Autobahnbaustellen - ein Insider packt aus

Autos stehen im Stau aufgrund einer Baustelle auf der Autobahn A 40 in NRW

Autobahnbaustellen - ein Insider packt aus

Von Frank Menke und Nina Magoley

  • Verzögerungen bei Autobahnbaustellen
  • Insider benennt die wirklichen Probleme
  • Bau-Boom gar nicht zu bewältigen

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat es im Mai versprochen: Autobahn- und Brückenbaustellen sollen schneller fertig werden - dank engerer Planung und Kontrollen, Arbeiten rund um die Uhr oder Konventionalstrafen für Bauunternehmer, die den Zeitplan nicht einhalten. Viele Autofahrer haben dennoch den Eindruck, dass das nur schleppend vorangeht.

Warum ist das Baustellenproblem auf den Autobahnen in NRW ein Dauerbrenner? Grundsätzliche Fehler liegen offensichtlich im System, weiß ein Insider aus NRW, der nicht namentlich genannt werden möchte, weil er als Ingenieur selbst in Autobahn-Bauprojekte involviert ist.

Boom nicht zu bewältigen

Aufgrund des permanent zunehmenden Verkehrs insbesondere im Schwerlastbereich nimmt der Sanierungsbedarf der Autobahnen entsprechend zu. "So erleben Autobahn-Bauprojekte derzeit einen Boom, für den es viel zu wenige qualifizierte Unternehmen gibt, um ihn zu bewältigen", so der Ingenieur.

Einkalkulierte Konventionalstrafen

Diejenigen Firmen, die einen Auftrag bekämen, arbeiteten unter extremem Zeitdruck: "Deshalb gibt es den Sicherheitsaufschlag. Die Firmen geben bei ihrer Bewerbung alle ein hochpreisiges Angebot ab, wohlwissend, dass sie einen Gutteil als Konventionalstrafe zurückzahlen müssen, weil sie den Zeitplan gar nicht einhalten können."

Irgendetwas ist immer

Verzögerungen entstünden schon dadurch, weil die Bauprojekte zunächst "ohne besondere Vorkommnisse kalkuliert" würden, um Zeitaufwand und Kosten auf dem Papier so moderat wie möglich zu gestalten. Der Ingenieur: "Doch man findet eigentlich immer etwas, womit man nicht gerechnet hat."

Abrissarbeiten können sich demnach verzögern, wenn statt des dokumentierten Materials ein anderes verbaut wurde. Probleme machen häufig auch fehlende Unterlagen zu einem Bauwerk, oft deshalb, weil es sehr alt ist. Enteignungsverfahren können einen Baubeginn um zwei bis drei Jahre verzögern. Realistisch, so der Ingenieur, sei deshalb im Schnitt "ein Aufschlag von 30 Prozent auf die ursprünglich kalkulierte Bauzeit".

Zu lange Personal abgebaut

Prekär ist die Lage auch geworden, weil die Straßenverwaltung lange Zeit Personal abgebaut hat, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek vom Landesbetrieb Straßen.NRW - allein von 2006 bis 2014 fast 1.300 Stellen. So konnte Geld, das der Bund für NRW bereitgestellt hatte, oft nicht abgerufen werden.

Immerhin: Seit 2014 wurden wieder Mitarbeiter eingestellt, in diesem Jahr gab es 50 neue Planerstellen. Allerdings bleiben laut Verkehrsminister Wüst weiterhin Stellen unbesetzt, da auch Planer in Pension gehen.

Stand: 05.07.2018, 18:13

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