Pater muss sich für Äußerungen über Homosexualität rechtfertigen

Rückseite des Kölner Doms

Pater muss sich für Äußerungen über Homosexualität rechtfertigen

  • Pater des Erzbistums Kölns in der Kritik
  • Aussagen zu Homosexualität schlagen hohe Wellen
  • Diözesanrat fordert Ablösung

Pater Romano Christen, Leiter der Priesterausbildung im Erzbistum Köln, hält Homosexuelle offenbar für krank. Diesen Schluss legt ein Vortrag nahe, den er schon im Januar vor Theologiestudenten in Bonn hielt.

Laut Redemanuskript, das dem WDR vorliegt, sagte er damals unter anderem: "Homosexualität ist nicht angeboren." Sie sei "die Folge einer psychologischen (Fehl)Entwicklung, die zu einer verletzten, gebrechlichen Identifizierung mit dem eigenen Geschlecht beziehungsweise zu einem Geschlechtsminderwertigkeitskomplex führt".

Die Frage, ob Homosexualität therapierbar sei, beantwortete der Direktor des Collegium Albertinum so: "Auch wenn sie von der Schwulen-Lobby regelrecht dämonisiert werden, gibt es Therapien und Männer, die sie erfolgreich bestanden haben. Aber dieser Weg ist hart und führt nicht immer zum erhofften Ergebnis, vor allem, wenn sich Angewohnheiten fest eingeprägt haben."

Diözesanrat fordert Ablösung des Paters

Der Vorsitzende des Kölner Diözesanrats, Tim Kurzbach, verlangte die Ablösung Christens. "Wer so über Homosexuelle denkt und redet, hat sich für die Ausbildung des Priesternachwuchses diskreditiert", sagte der Laienvertreter dem "Kölner Stadt-Anzeiger" laut Vorabmeldung vom Donnerstag (09.05.2019).

Das Erzbistum verbreitete inzwischen eine Erklärung von Pater Romano. Demnach habe der Vortrag "in einem größeren Gesprächszusammenhang" gestanden. In diesem habe er auch seine Überzeugung ausgedrückt, "dass Menschen mit homosexuellen Neigungen Respekt verdienen und auf keinen Fall herabgewürdigt werden dürfen".

Ziel des Vortrags sei gewesen, "die Priesterkandidaten darüber zu informieren, was in der Rahmenordnung für die Priesterausbildung steht, die für die katholische Kirche weltweit bindend ist".

Ob Pater Romano mit diesen Erklärungen die Gemüter beruhigen kann, erscheint unwahrscheinlich. Der Mainzer Moraltheologe Stephan Goertz sagte der "Süddeutschen", Pater Romanos Äußerungen entsprächen dem wissenschaftlichen und moraltheologischen Stand der 50er- und 60er-Jahre und seien "durchzogen von Vorurteilen, die für Betroffene kaum zu ertragen sind".

Einfallstor für sexuelle Gewalt

Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet kritisierte, dass homosexuellen Priesterkandidaten vermittelt werde, ihre Sexualität sei "ein Defekt" und sie hätten ihre Gefühle zu verdrängen. In zehn, 15 Jahren seien diese Männer Priester und einsam, alle Probleme kämen hoch. Striets Fazit: "Das ist eines der Einfallstore für sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche."

Stand: 09.05.2019, 20:12

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