Kölner Erzbistum ringt um die Rückkehr von Kardinal Woelki

Kardinal Rainer Maria Woelki

Kölner Erzbistum ringt um die Rückkehr von Kardinal Woelki

Von Frank Piotrowski

Das wichtigste Beratungsgremium des Kölner Erzbischofs, der Diözesanpastoralrat, hat darüber abgestimmt, ob Kardinal Woelki - wie angekündigt - am 2. März wieder seine Amtsgeschäfte aufnehmen soll.

Das Ergebnis wird nach Rom weitergeleitet. Eine Veröffentlichung ist aber nicht geplant. Außerdem wurden weitere Einzelheiten zur Prüfung der Auftragsvergaben im Erzbistum bekannt.

Geplanter Gottesdienst trotz Kritik

Das Erzbistum Köln hat in dieser Woche angekündigt, dass Kardinal Woelki zu Aschermittwoch wieder einen Gottesdienst leiten wird. Damit widersprach die Kirchenverwaltung Spekulationen, dass der 65-Jährige nach seiner viereinhalb Monate langen "geistlichen Auszeit" vielleicht nicht mehr ins Erzbistum Köln zurückkehren könnte. Bei der Diözesanpastoral-Konferenz in Bergisch Gladbach wurde das an diesem Samstag sehr kontrovers diskutiert, wie das Kölner Erzbistum schriftlich mitteilt.

Viele Kritiker wollen die Rückkehr des 65-jährigen umstrittenen Kölner Bischofs auf keinen Fall akzeptieren. "Der hat verbrannte Erde hinterlassen", heißt es aus Teilnehmerkreisen. "Er ist fachlich ungeeignet, ein Bistum in einer so schwierigen Situation zu leiten", sagten andere. Fürsprecher fürchten, dass der Kölner Erzbischof zum allgemeinen Sündenbock abgestempelt wird. Von den Kritikern fordern sie, ihren Beitrag zur Versöhnung zu leisten.

Über Rückkehr wurde demokratisch abgestimmt

Der derzeitige Woelki-Vertreter, der apostolische Administrator Rolf Steinhäuser, ließ nach starken Forderungen aus dem Kreis der Teilnehmer, darüber anonym abstimmen, ob sie sich für oder gegen die Rückkehr Woelkis auf den Kölner Bischofsstuhl aussprechen.

Auf die Stimmzettel konnten auch Begründungen geschrieben werden. Die Ergebnisse will Steinhäuser in Kürze im Vatikan vorlegen. Die Veröffentlichung des Abstimmungsergebnisses ist aber weder für die Mitglieder des Diözesanpastoralrats noch an die Öffentlichkeit geplant. Das bestätigte ein Sprecher dem WDR auf Anfrage. Das dürfte zu weiteren Kritiken am Kölner Erzbistum führen.

Kardinal Rainer Maria Woelki gibt im Garten des Erzbischöflichen Haus ein Statement ab.

Auf der zweitägigen Sitzung des Diözesanpastoralrats wurden auch weitere Details der vom apostolischen Administrator beantragten Prüfung aller Aufträge im Erzbistum der letzten zehn Jahre bekannt. Es geht nicht nur um die bereits bekannt gewordenen Anwaltskosten und hohe PR-Honorare, sondern auch um die Finanzierung der Kölner Hochschule für katholische Theologie, wie Rolf Steinhäuser vor den Mitgliedern des Diözesanpastoralrats ausführte. Dem WDR liegt das Redemanuskript vor.

Hochschulgründung erst nach Woelkis Rückkehr

Die Untersuchung aller Auftragsvergaben war auf Weisung des Vatikans zunächst gestoppt worden. Sie soll nach Weisung aus Rom erst nach Rückkehr von Kardinal Woelki wieder aufgenommen werden. Der hatte die Gründung der eigenen Kölner Hochschule für die Priesterausbildung trotz hoher Kosten und entgegen der Empfehlung vieler katholischer Hochschullehrer entschieden.

Im letzten Jahr begann der Lehrbetrieb. Kritiker werfen Woelki vor, dass er dort Theologie aus seinem konservativen Verständnis heraus lehren lassen möchte. Die Frage, ob er für die Hochschulgründung und den Betrieb alle Gremien des Erzbistums entsprechend den Vorschriften beteiligt hat, soll die Untersuchung ergeben. Kirchenexperten erwarten hier weiteres Konfliktpotenzial.

Woelkis sichere Rückkunft noch unklar

Ob Kardinal Woelki trotz Ankündigung tatsächlich zurückkommt, ist nach der heutigen Abstimmung wieder ein Stück weit offen, auch wenn das Ergebnis nicht bekannt gegeben wurde.

Eine Teilnehmerin, die Gemeindereferentin Marianne Arndt, sagte, dass die Gläubigen mit den Füßen abstimmen. Die Austrittszahlen seien erschreckend. Das Kölner Erzbistum wird das nach Einschätzung von Experten kurz über lang auch finanziell in Bedrängnis bringen. Ein Punkt, für den sich vermutlich auch der Vatikan interessieren dürfte.

Stand: 15.01.2022, 20:00

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