Limits für Klimaanlagen, Türen zu im Restaurant: So sparen andere Länder Energie

Stand: 04.08.2022, 10:20 Uhr

Nicht nur hierzulande wird zum Energiesparen aufgerufen. Auch in anderen Ländern geht es darum, weniger zu verbrauchen. Spanien geht dabei jetzt am weitesten. Die Deutsche Umwelthilfe und Greenpeace fordern auch hier gesetzliche Vorgaben zum Energiesparen.

Von Christian Wolf

Von allen Seiten ist er in diesen Tagen zu hören: der eindringliche Aufruf, möglichst viel Energie zu sparen. Schließlich weiß im Moment niemand, ob und wie viel russisches Gas in den kommenden Monaten zu uns fließt. Deshalb werden nun in Schwimmbädern die Wassertemperaturen gesenkt, Straßenbeleuchtungen reduziert und Klimaanlagen heruntergedreht.

Der Deutschen Umwelthilfe und Greenpeace geht der Aufruf zum Energiesparen jedoch nicht weit genug. Die beiden Organisationen fordern am Donnerstag gesetzliche Vorgaben zum Energiesparen. Die Bundesregierung müsse der Verschwendung von Energie ein Ende bereiten“, sagte Umwelthilfe-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner dem „Redaktions-Netzwerk Deutschland“.

Greenpeace: Freiwilligkeit aus Energiesicherungspaket streichen

Der geschäftsführende Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser appellierte an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), „den Aspekt der Freiwilligkeit aus dem Energiesicherungspaket zu streichen und in die verpflichtende Umsetzung im öffentlichen und industriellen Bereich zu kommen“.

Vorbild Spanien

Vorbild für die Ideen ist die spanische Regierung, die am Dienstag unter anderem für zahlreiche Gebäude des öffentlichen Lebens gesetzliche Grenzen für Kühlung und Heizung erlassen hatte. Damit ergreift das Land die weitreichendsten Maßnahmen, um Energie zu sparen. Es ist aber nicht das einzige. Ein paar Beispiele:

Spanien

Klimaanlage in einem Büro

In Hotels oder Geschäften soll es Limits für Klimaanlagen geben

Das bislang umfassendste Paket in Europa kommt aus Spanien. Die Regierung in Madrid hat am späten Montagabend "dringende Maßnahmen" beschlossen. Seitdem wird in dem Land heftig über die Pläne diskutiert. Sollten sie tatsächlich so kommen, dürfen alle Gebäude des öffentlichen Sektors, aber auch Kaufhäuser, Kinos, Arbeitsstätten, Hotels, Bahnhöfe und Flughäfen ihre Räumlichkeiten im Winter nur noch auf maximal 19 Grad heizen. Und im Sommer darf nicht unter 27 Grad gekühlt werden. Die Zeiten von vollaufgedrehten Klimaanlagen wären damit vorbei.

Doch nicht nur das. Geschäfte dürfen ihre Türen nicht weit offen stehen lassen, wodurch Wärme oder gekühlte Luft nach draußen gelangt. Zudem muss die Beleuchtung von nicht benutzten Büros, von Schaufenstern und Denkmälern nach 22 Uhr ausgeschaltet werden.

All diese Schritte sollen in ein paar Tagen umgesetzt werden. Doch schon jetzt ist die Opposition in Spanien auf den Barrikaden und kündigt Widerstand an.

Frankreich

Frankeichs Präsident Emmanuel Macron während einer Rede im Elysee-Palast.

Frankeichs Präsident Emmanuel Macron

Statt auf harte Einschnitte wird noch auf Eigenverantwortung gesetzt. So hat Präsident Emmanuel Macron in einem großen Interview zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli die Unternehmen aufgefordert, Energiesparpläne zu erstellen. Seine Premierministerin hat inzwischen vorgelegt - mit Plänen für die öffentliche Verwaltung. So sollen Klimaanlagen bei weniger als 26 Grad Raumtemperatur aus bleiben und erst bei unter 19 Grad geheizt werden. Elektrogeräte sollen nicht im Standby-Modus bleiben.

Inzwischen wurden noch andere Maßnahmen angekündigt: Geschäfte und Restaurants dürfen die Türen nicht mehr offen lassen, wenn die Klimaanlagen laufen. Und zwischen ein und sechs Uhr morgens sollen Leuchtreklamen aus bleiben.

Schon vor rund zwei Wochen hatte die französische Regierung ihre Bürger aufgerufen, während des Urlaubs die WLAN-Router zu Hause abzuschalten. Wer übers Wochenende verreise oder in den Urlaub fahre, solle "so viele Stecker wie möglich ziehen", sagte der Regierungssprecher.

Italien

In öffentlichen Gebäuden in Italien dürfen die Klimaanlagen die Räume nicht mehr unter 27 Grad kühlen. Im Winter betreffen die Einschränkungen das Heizen in öffentlichen Gebäuden. Während der kalten Monate dürfen diese nur höchstens 19 Grad warm sein.

Griechenland

Behörden dürfen ihre Räume nach einer staatlichen Anordnung nur noch auf maximal 26 Grad herunterkühlen. Die Nutzung der Straßenbeleuchtung muss auf das absolut notwendige Maß reduziert werden. Laut Energieminister Kostas Skrekas sollen auf diese Weise in den nächsten Monaten mindestens zehn Prozent der Energiekosten des staatlichen Bereichs im Vergleich zum Vorjahr eingespart werden.

Behörden und Kommunen, die dieses Ziel nicht erreichen, müssen die zu viel genutzte Energie selbst aus anderen Bereichen ihrer Haushalte zahlen. Und die Bürger können ihre alten Klimaanlagen und Kühlschränke mit einem vom Staat und der EU finanzierten Programm durch neue energiesparende Geräte ersetzen.

Europäische Union

Was zum Beispiel Spanien gerade tut, muss vor dem Hintergrund der jüngsten EU-Beschlüsse gesehen werden. Denn der Brüsseler Gas-Notfallplan sieht vor, dass die Mitgliedsländer auf freiwilliger Basis bis März 2023 Gas einsparen. Anders als Deutschland hätte Spanien die jetzigen Schritte zwar gar nicht nötig, da es keine Abhängigkeit zu Russland gibt. Die zuständige Ministerin Teresa Ribera sagt aber: "Es ist an der Zeit, solidarisch zu sein." Europa benötige die Hilfe Spaniens. Das Land hat auch bereits angekündigt, bei einem Energienotfall Erdgas in andere EU-Länder zu exportieren.

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