Was bringt die Elektronische Patientenakte?

Elektronische Patientenakten - Chance oder Risiko?

Was bringt die Elektronische Patientenakte?

Von Katja Goebel

  • Digitale Patientenakte kommt 2021
  • Diagnosen und Behandlungen auf einen Klick
  • Patientenseinsicht per App
  • Kritiker fürchten Datenmissbrauch

Wichtige Etappe auf dem Weg zur elektronischen Patientenakte: Der Bundestag beschließt am Freitag (03.07.2020) das sogenannte Patientendaten-Schutz-Gesetz und macht so den Weg zur weiteren Digitalisierung im Gesundheitswesen frei. Ab 2021 können alle gesetzlich Versicherten unter anderem eine elektronische Patientenakte ihrer Krankenkassen erhalten.

Was bringt die elektronische Patientenakte?

Welche Medikamente nimmt ein Patient, welche Vorerkrankungen hat er, wie sind seine Blutwerte, wie verliefen frühere Behandlungen? Viele Informationen, die bislang in den Aktenordnern der Arztpraxen stehen, könnten ab 2021 in der elektronischen Patientenakte zu finden sein. Dort werden Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte oder Medikationspläne gespeichert - sofern der Patient dies wünscht. Die Nutzung ist freiwillig.

Ab 2022 lassen sich darin auch der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahn-Bonusheft speichern.

Elektronische Patientenakte: "Wenig überzeugend"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.07.2020 07:47 Min. Verfügbar bis 02.07.2021 WDR 5


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Versicherte können in einer App selbst sehen, welche Daten gespeichert werden. Ab 2022 könne der Patient laut Gesundheitsministerium außerdem entscheiden, welche Daten er löschen möchte oder wer auf die Akte noch zugreifen kann. Ohne Zustimmung des Patienten können Ärzte nicht in die Akte blicken.

Ab 2023 haben Versicherte die Möglichkeit, die abgelegten Daten im Rahmen einer Datenspende freiwillig der Forschung zur Verfügung zu stellen.

Welche Vorteile hat das für Patienten und Ärzte?

Durch die Elektronische Gesundheitsakte sind Hausarzt, Facharzt oder Krankenhaus alle auf dem gleichen Informationsstand. Arztbriefe auf Papier werden überflüssig, Röntgenbilder müssen nicht mehr hin- und hergetragen werden und Medikamentenverordnungen sind für alle einsehbar.

Laptop zeigt Röntgenbild

Sucht ein Patient einen anderen Arzt auf, liegen die Informationen über ihn bereits auf einen Klick vor. Doppeluntersuchungen sollen so vermieden werden. Alles, was ein Arzt am Anfang einer Untersuchung abfragt, liegt dann schon gebündelt vor. Auch riskante Medikamentenkombinationen können sofort erkannt werden.

Die Daten werden außerdem auch für den Patienten transparent, weil er selbst auf sie zugreifen kann.

Was sagen die Kritiker?

Datenschützer warnen seit Langem vor dem gläsernen Patienten. Mit der elektronischen Patientenakte sollen Informationen gebündelt werden. Das kann aber auch sensible Daten betreffen, etwa den positiven HIV-Test, den Befund einer psychiatrischen Behandlung oder Informationen über eine Abtreibung.

Die Angst vor Datenmissbrauch sitzt tief. In den USA wurden vor einigen Jahren die Daten von 120 Millionen Patienten gehackt. Informationen über jeden dritten Amerikaner sind damit auf dem Schwarzmarkt.

Kritik kommt auch vom Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber. Er moniert, dass nicht jeder ab 2021 seine eigene elektronische Patientenakte einsehen kann. Wer nämlich kein entsprechendes mobiles Gerät besitzt, könne die Akte zwar in einer Filiale der Krankenkasse einsehen, die bieten den Service aber erst ab 2022 verpflichtend an.

Die Bundestherapeutenkammer (BPtK) hält die geplante Version der Akte für "unausgereift". Patienten brauchten von Anfang an, die Hoheit über ihrer Daten. "Bisher kann psychisch kranken Menschen nicht empfohlen werden, die Patientenakte zu nutzen", so BPtk-Präsident Dietrich Munz.

Stand: 03.07.2020, 06:00

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