Equal Pay Day: So haben Frauen bessere Chancen

Equal Pay Day Aktuelle Stunde 18.03.2019 02:56 Min. UT Verfügbar bis 18.03.2020 WDR Von Ann-Kathrin Stracke

Equal Pay Day: So haben Frauen bessere Chancen

Von Katja Goebel

  • Strategien gegen Ungleichheit
  • Faire Bezahlung in Pflegeberufen
  • Mitarbeiterinnen besser fördern
  • Familienfreundlicher Wiedereinstieg

Der internationale Aktionstag Equal Pay Day macht am Montag (18.03.2019) auf den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Mit Recht: Frauen verdienten 2018 in NRW rund 22 Prozent weniger als Männer.

Häufige Gründe: Frauen schaffen es seltener in Führungspositionen und arbeiten häufiger in Teilzeit - auch der Kinder wegen. Außerdem sind sie oft in schlechter bezahlten Branchen tätig - zum Beispiel in der Pflege. Doch es gibt Unternehmen, die gegensteuern.

NRW-Frauen verdienen 22 Prozent weniger als männliche Kollegen

00:40 Min. Verfügbar bis 18.03.2020

Frauenspezifische Berufe: Mehr Gehalt in der Pflege

Nur fünf Prozent der Pflegeanbieter sind kommunale Träger, die Tariflohn zahlen müssen - so wie die zum Beispiel die Sozial-Holding in Mönchengladbach. Dort bekommt eine Pflegekraft zum Einstieg aktuell einen Stundenlohn von durchschnittlich 13,83 Euro.

Pflegekraft begleitet Bewohnerin eines Altenheims mit Rollator durch den Gang

Meist unfair bezahlt: Pflegeberufe

Laut Geschäftsführer Helmut Wallrafen könne eine Pflegehilfskraft so 400 bis 600 Euro monatlich mehr verdienen, als bei anderen Anbietern in Mönchengladbach. Das Problem: Die Branche wolle solche Löhne einfach nicht zahlen. "Seit 20 Jahren führe ich den Kampf für einen Tariflohn in der Pflege", so Wallrafen. "Aber viele andere wollen das lieber als Rendite nutzen." Der aktuelle Pflegemindestlohn in den westlichen Bundesländern liegt laut der Gewerkschaft Verdi bei 11,05 Euro.

Frauen in Führungspositionen: Beruflichen Aufstieg erleichtern

Das mittelständische Unternehmen Steintex aus dem bergischen Wermelskirchen hat sich die Stärkung seiner Mitarbeiterinnen auf die Fahne geschrieben und wurde dafür 2018 von der IHK zum "Chancengeber des Jahres" gekürt. Eine, die davon profitiert, ist Ayse Tomris, die mit 16 ihre Lehre bei Steintex begann und heute nicht nur in der Geschäftsführung sitzt, sondern auch Teilhaberin des Unternehmens ist.

Um als Frau weiter zu kommen, brauche es immer auch einen Chef, der Frauen in der Führung will, so Tomris. Das bergische Unternehmen ist Mitglied im Frauennetzwerk "wings", bietet regelmäßig Praktika für Frauen aus anderen Ländern sowie Praktika für deutsche Mitarbeiterinnen bei Geschäftspartnern in Dubai und Istanbul.

Längere Erziehungszeiten: Familenfreundliche Ausbildung

Auch die Verkehrsbetriebe Hüttebräucker in Leichlingen wollen mehr Frauen im Betrieb haben - und bieten eine Teilzeitausbildung für den Wiedereinstieg nach der Familienphase. Bei der Ausbildung stehen Verkauf, Beratung und Verwaltung im Fokus. Es müssen aber auch große Fahrzeuge bewegt werden. Kurzum: Eine familienfreundliche Ausbildung in einer Art Männerberuf.

Doch Geschäftsführer Rainer Hüttebräucker ist nicht zufrieden. 2017 bewarb sich nicht eine einzige Frau. Im letzten Jahr waren es nur zwei. "Vielleicht haben sie zu wenig Traute", sagt Hüttebräucker und vermutet noch etwas anders. Der Wiedereinstieg bei Frauen mit Kindern habe einfach nicht den gesellschaftlichen Stellenwert, den er haben sollte. "Der Selbstständigkeitsimpuls wird unterdrückt."

Stand: 18.03.2019, 13:29

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