Erzbistum: Suche nach weiteren Opfern sexueller Gewalt

Stand: 30.06.2022, 12:38 Uhr

Das Erzbistum Köln will klären, ob ein 2019 verstorbener Priester möglicherweise mehrfach sexualisierte Gewalt ausgeübt hat. Deshalb bittet das Bistum mögliche Opfer, sich zu melden.

Von Verena Köplin

Der Priester Winfried Pilz war Jugendseelsorger in Bonn und später Präsident des Kindermissionswerks der Sternsinger. Er soll in den 70er Jahren einem schutzbedürftigen Erwachsenen sexualisierte Gewalt angetan haben. 2012 hatte die betroffene Person sich an das Erzbistum Köln gewandt. Daraufhin sei ein Verfahren eingeleitet worden, so das Bistum.

Das Problem: Im Laufe des Verfahrens konnte "aufgrund fehlender Erinnerung der betroffenen Person nicht abschließend geklärt werden, ob sie zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr bereits vollendet hatte." Da die Person aber im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses für Pilz tätig war, handelte es sich in jedem Fall um einen schutzbedürftigen Erwachsenen.

Verweis und Geldstrafe, aber erst später Anzeige

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse zu dem Fall erteilte Kardinal Meisner Pilz im Jahr 2014 einen Verweis und belegte ihn mit einer Geldstrafe. Der Pfarrer war zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand und bekam ein Verbot, ohne Anwesenheit anderer Erwachsener Kontakt zu Minderjährigen zu haben. Eine Strafanzeige wurde nicht erstattet.

Präsident der Sternsänger, Msgr. Winfried Pilz, Bischof des Bistums Hildesheim Norbert Trelle, Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Pfarrer Andreas Mauritz (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) (v.l.n.r.) mit Sternensängers in Hildesheim.

Inmitten von Kindern: Winfried Pilz (l.)

Erst 2018 im Rahmen der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln wurde der Fall der Staatsanwaltschaft nachgemeldet - allerdings war er zu diesem Zeitpunkt bereits verjährt. Im Jahr 2021 tauchten dann Hinweise darauf auf, dass es weitere Betroffene geben könnte. Winfried Pilz war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben - das machte die Recherchen zu dem Fall bedeutend schwieriger.

Priester hatte zahlreiche Einsatzorte

Winfried Pilz ist zudem zu Lebzeiten sehr viel herum gekommen. Euskirchen, Bonn, Düsseldorf, Kaarst, Aachen, Prag und Köln zählten zu seinen Einsatzorten. Meist waren es Jugendeinrichtungen, in denen er tätig war - so zum Beispiel Jugendbildungsstätten, Jugendhäuser, Jugendseelsorge-Anlaufstellen oder zuletzt das Kindermissionswerk "Die Sternsinger".

Kindermissionswerk reagiert betroffen

Das Kindermissionswerk reagiert in einer Stellungname geschockt auf den Fall. "Das Leid der Betroffenen von sexuellem Missbrauch können wir nicht ermessen. Uns macht diese Tat fassungslos, traurig und wütend zugleich. Es gilt jetzt, mögliche weitere Betroffene zu ermutigen, sich zu melden und so mögliche weitere Fälle aufzuklären", heißt es.

Bereits im September 2021 wurde das Kindermissionswerk vom Erzbistum über den Fall informiert. Man habe sich für eine zeitnahe Veröffentlichung eingesetzt, um mögliche weitere Betroffene zu ermutigen, sich zu melden und größtmögliche Transparenz herzustellen, heißt es in der Stellungnahme. Das Erzbistum hat die Veröffentlichung dann für Sommer 2022 terminiert. Man habe zunächst alle Recherchen aufgrund von Hinweisen aus dem Jahr 2021 abschließen wollen, so die Begründung des Bistums.

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