Gefahr am Schultor: So kämpfen NRW-Städte gegen Elterntaxis

Elterntaxis: Gefahr am Schultor Aktuelle Stunde 18.12.2018 02:52 Min. Verfügbar bis 18.12.2019 WDR Von Andreas Hodapp

Gefahr am Schultor: So kämpfen NRW-Städte gegen Elterntaxis

  • Elterntaxen gefährden Kinder vor Schulen in NRW
  • Einige Städte richten Hol- und Bringzone ein
  • Forscher arbeiten an weiteren Lösungen

Die sogenannten Elterntaxis sind ein Riesenproblem. Einige Städte und Verkehrsforscher in NRW probieren neue Lösungen aus.

Warum sind Elterntaxis ein Problem?

Ängste, Sorgen, Bequemlichkeit, Zeitnot, ein weiter Schulweg - es gibt viele Gründe, warum Eltern ihre Kinder zur Schule fahren. Josef Weiß von der Verkehrswacht NRW sagt: "Die meisten Eltern bringen ihre Kinder aus Sicherheitsgründen – gleichzeitig geht ein Großteil der Gefahren und Verkehrsprobleme rund um Schulen von Elterntaxis aus."

Elterntaxi: Notwendig oder gefährlich? Lokalzeit aus Duisburg 28.11.2018 05:02 Min. Verfügbar bis 28.11.2019 WDR Von Laura Kasprowiak

Wie sieht es vor Schulbeginn an Schulen aus?

Eltern parken ein und aus, manche halten in zweiter Reihe, auf dem Zebrastreifen oder Bürgersteig. Kinder flitzen zwischen den Autos umher. Die Situation ist unübersichtlich – insbesondere im Winter und bei Regen.

Jens Anton Leven vom Wuppertaler Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation forscht zum Thema. Er sagt: Bei schlechtem Wetter werde heute jedes dritte Kind gebracht. "Die Infrastruktur ist dafür nicht ausgelegt."

Wie gefährlich sind Elterntaxis?

Eine Statistik zu Unfällen durch Elterntaxis gibt es laut Verkehrswacht nicht. Schulen, Städte, Elternvertreter und die Polizei sind sich aber einig: Elterntaxis bringen Kinder in gefährliche Situationen.

In Mönchengladbach ist vor zwei Wochen (05.12.2018) auf dem Weg zur Schule eine Achtjährige angefahren worden. Sie starb kurze Zeit später im Krankenhaus.

Wie kann man das Problem entschärfen?

Hol- und Bringzone

Hier geht's lang - Fußabdrücke weisen den sicheren Weg zur Schule

Zum Beispiel durch Hol- und Bringzonen: Städte richten etwa 200 bis 400 Meter von der Schule entfernt eine spezielle Spur ein. Eltern halten, laden Kind mit Tornister aus, fahren weiter. Über Zeichen auf der Straße werden die Kinder auf sicherem Weg zur Schule geführt.

Wo gibt es solche Zonen?

Solche Zonen gibt es inzwischen in etlichen Städten, zum Beispiel in Düsseldorf, Leverkusen, Sankt Augustin, Essen oder Wuppertal. Vielerorts sind die Haltestreifen gerade in Planung oder in der Diskussion, zum Beispiel in Monheim am Rhein.

Sind Hol- und Bringzonen eine gute Lösung?

Josef Weiß von der Verkehrswacht NRW sagt: Ja. "Sie entlasten die unmittelbare Schulumgebung und bringen dem Kind Bewegung, Erfahrung und Sicherheit."

Verkehrsplaner Leven sieht die Zonen als Teil einer Lösung. Er sagt, es brauche drei Komponenten:

  • Sichere Schulwege (Zebrastreifen und Co)
  • Hol- und Bringzonen
  • Motivierte Kinder durch Belohnungen

Der Druck dürfe nicht vom Ordnungsamt kommen, sagt Leven. "Die Kinder müssen sagen: Ich will nicht mit dem Auto in die Schule gebracht werden."

Stand: 18.12.2018, 10:00

Kommentare zum Thema

28 Kommentare

  • 28 Christian 19.12.2018, 17:55 Uhr

    also ich verstehe das nicht, wenn jemand sein Kind laufen bzw. mit dem Bus fahren lassen will dann soll er das doch bitte tun. Ich glaube hier muss sich keiner vorschreiben lassen wie er das macht. Solange das bei mir passt fahre ich meine Kinder in die Schule, ohne wenn und aber. Was hier rausgehauen wird grenzt an Klugschei..errei, als ob das jemand beurteilen kann wie die Situation bei den Leuten ist. Ewig dieses Gängeln gegen Autofahrer. Wie unten schon gesagt, der öffentliche Nahverkehr ist (FÜR MICH) unflexibel, teuer und unkomfortabel! Und solange das sich nicht ändert bleibe ich beim Auto. Wenn es bei anderen passt dann freut euch, aber lasst die Helikoptereltern in Ruhe. Macht doch mal eine "Statistik zu Unfällen durch Elterntaxis" Dann schauen wir mal weiter. Ich glaube hier bei uns sind mehr Leute durch Unfälle mit Bussen umgekommen als Kinder durch Helikoptereltern.

  • 27 wow 19.12.2018, 15:06 Uhr

    Ich sage als ehemaliger VW MItarbeiter, der sich lange Zeit vor versch. Schulen postiert hat um das Geschehen wirklich verstehen und nachvollziehen zu können. Das bisherige Vorgehen mit Appellen bewirkt nichts, meine Empfehlung wäre die Schulen weiträumig für den Verkehr ab zu riegeln bevor auch nur ein Kind zu Schaden kommt. Mir ist selbstverständlich klar, das solche Massnahmen nicht über Nacht und ohne Finanzspritze der Stadt/Kommune möglich ist. Sonst schlage ich vor die Eltern mit Führerschein an ihre Einsicht/Rücksicht zu erinnern bzw. auf den Paragrahpen 1 der STVO hin zu weisen, bei weiteren Zuwiderhandlungen und Wiederholungen sollten die örtl. Kontrollorgane ein dementsprechend hohes Bussgeld (wie bei dem nicht frei machen der Rettungsgasse) verhängen. Übrigens, die Städtischen Bussfahrer die auch Schulkinder befördern sind nicht besser, denn sie lassen die Kinder oftmals ohne vorgeschriebene Warnblinkanlage aus-und einsteigen. Was muss noch geschehen ??

  • 26 Lieselotte 19.12.2018, 14:57 Uhr

    Dass Kinder kilometerweite Schulwege haben, ist schlichtweg unwahr. Da reicht ein Blick auf einen Stadtplan. Die mit dem Auto gebrachten Kinder an der Schule unseres Jüngsten wohnen oft weniger als 1Km von der Schule entfernt. Es gibt zwar eine solche Hol- und Bringzone, aber leider hilft sie nicht. Leider haben Ordnungsamt und Polizei mehr als genug anderes zu tun. Doch letztendlich helfen da m. E. nur Geldstrafen.

  • 25 fahrende Eltern 19.12.2018, 13:56 Uhr

    Vor Jahren gab uns die Bezirksregierung die Auskunft: Jedem Kind in Köln ist der Besuch jeder Schule in Köln zumutbar. So sehen die Schulwege teilweise aus, wir haben extra einen Zweitwagen. Die weiterführende Schule meines Kindes kann mit 70 Minuten ÖPNV und 2x umsteigen erreicht werden (wenn alle Umstiege passen und kein Anschluss verspätet ist oder ausfällt - in Köln eine riesige Ausnahme). Gegen 16 Uhr ist Schulfrei und irgendwann nach 17:30 Uhr könnte die Nacharbeit des Unterrichts beginnen. Da haben die Verkehrsideologen längst frei. Ich nehme lieber einen Schlenker in Kauf und mein Kind hat einen täglichen Gesamtschulweg von 40 Minuten und nicht von 2:20 Stunden. Die Schule hat auch keine abschließbaren Schulfächer, so dass alles für den Tag mitgebracht werden muss (gefüllte Trinkflasche, Pausenverpflegung, 3x Bücher, 3x Hefte, 3x Schnellhefter für die ausgeteilten Blätter, Mäppchen, ggf. Vokabelheft, Lektüre, Taschenrechner, Sportzeug, irgendwelches Projektgedöns ...).

  • 24 fahrende Eltern 19.12.2018, 13:54 Uhr

    Vor Jahren gab uns die Bezirksregierung die Auskunft: "Jedem Kind in Köln ist der Besuch jeder Schule in Köln zumutbar." So sehen die Schulwege teilweise aus, wir haben extra einen Zweitwagen. Die weiterführende Schule meines Kindes kann mit 70 Minuten ÖPNV und 2x umsteigen erreicht werden (wenn alle Umstiege passen und kein Anschluss verspätet ist oder ausfällt - in Köln eine riesige Ausnahme). Gegen 16 Uhr ist Schulfrei und irgendwann nach 17:30 Uhr könnte die Nacharbeit des Unterrichts beginnen. Da haben die Verkehrsideologen längst frei. Ich nehme lieber einen Schlenker in Kauf und mein Kind hat einen täglichen Gesamtschulweg von 40 Minuten und nicht von 2:20 Stunden. Die Schule hat auch keine abschließbaren Schulfächer, so dass alles für den Tag mitgebracht werden muss (gefüllte Trinkflasche, Pausenverpflegung, 3x Bücher, 3x Hefte, 3x Schnellhefter für die ausgeteilten Blätter, Mäppchen, ggf. Vokabelheft, Lektüre, Taschenrechner, Sportzeug, irgendwelches Projektgedöns ...).

  • 23 alama 19.12.2018, 10:05 Uhr

    Kann die Kritik an den "Elterntaxis" nicht so recht verstehen. Ok, wir haben absolut unfähige Politiker, die nichts für die Zukunft planen können (Stichwort Infrastruktur). Das ist das Eine. Andererseits: als ich klein war gab es in unserem Kaff -zwei- Schulen (mit kurzen Wegen). Heute gibts die Schulen nicht mehr, sondern die Kinder müssen kilometerweit bis zur nächsten Schule laufen. Und das auch noch über viel befahrene Straßen !

  • 22 greeny 19.12.2018, 01:54 Uhr

    Verstehe da die heutigen Eltern schlichtweg nicht. Zu meiner Zeit wurde kaum jemand zur Schule gefahren. Ich war (über) ne halbe Stunde zu Fuß zur Grundschule unterwegs; und das alleine, seit der 1. Klasse.

  • 21 Christian 18.12.2018, 19:41 Uhr

    --- Eine Statistik zu Unfällen durch Elterntaxis gibt es laut Verkehrswacht nicht. --- LOL, für jeden Furz gibt es eine Statistik, nur dafür nicht. --- Schulen, Städte, Elternvertreter und die Polizei sind sich aber einig --- Da bin ich mir sicher! ........ gerade noch mal meine Kinder gefragt, kopfschüttelnd abgelehnt!

  • 20 hø'ø 18.12.2018, 19:02 Uhr

    Statt über Elterntaxis zu schimpfen, sollte man besser dafür sorgen, daß die Kinder sicher zur Schule kommen können und nicht - wie bei uns - Schulbus- und Linienverkehrsfahrten einschränken und Haltestellen vor den Schulen wegrationalisieren. Wenn meine Tochter um 13.40 Schluß hat, kann sie per Bus erst über eine Stunde später zu Hause sein - zu Fuß ist sie schneller. Zudem sollten manche Leute mal eine Schultasche heben - maximal 1/10 des Kindergewichts sollte sie wiegen, aber oft sind 8kg und mehr keine Seltenheit, selbst bei Grundschülern. Liebe Nörgler, nehmen Sie den Bus (falls es einen passenden gibt), oder laufen Sie, wenn ihre Aktentasche 25kg wiegt?

    Antworten (2)
    • Einfache Lösung 19.12.2018, 00:00 Uhr

      Wieso wiegen die Taschen 8 kg? Gibt es keine Stundenpläne mehr, nach welchen sich die Taschen dem Unterricht entsprechend befüllen lassen?

    • hø'ø 19.12.2018, 12:40 Uhr

      Lieber Einfache Lösung, an Grundschulen gibt es tatsächlich den Stundenplan manchmal nur pro forma, es wird gemacht, was den Lehrkräften gerade in den Sinn kommt. Allerdings ist das Gewicht auch bei einem Stundenplan so hoch. Die leere Tasche wiegt schon bis zu 1.5kg, wenn sie nach DIN gefertigt ist. Schulbücher sind auf sehr dichtem Papier gedruckt und entsprechend schwerer als zB Taschenbücher. Ich habe jahrelang mit meiner Tochter zusammen die Schultasche zielgenau gepackt und auch nachgewogen (und zur Schule getragen), darum weiß ich, wie schwer die sind. Ein zierlich gewachsenes Nachbarskind benutzt mittlerweile einen Einkaufsrolli. Doppelte Büchersätze würden hier Abhilfe schaffen - unsere Schule stellt die wichtigsten Bücher wenigstens in der Unterstufe doppelt zur Verfügung.

  • 19 Hanno 18.12.2018, 18:33 Uhr

    Das Elterntaxis für nichts gut sind sollte für jeden normal denkenden Menschen klar sein. Sie sind nicht gut für die Umwelt und sie sind noch schädlicher für unsere Kinder, gleich in mehrfacher Hinsicht. Auf dem Schulweg lernen die Kinder mit dem Verkehr umzugehen, bekommen visuelle Eindrücke vermittelt und können die Zeit mit Ihren Freunden nutzen. Der viel wichtigere Punkt ist aber, hasst ihr Eure Kinder so sehr, dass ihr mit euren stinkenden Verbrennern (besonders SUVs) die Zukunft eurer Kinder zerstört. Wenn ihr heute eure Kinder ins Bett bringt, erklärt ihnen doch mal, warum sie vielleicht in 10 Jahren an Atemwegserkrankungen leiden oder warum sie dann nicht mehr alle beliebige Lebensmittel einkaufen können, weil es zum X.ten male wieder eine Dürreperiode gab. Macht das mal und berichtet die Antworten der Kinder.

  • 18 R. Wingender 18.12.2018, 17:59 Uhr

    Als ich 1969 eingeschult wurde, ging meine Mutter ein paar Tage mit und danach ging's alleine. Mehr als 2 km Schulweg in einer ganzen Gruppe von Kindern. Es hat Spass gemacht und Schulweg war "Spielweg". Wir waren damals nicht so dämlich, uns zusammenfahren zu lassen und die heutigen Kinder könnten das auch, wenn man ihnen nicht ständig den Arsch nachtragen würde. Allerdings war unsere Schule auch noch ein Schule und keine Helikopter-Mami-Einflugschneise. Ich bin für eine "Bannmeile" für Elternfahrzeuge von 500m um die Schule.

    Antworten (3)
    • Christian 18.12.2018, 18:32 Uhr

      Wenn meine Kinder "zur Not" mit dem Bus fahren müssen, machen die 3 Kreuze wenn sie endlich zu Hause sind. Ich auch...hoffe immer, dass die danch noch ihr Handy haben. Nun ja, wir haben nicht mehr das Jahr ´69.

    • K.E. 18.12.2018, 18:36 Uhr

      Sehr geehrte ( er ) Frau oder Herr Wingender, ich wurde 1967 eingeschult und es erging mir ebenso. Man munkelt, daß es zu dieser Zeit sogar Familien gab die kein Auto besaßen. Nun frage ich uns beide: Wie haben wir denn nur die letzten 50 Jahre überlebt. Kein Fernsehen am Morgen, kein Handy, keinen Computer. Nur die üblen Nägel aus Vaters Keller, um eine Bude zu bauen. Was für ein Stress. Schöne Weihnachten.

    • hø'ø 18.12.2018, 19:10 Uhr

      Lieber R.Wingender, ich wurde ein Jahr früher eingeschult, ging dann zunächst ebenfalls ca. 2km jedenTag. wurde dann mit dem Schulbus transportiert in eine zentrale Grundschule, zog dann um und hatte die Grundschule vor der Haustür, und kam dann aufs Gymnasium. Täglich 2 mal 10km Busstrecke und 2 mal 15min Fußweg (1km hoch / runter). Wenn ich 5 Stunden hatte, mußte ich auch noch 2km ab Endstation nach Hause laufen, da kein Bus bis ins Dorf fuhr. Nach der 6. Stunde, die um 13:05 fertig war, brauchte ich eine Stunde nach Hause. Bei Nachmittagsunterricht mußte ich in der Schule bleiben, ohne Mensa oder ähnlichen neumodischen Schnickschnack. Ich habe das gehaßt. Der Schulweg war keineswegs "Spielweg", der war purer Streß in übervollen Bussen. Ich war heilfroh, als ich endlich mein erstes Moped hatte und von den Bussen unabhängig war.

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