und durch nachhaltigen Kraftstoff im Luftverkehr - auch bei den Liegenschaften sollen alle neuen Gebäude klimaneutral sein.

Wie kann man seine CO2-Bilanz verbessern?

Indem man mehr CO2 einspart, als ausstößt. Michael Bilharz rät dazu, in Projekte zu investieren, die das Klima schützen. Menschen, denen Klimaschutz am Herzen liege, sollten sich selbst politisch engagieren und Projekte unterstützen. Effektiv sind Projekte, die den Aufbau von Wind- oder Solarenergieanlagen in Entwicklungsländern unterstützen – denn dadurch können entsprechend viele Emissionen eingespart werden.

Kann man wirklich klimaneutral leben? 

Eins vorweg: Jeder Mensch in Deutschland stößt indirekt Kohlenstoffdioxid aus – mehrere Tonnen jedes Jahr – ob er will oder nicht. Für Strom, Transport und Wärme müssen immer noch fossile Brennstoffe herhalten. Und wer kein Fleisch isst, kein Auto fährt, nicht fliegt und auch sonst keine fossilen Brennstoffe nutzt? Bei dem sinkt der Kohlenstoffdioxid-Verbrauch vielleicht von elf auf fünf Tonnen im Jahr. Viel weniger kann man in einem Industrieland derzeit kaum ausstoßen. Michael Bilharz vom Umweltbundesamt sagt: "Selbst für eine rein vegane Ernährung fallen 1,2 Tonnen CO2 pro Jahr an."

Wie kann man klimafreundlicher leben?

In den Bereichen Bauen und Wohnen, Mobilität und Ernährung entstehen besonders viele Treibhausgase. Hier können also auch besonders viele Emissionen vermieden werden. Das Bundesumweltamt rechnet am Beispiel Ernährung vor, dass die Produktion von einem Kilo Rindfleisch zwischen elf und 30 Kilo Treibhausgasemissionen verursacht. Obst oder Gemüse dagegen liegen bei weniger als einem Kilo. Ein Liter Hafermilch spare gegenüber Kuhmilch bereits ein kg CO2 ein. Bioprodukte sind außerdem ein wichtiger Beitrag für unter anderem Wasser- und Bienenschutz.

Was bedeutet das neue EU-Klimaziel jetzt genau?

Sie ist als eine Etappe zu sehen, auf dem Weg, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen und um das Ziel zu erreichen, auf das sich die 195 Länder im Pariser Klimaabkommen geeinigt haben: Die globale Durchschnittstemperatur darf nicht um mehr als zwei Grad Celsius steigen.

Was ist eigentlich das Problem?

Steigt die Temperatur der Erde um mehr als zwei Grad Celsius, bestehe die Gefahr einer Kettenreaktion, sagen Forscher vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK). Permafrostböden tauen auf, die Arktis schrumpft, Regenwälder sterben ab, Methanhydrate im Meer lösen sich auf und die Kohlenstoffsenke des Meeres wird schwächer. Damit das Szenario nicht eintritt, müssten alle Menschen auf der Erde langfristig fast klimaneutral leben.

Doch was bedeutet Klimaneutralität eigentlich?

In Artikel 4 des Pariser Klimaabkommens wird Klimaneutralität beschrieben mit dem Ziel, ein Gleichgewicht herzustellen zwischen den von Menschen verantworteten Emissionen von Treibhausgasen aus Quellen und dem Abbau solcher Gase durch Senken herzustellen. Um dieses Gleichgewicht herzustellen, müssten also zum einen die durch den Menschen erzeugten CO2-Emissionen deutlich reduziert werden. Andererseits müssten natürliche Systeme wie Wälder, Böden und Ozeane erhalten und stabilisiert werden. Denn die sind die wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken, nehmen Treibhausgase auf und binden sie.

Was macht die internationale Politik?

US-Präsident Joe Biden hat zum Leaders' Climate Summit eingeladen. Bei dieser virtuellen Klimakonferenz kommen ab Donnerstag die Staats- und Regierungschefs aus den 17 Ländern zusammen, die für rund 80 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Biden hat Einladungen an insgesamt 40 internationale Spitzenpolitiker ausgesprochen, darunter sind neben Kremlchef Putin und Chinas Staats-Chef Xi auch Bundeskanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Ein Kernthema des Gipfels wird sein, wie alle Staaten ihre Anstrengungen erhöhen können, um gemeinsam die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen.

Wie steht es aktuell um das weltweite Klima?

Der unlängst vorgestellte Klimabericht der Weltwetterorganisation WMO hält fest, dass das vergangene Jahr zu den drei wärmsten Jahren seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen gehörte. CO2-Gehalt in der Atmosphäre, Höhe des Meeresspiegels und Ozeantemperaturen - überall verzeichneten die Experten Rekordwerte. Die globale Durchschnittstemperatur lag demnach 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Das heißt im Umkehrschluss: Schon jetzt leiden manche Länder massiv unter den Folgen dieser Entwicklung.

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Stand: 22.04.2021, 13:04

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