"Die Welt stand still": Darum werden wir den 11. September nie vergessen

Tischkalender mit dem Datum 11. September

"Die Welt stand still": Darum werden wir den 11. September nie vergessen

Es gibt Ereignisse, die erschüttern uns bis tief ins Mark, obwohl wir persönlich nicht betroffen sind. Dazu gehören die Terroranschläge vom 11. September 2001. Menschen in NRW erinnern sich.

Von Susanne Schnabel

Es war ein sonniger Tag vor 20 Jahren, als die USA von den schlimmsten Terroranschlägen ihrer Geschichte erschüttert wurden. Viele wissen, wo sie am 11. September 2001 gewesen sind. Menschen aus Mönchengladbach erzählen, was sie an diesem Tag besonders bewegt hat.

Wladimir Hroysman ist heute 32 Jahre alt. Damals lebte er noch in der Ukraine. "Ich habe die Nachrichten im Fernsehen gesehen und fand das beängstigend. Es war totales Chaos", erinnert sich Hroysman. Mit zwölf Jahren habe man noch keine Ahnung von Politik, sagt er, "aber heute mit 32 Jahren stelle ich kritische Fragen: Was steckte dahinter? Immerhin ist danach Krieg ausgebrochen. Vieles ist noch ungeklärt."

Am schlimmsten fand Wladimir Hroysman als Kind die Aufnahmen, als Flug 175 der United Airlines in den südlichen Tower des World Trade Centers flog. Die Bilder wurden in Dauerschleife im Fernsehen gezeigt.

Jochen Büttner, 65 Jahre alt, war vor 20 Jahren Musikschullehrer in Neuss. "Aus dem Sekretariat kam die Nachricht, dass etwas Furchtbares passiert ist. An Unterricht war an diesem Tag nicht mehr zu denken. Wir haben viel mit den Schülerinnen und Schülern gesprochen", erinnert sich Büttner.

Nach Feierabend hat Jochen Büttner zu Hause den ganzen Abend noch Fernsehen geschaut. Büttner: "Ich werde nie vergessen, wie die Türme eingestürzt sind und wie die Menschen reagiert haben: Einige sind wie paralysiert stehen geblieben, andere sind weggerannt."

"Ein Kollege sagte, als er die Bilder im Fernsehen sah, das gebe Krieg", erinnert sich Jochen Büttner. Dieser Kollege sollte recht behalten: Der damalige US-Präsident George W. Bush - hier in dem Moment, als er von den Anschlägen erfährt - kündigte Vergeltung an, den "Krieg gegen den Terrorismus". Auf den Einmarsch in Afghanistan, wo die Taliban Al-Kaida Unterschlupf gewährt hatten, folgte 2003 der Einmarsch im Irak.

Sandra Gaffron (52) war am 11. September zu Hause und bekam einen Anruf von ihrer Mutter, sie solle den Fernseher einschalten. "Abends gab es eine Veranstaltung im Kindergarten für die Eltern. Die haben wir stattfinden lassen. Wir haben natürlich nur über das Attentat gesprochen. Es tut gut, in solchen Momenten mit Menschen zu reden", sagt Sandra Gaffron.

Die Mönchengladbacherin war froh, dass die Erzieherinnen in den Tagen nach dem Attentat die Vorkommnisse spielerisch mit den Kindergartenkindern aufgegriffen haben. "Viele haben die Szenen im Fernsehen gesehen." In den USA verloren rund 3.000 Menschen am 11. September 2001 ihr Leben. Kinder auf der ganzen Welt konnten die Geschehnisse nicht verarbeiten, hatten Schlafstörungen und Angstkomplexe.

"Ich war mit einem guten Freund auf dem Golfplatz. Wir merkten, es kam Unruhe auf, beendeten das Spiel, und im Clubhaus liefen schon die Bilder im Fernsehen", erzählt Christian Gaffron, 59 Jahre alt. Erstmals erlebte ein weltweites Publikum eine Katastrophe live - Millionen Zuschauer waren zugeschaltet, als in Amerika Tausende Menschen starben.

ARD, ZDF und RTL unterbrachen ihr Programm und berichteten live von den Ereignissen. Das war eine Herausforderung für die Nachrichtenredaktionen: Sie mussten die undurchsichtige Lage analysieren und geeignete Gesprächspartner sowie Korrespondenten zuschalten. Christian Gaffron hat damals die Berichterstattung von RTL am besten gefallen.

"Ich hatte das Gefühl, die Welt stand still", sagt Eugenio Moralo, 45 Jahre alt. Er war 2001 beruflich in Mexiko. "An diesem Tag hat niemand mehr gearbeitet. Wir wurden alle nach Hause geschickt", so der Familienvater – hier mit seiner Frau Michaela und der gemeinsamen Tochter Anna. "Ich dachte zunächst, im Fernseher zeigen sie den Trailer für den neuen Spiderman-Film, denn der lief zu der Zeit in den Kinos an."

"Zwei Bilder der Berichterstattung sind mir sehr in Erinnerung geblieben: die Menschen, die in ihrer Verzweiflung vom Dach der Türme in den Tod gesprungen sind, und die Feuerwehrleute, die nach ihrem Einsatz völlig fertig waren", erinnert sich Eugenio Moralo. Mehr als 300 Feuerwehrleute und Polizisten haben ihren Rettungseinsatz am World Trade Center am 11. September 2001 mit dem Leben bezahlt.

Der Niederländer Hans Milsbeek (61) kann sich an jedes Detail erinnern: "Ich lag bei meiner damaligen Freundin auf der Couch und schaute Fernsehen. Ich dachte, warum zeigen die um diese Zeit solche Gewaltfilme? Irgendwann habe ich verstanden, dass das die Realität ist. Es war so surreal." Milsbeek dachte, der dritte Weltkrieg bricht aus, telefonierte an dem Tag viel mit Freunden. "Ich lebte damals sehr ländlich in Goch. Ich war froh, dass ich nicht in einer Stadt wohnte. Ich hatte wirklich ein mulmiges Gefühl."

Ein paar Jahre vor dem Terroranschlag hatte Hans Milsbeek das World Trade Center besucht und war beeindruckt von der Architektur. Er ist Bauingenieur und befürchtete am Tag der Anschläge beim Anblick der brennenden Türme, dass sie einstürzen werden. Und genauso kam es: 200.000 Tonnen Stahl und jeweils 110 Stockwerke verschwanden in einer Rauchwolke.

Jasmin Kreis war am Tag des Attentates neun Jahre alt. "Ich saß an meinem Schreibtisch in meinem Kinderzimmer und habe im Radio die Meldungen gehört. Dann bin ich irgendwann ins Wohnzimmer zu meinen Eltern gegangen, wo schon der Fernseher lief", so die heute 29-Jährige. "Ich wusste zwar, dass etwas Schlimmes passiert war, aber welches Ausmaß der Anschlag gehabt hat, konnte ich als Kind nicht abschätzen."

Menschen aus 92 Ländern wurden Opfer der Terroranschläge. Und das Sterben ging weiter. Vor allem Ersthelfer haben damals große Mengen giftigen Staubs eingeatmet. Viele von ihnen sind an Krebs erkrankt. An den Spätfolgen sind inzwischen mehr Menschen gestorben als bei den Anschlägen selbst.

Stand: 11.09.2021, 21:31

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