Chempark Currenta

Erneut Panne bei Currenta: Noch mehr belastetes Abwasser in den Rhein geflossen

Stand: 26.12.2021, 16:55 Uhr

Nach der Explosion der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen sind rund 1,3 Millionen Liter mit Chemikalien belastetes Wasser in den Rhein gelangt. Das ist mehr, als bisher bekannt war.

Von Oliver Köhler

Nach Angaben des Chemieparkbetreibers Currenta sollen von Ende Juli bis Ende der vergangenen Woche 1,3 Millionen Liter unbemerkt aus einem Tank in ein Klärwerk und dann in den Rhein gelaufen sein. Currenta hatte am Samstag noch erklärt, es seien nur 180.000 Liter gewesen. Diese Summe hat das Unternehmen am Vormittag in einer schriftlichen Mitteilung an den WDR korrigiert.

Klappe in Abwasser-Leitung undicht

Currenta hatte nach eigenen Angaben erst am Freitag entdeckt, dass eine Klappe in einer Abwasser-Leitung nicht dicht war. Durch die undichte Stelle sei das kontaminierte Löschwasser ausgelaufen. In dem Tank hatte Currenta nach der Explosion in der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen mehr als neun Millionen Liter aufgefangen. Das Gemisch aus Wasser und Chemieabfällen ist laut Currenta ohne vorherige Behandlung in die Kläranlage auf dem Werksgelände und von dort in den Rhein geflossen. Welche möglicherweise giftigen Stoffe durch das Leck in den Rhein geraten sind, teilte Currenta nicht mit.

Das Abwasser der Kläranlage soll jetzt vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz analysiert werden.

Insgesamt rund 13 Millionen Liter mit Chemikalien belastetes Wasser in den Rhein geleitet

Eine Rauchwolke über dem Chemiepark in Leverkusen nach einer Explosion am 27.07.2021

Explosion im Chemiepark Leverkusen

Der WDR hatte bereits vor zehn Tagen aufgedeckt, dass Currenta nach der Explosion in der Leverkusener Anlage bis zu 12 Millionen Liter Löschwasser und Chemieabfälle absichtlich im Rhein entsorgt hatte. Unter den Chemikalien war unter anderem das Insektengift Chlotianidin. Diesen Stoff hatten Wasserwerke in den Niederlanden Tage später bei Wasserproben im Rhein entdeckt.

Außerdem wurden größere Mengen PFT in den Rhein eingeleitet. Dieser Stoff stammt offenbar unter anderem aus dem Löschschaum, den die Feuerwehr nach der Explosion verwendet hatte, um die brennenden Tanks mit Chemieabfällen zu löschen.

Zusammen mit der jetzt bekannt gewordenen Menge, die durch das Leck ausgelaufen sein soll, könnten also insgesamt rund 13 Millionen Liter kontaminiertes Wasser in den Rhein geflossen sein.

Currenta beruft sich auf Notstand

Currenta beruft sich wegen der absichtlichen Einleitung des belasteten Wassers in den Tagen nach der Explosion auf einen Notfall. Die große Menge Löschwasser habe das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht vollständig auffangen können, weil nicht genügend Tanks zur Verfügung standen.

Warum das Unternehmen aber nicht bemerkte, dass zusätzlich große Mengen kontaminiertes Wasser durch eine defekte Klappe in einer Abwasserleitung in den Rhein liefen, hat Currenta bisher nicht mitgeteilt.

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen