Klimaplan 2050: Fördert die EU bald Atomkraft?

Dampf steigt aus den Kühltürmen des Atomkraftwerks Tihange.

Klimaplan 2050: Fördert die EU bald Atomkraft?

Von Jörn Seidel

  • EU-Regierungschefs wollen Klimaneutralität bis 2050
  • Noch offen, ob dafür auch Kernenergie gefördert wird
  • NRW in Sorge wegen grenznaher Atomkraftwerke

Beim EU-Gipfel in Brüssel haben die Regierungschefs vereinbart, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen. Das dürfte zwar Klimaschützer erfreuen, aber Atomkraftgegner große Sorge bereiten - besonders in Nordrhein-Westfalen.

Auch "Kernenergie" in EU-Erklärung

Der gemeinsame Weg zur Klimaneutralität ist nämlich noch längst nicht klar. In der Erklärung des Europäischen Rates vom Donnerstag (12.12.2019) heißt es explizit: "Einige Mitgliedstaaten haben erklärt, dass sie als Teil ihres nationalen Energiemixes Kernenergie nutzen."

EU-Gipfel: Kleiner gemeinsamer Klima-Nenner

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 14.12.2019 03:01 Min. Verfügbar bis 12.12.2020 WDR 5 Von Malte Pieper

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Das allein hat noch nicht viel zu bedeuten. In der Tat sind in 14 der 28 EU-Staaten Kernkraftwerke in Betrieb. Laut Europäischem Parlament liefern sie 30 Prozent des in der EU erzeugten Stroms - ohne, dass dabei viel CO2 erzeugt wird. Für Gegner ist die Atomkraft jedoch nicht erst seit Fukushima oder Tschernobyl ein Sicherheitsrisiko.

Wird Atomkraft gefördert?

Entscheidend wird nun sein, ob die Europäische Union der Kernkraft in den kommenden Monaten den "grünen Stempel" aufgedrückt und die Atomkraft sogar finanziell fördert. Das Geld könnte aus dem "Just Transition Fonds" stammen, den die EU-Kommission laut ihres Klimaplans "Green Deal" einrichten will.

Aus dem Topf sollen Regionen unterstützt werden, die sich mit der Umstellung auf die Klimaneutralität schwertun. Auch auf NRW mit seinen Kohlekraftwerken trifft das zu.

Alte AKW in der Nähe von NRW

Aufgrund seiner Lage könnte NRW durch den Klimaplan der EU allerdings auch Nachteile erleiden. Schon jetzt bereiten jahrzehntealte Kernkraftwerke in Belgien hierzulande große Sorge - allen voran das in Tihange, nur 70 Kilometer von Aachen entfernt. Auch zwei der Reaktoren in Doel gelten als veraltet.

Nicht weit entfernt - gerade mal 200 Kilometer von Köln - ist auch das alte AKW Cattenom, Frankreichs drittstärkstes Kernkraftwerk. Bundesländer wie NRW fordern seit Langem, den Export von Brennelementen aus Deutschland in solche alten, grenznahen Atomkraftwerke zu verbieten.

Frankreich könnte profitieren

Würde die EU tatsächlich den Bau neuer Reaktoren fördern, könnte auch Frankreich davon profitieren. Nicht ausgeschlossen, dass dann in der Nähe von NRW noch weitere Kernkraftwerke entstehen.

In Deutschland geht das letzte Kernkraftwerk voraussichtlich Ende 2022 vom Netz. Belgien will bis 2025 aussteigen. Währenddessen könnte die Atomkraft woanders in Europa neuen Aufwind erleben, sollten sich Staaten wie Tschechien und Frankreich in den kommenden EU-Verhandlungen durchsetzen.

Widerstand gegen Tihange

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 29.07.2019 03:22 Min. Verfügbar bis 27.07.2020 WDR 5 Von Silvia Andler

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Klimagipfel in Madrid: "Immer noch Ignoranz vorhanden"

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.12.2019 05:46 Min. Verfügbar bis 12.12.2020 WDR 5

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Stand: 13.12.2019, 18:42

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