Erzbistum Köln: 2,8 Millionen Euro für Gutachten zu Missbrauchsfällen

Das Erzbistum Köln hat sehr viel Geld rund um Gutachten über sexuelle Gewalt durch Geistliche ausgegeben - deutlich mehr, als bislang an die Opfer dieser Gewalt ging. Kirchenreformer sind fassungslos.

Es ist ein weiteres Detail der Aufarbeitungs-Versuche der katholischen Kirche, das Maria Mesrian von der Reformbewegung "Maria 2.0" fassungslos macht. Insgesamt 2,8 Millionen Euro hat das Erzbistum Köln nach eigenen Angaben rund um ein umstrittenes Gutachten zur Aufarbeitung von sexueller Gewalt ausgegeben.

Das sind sehr hohe Summen, so Mesrian - "wenn man die in Vergleich setzt mit Zahlungen, die bisher an Betroffene geleistet wurden, die sich auf rund 1,3 Millionen Euro belaufen, dann ist es eine erschreckende Zahl, die da ausgegeben wurde."

600.000 Euro für Rechtsberatung, 800.000 Euro für Krisenmanagement

Weil ein erstes juristisches Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen nicht veröffentlicht werden sollte, wurde ein zweites bestellt. Kosten für beide Gutachten: 1,3 Millionen Euro. Dazu kamen fast 600.000 Euro für rechtliche Beratung. Weil dann die öffentliche Diskussion rund um den Umgang mit dem ersten Gutachten aufflammte, musste das Erzbistum nochmal viel Geld ausgeben: knapp 800.000 Euro für externes Krisenmanagement. Gesamtsumme: 2,8 Millionen Euro.

"Jeder Cent, der da bezahlt wurde, ist in meinen Augen sinnlos ausgegeben." Maria Mesrian von "Maria 2.0"
Maria Mesrian bei einer Kundgebung im Sommer 2021 | Bildquelle: WDR/ddp images/Geisler/Christoph Har

Die hohen Kosten seien gerade aus Sicht der Betroffenen besonders schmerzhaft, sagt Mesrian - die "müssen oft durch jahrelang erniedrigende Prozesse gehen, um 5000 Euro zu erhalten."

Erzbistum Köln spricht von einer "ganz schwierigen Situation"

Dass 2,8 Millionen Euro rund um das Gutachten zur Aufarbeitung sehr viel Geld sind, räumt auch das Erzbistum Köln ein: "Das ist eine sehr große Summe, unser Delegat hat das ausdrücklich bedauert. Er hat es aber auch begründet mit der Ausnahme-Situation, die da geherrscht hat", sagt Sprecher Christoph Hardt.

Die Aufarbeitung sei juristisch und publizistisch Neuland gewesen. Hardt betont aber, dass die Gelder nicht aus Kirchensteuermitteln gezahlt wurden. Sie kommen aus einem Sondervermögen des Bistums. "Es war eine ganz schwierige Situation – auch mit dem nicht veröffentlichten Gutachten."

Maria 2.0: Mediale Ausnahmesituation als Begründung "lächerlich"

Das Erzbistum und Kardinal Woelki wurden im Zuge der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe immer wieder massiv kritisiert – vor allem, weil das Bistum ein Gutachten wegen angeblicher juristischer Mängel im vergangenen Jahr zurückgehalten und stattdessen ein neues beauftragt hatte.

Dass die hohen Kosten im Erzbistum jetzt auch auf die mediale Ausnahmesituation nach dem Stopp des ersten Gutachten geschoben wird, findet Maria Mesrian fadenscheinig. "Es ist in meinen Augen natürlich lächerlich. Man hat einfach nicht das Gutachten bekommen, was man sich wünschte, nämlich ein Gutachten, in dem alle von ihren Verantwortlichkeiten freigesprochen werden." Das Bistum habe damit nicht umgehen können, "dass die Medien einfach berichtet haben, was da an Unstimmigkeiten vor sich geht."

Hoffnung auf weitere Aufarbeitung

Die mediale Ausnahmesituation im Erzbistum Köln hat sich mittlerweile etwas gelegt. Päpstliche Gutachter hatten im Sommer den Umgang der Bistumsleitung mit den Missbrauchsfällen untersucht und Kardinal Woelki Fehler attestiert – der daraufhin entschied, bis Ostern eine Auszeit zu nehmen. Maria Mesrian und viele andere Reformer in der Kirche reicht das nicht aus. Sie hoffen, dass die Aufarbeitung rund um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche weitergeht.