Die Emscher bei Dortmund-Mengede.

"Kloake des Ruhrgebiets": Emscher ist jetzt abwasserfrei

Stand: 02.01.2022, 11:23 Uhr

Die Emscher im Ruhrgebiet ist nun komplett frei von Abwasser. Der mehr als 80 Kilometer lange Nebenfluss des Rheins galt lange Zeit als schmutzigster Fluss Deutschlands.

Der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft, Uli Paetzel, bestätigte auf Twitter, dass kein ungeklärtes Abwasser mehr in die Emscher eingeleitet wird. "Es ist geschafft! Wir haben unser Versprechen gehalten: Die Emscher ist komplett abwasserfrei! Seit gestern wird kein ungeklärtes Abwasser mehr in die Emscher eingeleitet. Jetzt geht's mit der Renaturierung weiter. Für ein blau-grünes Ruhrgebiet", schrieb Paetzel.

30 Jahre Emscher-Umbau

Hunderte Kilometer Abwasserkanäle wurden dafür zwischen Holzwickede und Dinslaken gebaut, unterirdisch, parallel zum Fluss. Das Projekt hat von der Planung bis zur Fertigstellung 30 Jahre gedauert, die letzten Anschlüsse wurden erst nach Weihnachten fertiggestellt. Jetzt soll es mit der Renaturierung der Emscher weiter vorangehen. Denn immer noch sind große Teile des Flusses kanalisiert.

Von der "Köttelbecke" zur Auenlandschaft

Von Katja Goebel

Es war ein weiter Weg, bis aus einem stinkenden Abwasserkanal mitten im Ruhrgebiet tatsächlich wieder ein sauberer Fluss wurde. Nach 30 Jahren und etlichen Baumaßnahmen ist die Emscher nun abwasserfrei.

An vielen Stellen ist die Emscher von einst längst nicht mehr wieder zu erkennen. Nach jahrzehntelanger Umbauzeit und etlichen Renaturierungsmaßnahmen hat der einstige Industriefluss wieder zu alter Form zurückgefunden. Jetzt ist er nach 30 Jahren Umbau tatsächlich komplett abwasserfrei.

"Köttelbecke" nennt man im Ruhrgebiet viele Jahre verachtend die Emscher. Und tatsächlich gilt der Nebenfluss des Rheins lang als schmutzigster Fluss Deutschlands.

Die Emscher wird mehr als 100 Jahre durch Bergbau und Industrie als "offene Kloake" genutzt.

Der Fluss wird durch viel Beton begradigt und in ein steinernes Korsett gezwängt. Die Aufnahme zeigt Uferböschungen der Emscher in den 70er-Jahren.

Lange Zeit ist das Wasser durch die starke Verschmutzung braun. Fische und Pflanzen können nicht mehr überleben.

Dann beginnt Anfang der 90er-Jahre der Wandel der Flusslandschaft. Die Emschergenossenschaft plant das Generationenprojekt Emscher-Umbau, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren rund fünf Milliarden Euro investiert werden.

Das alte System der offenen Abwasserableitung wird nun Schritt für Schritt aufgegeben und das Schmutzwasser in unterirdischen Abwasserkanälen den Kläranlagen zugeleitet. Die Gewässer werden umgebaut und ökologisch verbessert. Ein vergleichbares wasserwirtschaftliches Projekt gibt es laut Umweltministerium in Europa nicht.

Im Zuge der Renaturierung der Emscher sind grüne Auen-Landschaft entstanden - wie in Dortmund.

Ein Angler wirft 2016 seine Angel in die Emscher. Der frühere Abwasserfluss ist jetzt auf einer Länge von vier Kilometern offiziell ein Fischereigewässer.

Im Zuge der Renaturierung hat sich die Artenvielfalt seit Anfang der 1990er-Jahre nahezu verdreifacht - heute sind es laut Emschergenossenschaft rund 500 Arten, die in das Emscher-Gebiet zurückgekehrt sind.

Die Emscher-Groppe galt 200 Jahre lang als ausgestorben. Der grau-braune Fisch lebte einst in dem Fluss. Nach der Renaturierung kehrte er zurück.

Die Emschergenossenschaft hat nicht nur die Emscher komplett vom Abwasser befreit. Auch Nebenläufe sind schon renaturiert worden - wie die Boye in Bottrop. Der kleine Nebenfluss der Emscher wurde naturnah umgestaltet.

Im August 2019 wird das letzte Teilstück des Abwasserkanals in Oberhausen verlegt. Damit ist das unterirdische Abwasserrohr auf der kompletten Länge von gut 50 Kilometern zwischen Dortmund und Dinslaken fertig.

Der 51 Kilometer lange Abwasserkanal Emscher, der das Schmutzwasser aus den Zuflusskanälen aufnimmt, besteht laut Emschergenossenschaft aus Stahlbeton-Rohren mit Innendurchmessern zwischen 1,60 und 2,80 Meter. In acht bis 40 Metern Tiefe fließt das Abwasser mit einer Geschwindigkeit von vier Kilometern in der Stunde.

Ein Meilenstein beim Emscherumbau: Im Sommer 2021 wird schließlich Deutschlands größtes Schmutzwasserpumpwerk und damit den gesamten unterirdischen Abwasserkanal Emscher in Betrieb genommen.

Und die Aussichten? Jetzt soll es mit der Renaturierung der Emscher weiter vorangehen. Denn immer noch sind große Teile des Flusses kanalisiert.

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