Qualmender Schornstein des Steinkohlekraftwerk Duisburg-Walsum hinter einem Kohleberg

Knapp die Hälfte der Steinkohle in NRW kommt aus Russland: Embargo dennoch umsetzbar

Stand: 22.04.2022, 14:14 Uhr

Schon im Sommer soll keine Kohle mehr aus Russland importiert werden. Neue Zahlen machen deutlich, wie wichtig das Land bislang als Lieferant ist, besonders auch für Nordrhein-Westfalen. Doch es gibt Lösungen für das geplante Embargo.

Von Christian Wolf

Im Zuge des Ukraine-Krieges ist vielen Menschen erst richtig bewusst geworden, wie groß die Abhängigkeit von Russland hierzulande bei den Energielieferungen ist. Auch deshalb weigert sich die deutsche Politik, ab sofort komplett auf Öl, Kohle und Gas aus Russland zu verzichten. Stattdessen soll das in Etappen passieren.

Fast die Hälfte der Steinkohleimporte aus Russland

Ein mit Steinkohle beladenes Frachtschiff fährt auf dem Rhein.

Kohlefrachter auf dem Rhein

Wie groß der russische Anteil an Energieimporten auch nach NRW ist, zeigt eine neue Zahl. Denn das Statistische Landesamt hat am Freitag eine Statistik zu den Importen von Kohle veröffentlicht. Demnach wurden im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Tonnen Steinkohle und Steinkohlenbriketts aus Russland nach NRW importiert. Das Land war damit mit Abstand das größte Lieferland. Denn insgesamt betrug der Import 16,3 Millionen Tonnen. Der russische Anteil lag also bei 47 Prozent.

Zum Vergleich: Auf den Plätzen zwei und drei folgten Australien mit drei Millionen Tonnen und die USA mit 2,7 Millionen Tonnen. Die Kohle wird in Kraftwerken verfeuert oder in der Industrie, wie etwa von Stahlwerken, eingesetzt.

Keine Kohle aus Russland ab August

Kann angesichts dieser Zahlen überhaupt auf die russische Kohle verzichtet werden? Es muss! Denn die EU hat erst kürzlich beschlossen, dass ab August keine Kohle mehr aus Russland importiert werden darf. Angesichts von über 830 Millionen Euro, die 2021 durch die Lieferungen allein aus NRW nach Osten flossen, ein spürbarer Schritt.

Probleme zeichnen sich durch das Kohle-Embargo - trotz des hohen russischen Anteils - aber nicht ab. Schon Anfang April reagierte der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper gelassen. Man habe bereits Monate vor der Invasion Russlands in die Ukraine technische Lösungen geprüft, um die eigenen verbliebenen Steinkohle-Kraftwerke unabhängiger von russischer Kohle zu machen, hieß es. Neue Verträge für russische Kohle werden schon seit Anfang März nicht mehr abgeschlossen.

Andere Länder können russische Kohle ersetzen

Auch der Chef des Vereins der Kohleimporteure, Alexander Bethe, zeigt sich entspannt: "Steinkohleimporte aus Russland können in wenigen Monaten vollständig durch andere Länder ersetzt werden. Insbesondere aus den USA, Kolumbien und Südafrika. Aber auch aus Australien, Mosambik und Indonesien." Russische Steinkohleimporte könnten so viel leichter ersetzt werden als russisches Gas.

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