NRW-Schulen: Keine Maskenpflicht mehr am Sitzplatz

NRW-Schulen: Keine Maskenpflicht mehr am Sitzplatz

Von Thomas Drescher

Ab heute müssen Schülerinnen und Schüler an ihren Plätzen keine Masken mehr tragen. Die Begründung des Schulministeriums: Es gebe keinen übermäßigen Anstieg des Infektionsgeschehens an den Schulen.

Schülerinnen und Schüler in NRW müssen seit Dienstag im Unterricht keine Maske mehr tragen, solange sie an festen Plätzen sitzen. Beim Weg zum Platz sowie im Schulgebäude gilt die Maskenpflicht weiterhin.

Es gebe keinen übermäßigen Anstieg des Infektionsgeschehens an den Schulen, begründete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ihre Enscheidung. Da mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler und mehr als 90 Prozent des Lehrpersonals geimpft seien, halte sie die Aufhebung der Maskenpflicht am Sitzplatz für einen "verantwortbaren Schritt".

Viel abverlangt

"Mit der Maskenpflicht haben wir unseren Schülerinnen und Schülern seit mehr als zwölf Monaten viel abverlangt", sagte Gebauer. Die junge Generation habe mit großem Engagement und enormem Verantwortungsbewusstsein einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Älteren und zur Eindämmung der Pandemie geleistet. Dafür dankte die Schulministerin "herzlich".

Die neuen Masken-Regeln an Schulen im Detail

Die Maskenpflicht entfällt in folgenden Situationen:

  • an festen Sitzplätzen in Klassen oder Kursräumen
  • in der Ganztagsbetreuung und auch hier immer dann, wenn Schülerinnen und Schüler an festen Plätzen sitzen
  • für Lehrkräfte und Betreuungs- sowie sonstiges Personal, wenn sie mehr als 1,5 Meter Abstand halten
  • Im Lehrerzimmer und bei Konferenzen an festen Sitzplätzen

Masken müssen noch getragen werden:

  • im Schulgebäude immer dann, wenn der feste Sitzplatz verlassen wird.

Quarantäne-Regeln

Tritt in einer Klasse oder einem Kurs eine Infektion auf, sollen ab sofort nur noch die infizierte Person und die unmittelbaren Sitznachbarn in Quarantäne geschickt werden - vollständig Geimpfte oder Genesene ausgenommen. Wer in Quarantäne ist, kann sich frühestens nach fünf Tagen "freitesten". Anerkannt werden dafür ein PCR- oder ein qualifizierter Antigentest.

Weiterhin regelmäßige Tests

Schüler macht einen Lolli-Corona-Test

Die regelmäßigen Tests gehören bis zu den Weihnachtsferien weiterhin zu den Routinen im Schulalltag. An Grund- und Förderschulen gibt es weiterhin zweimal wöchentlich die bekannten PCR-Pooltests, die sogenannten Lolli-Tests, an weiterführenden Schulen dreimal wöchentlich einen Antigen-Schnelltest.

Auch an den Regeln für Hygiene und fürs Lüften wird weiter festgehalten.

Widerspruch von Medizinern

Die Entscheidung des NRW-Schulministeriums wird von Ärzten kritisch gesehen. "Ich halte das absolut für verfrüht", sagte Intensivmediziner Uwe Janssen vom St.-Antonius-Hospital in Eschweiler am Donnerstag dem WDR. Die steigende Inzidenz und die Zunahme der Zahl von Intensivpatienten zeigten, dass eine schwierige Situation bevorstehe.

"Wir alle raten dringend, Vorsichtsmaßnahmen weiter einzuhalten", sagte Janssen. "Die Masken sind unsere große Hilfe auch bei den Geimpften und Genesenen, die auch durchaus zu Virenträgern werden können, wie wir das im Klinikalltag erleben."

Auch Karsten Woelke, Lungenfacharzt am Allgemeinen Krankenhaus in Viersen, lehnt eine Lockerung ab. Die Maske habe sich als sehr effektives Mittel zum Infektionsschutz erwiesen, sagte er am Donnerstag dem WDR. Er plädiere dafür, die Maskenpflicht im Unterricht beizubehalten - gerade mit Blick auf den Winter, wenn wieder mehr in geschlossenen Räumen stattfinde.

Geteilte Meinungen bei Schülerinnen und Schülern und unter Lehrkräften

Nach Angaben von Schülersprecherin Svenja Halsband gibt es zur Maskenfrage an der Gesamtschule Havixbeck Billerbeck kein einheitliches Meinungsbild. Man sei sich unter den Schülerinnen und Schülern sehr wohl der Risiken bewusst, sehe aber auch Vorteile, wenn die Masken am Platz abgesetzt werden dürfen.

Schülersprecherin Svenja Halsband
"Keine Maske zu tragen stellt immer ein Risiko dar. Aber es ist auch einfach anstrengend an einem Tag, der teilweise länger als neun Stunden geht, durchgängig die Maske zu tragen." Svenja Halsband, Schülersprecherin der Gesamtschule Havixbeck Billerbeck

Die Schülersprecherin hofft, das Infektionsrisiko senken zu können durch die hohe Impfquote in der Schülerschaft, CO2-Messgeräte in den Klassenräumen und häufiges Lüften.

Lehrerin Isabell Steinböck ist ebenfalls geteilter Meinung: Einerseits freue sie sich für die Kinder. Besonders für Brillenträger seien die Masken immer besonders unangenehm. Andererseits sei sie im Hinblick auf die steigenden Zahlen auch vorsichtig.

Lehrerin Isabell Steinböck
"Jetzt steigen die Inzidenzen wieder, jetzt höre ich im Radio oder im Fernsehen, dass es auf den Intensivstationen wieder enger wird. Daher kann ich mich nicht wirklich drüber freuen." Isabell Steinböck, Lehrerin an der Gesamtschule Havixbeck Billerbeck

Stand: 02.11.2021, 08:16

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