Justizminister: Elektrogeräte sollen länger halten

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Justizminister: Elektrogeräte sollen länger halten

  • Justizminister wollen längere Produkt-Haltbarkeit
  • Idee: Längere Gewährleistung
  • Laut Herstellern regelt der Markt die Qualität

Handys, Staubsauger oder Kaffeemaschinen, die schon bald nach dem Kauf kaputt gehen und kein Umtausch möglich ist – das soll nach dem Wunsch der Justizminister der Länder bald der Vergangenheit angehören. Mit zehn zu sechs Stimmen sprachen sie sich am Donnerstag (07.11.2019) auf ihrer Herbsttagung dafür aus, mit Aussicht auf eine Gesetzesänderung dem Thema auf den Grund zu gehen.

Unter Federführung von Nordrhein-Westfalen wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. Justizminister Peter Biesenbach (CDU) ist das Thema wichtig: "Alltagshelfer wie Waschmaschine, Radio, Fön landen häufig schnell im Müll, weil ihre Lebensdauer kurz ist. Das hat nicht nur negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt, sondern ist auch für Verbraucher häufig ein Ärgernis", sagte er dem WDR.

Längere Gewährleistung bei Elektrogeräten? WDR aktuell 08.11.2019 Verfügbar bis 15.11.2019 WDR Von Anke Kutz

Der Plan: Längere Gewährleistung

Die Initiative geht auf den Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) zurück. "Jeder ärgert sich, wenn Elektrogeräte schon nach kurzer Zeit den Geist aufgeben. Das ist oft kein Pech, sondern technisch so geplant", sagte Steffen.

Sein Plan: Über eine Gesetzesinitiative sollen Hersteller zu einer längeren Gewährleistung verpflichtet werden. Dann würden sie die Geräte höherwertiger produzieren, so dass sie länger halten, hofft Steffen.

Fast neu und schon kaputt – Das kurze Leben der Elektrogeräte Planet Wissen 02.01.2017 58:39 Min. Verfügbar bis 02.01.2022 WDR

Auch Beweislastumkehr geplant

Die am Donnerstag diskutierte Beschlussvorlage sieht unter anderem vor, dass "die Beweislastumkehr für die Mangelfreiheit bei Verbrauchsgüterkäufen auf zwei Jahre ausgedehnt" wird. Bedeutet: Tritt ein Fehler innerhalb dieser Zeit auf, gilt per Gesetz die Vermutung, dass der Fehler schon von Anfang an vorgelegen hat.

Behauptet der Verkäufer das Gegenteil, muss er dies beweisen. Bislang beträgt diese Frist nur sechs Monate. "Ferner sollten die Gewährleistungsfristen, jedenfalls für langlebige neue Produkte, über zwei Jahre hinaus verlängert werden", heißt es in der Vorlage.

Elektroschrott: "Gewährleistung verlängern!"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 02.10.2019 02:05 Min. Verfügbar bis 01.10.2020 WDR 5 Von Holger Beckmann

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Entscheiden müsste der Bundestag

Gewährleistungen regelt das Bürgerliche Gesetzbuch. Falls die Justizminister tatsächlich ein Gesetzgebungsverfahren auf den Weg bringen sollten, müsste letztlich der Bundestag über einen Entwurf entscheiden.

Hersteller: Markt regelt Qualität

Hersteller argumentieren: Höherwertige Produkte werden längst hergestellt - viele Verbraucher kaufen aber lieber günstigere und damit minderwertigere Geräte. Der Markt regelt also die Qualität. Würde es tatsächlich zu längeren Gewährleistungsfristen kommen, müssten Verbraucher demnach für neue Geräte tiefer in die Tasche greifen.

Stand: 07.11.2019, 14:20

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Uwe 07.11.2019, 20:44 Uhr

    ich habes in den letzten Jahrzenten öfters erlebt, dass neue Geräte nicht mehr lange leben. Ein Beispiel: Meine erste Videorkorder hielt 10 Jahre, der zweite 2,5 Jahre und er dritte nur noch ein Jahr. Allerdings sind in meinem Haushalt auch Geräte, die schon lange im Dienst sind u.a. eine Mikrowelle ist schon ca. 25 Jahre im täglichen Dienst und ein Festplattenrekorder schon 12 Jahre... Leider höre ich oft von Geräten, die vom Werk aus so eingestellt sind, dass sie zu einem bestimmten Datum eine Fehlermeldung produzieren, da dann nur noch entsorgt werden kann, obwohl der Rest einwandfrei funktioniert. Anscheinend sollen wir Benutzer immer neue Geräte kaufen. Es wird Zeit, einen Riegel davor zu schieben. Hersteller müssten eine hohe Strafe zahlen, wenn offensichtlich der ,Tod' eines Gerätes bei der Herstellung vorprogrammiert wurde.

  • 5 Schwimma 07.11.2019, 19:09 Uhr

    mein Hifiverstärker wird diesen Monat 30, der Plattenspieler 35 jahre beide zusammen haben ca 1400DM gekostet, also nix wildes. OK sie wurden immer gnutzt und lagen nicht Jahrzehnte auf dem Dachboden.. Letzter Röhrenfernseher ( 1900€!!) schaffte gerade mal 12 jahre, der erste Smart TV (900€) nur noch knapp 5 Ich sage: Teurer Schrott Ersatzteilversorgung nicht vorhanden!

  • 4 Achim 07.11.2019, 16:58 Uhr

    Die Industrie lügt uns seit mittlerweilen über 20 Jahren vor, dass Elektrogeräte bei normaler Nutzung länger als z.B. 5 Jahre halten. Aber gerade im IT-Bereich Z.B. Monitore und Drucker, aber auch smartphones und Haushaltsgeräte, sind teilweise von den unterdimensionierten Bauteilen auf eine Haltbarkeit, von wenigen Jahren ausgelegt. Das gilt vorallem für Produkte aus dem Discounter, Marken nenne ich jetzt nicht. Da heiß es offt billig einkaufen und nach spätestens 3 Jahren neu kaufen. Das ist vor allem gut für den Klimaschutz und die Umwelt. Wo landet eigentlich der ganze Elektro-Schrott aus Deutschland? Teilweise in Afrika und anderen armen Staaten. Also muß auch die Bundesregierung, welche z.B. 200000 Infobroschüren (zum Thema Klimaschutz) nicht klimaneutral in ganz Deutschland verschicken lässt, aufhören den Bürger zu verarschen.

  • 3 Heinzb aus nrw 07.11.2019, 16:10 Uhr

    Das wäre nicht schlecht und auch notwendig , denn teilweise wird heute produziert , damit die Geräte die zur Zeit 6 Monate Gewährleistung überleben . Selbiges bei Schuhen , wir wir es erlebt haben als Eltern von 3 Kindern . Aber bei den vielen Rechtsanwälten als Mitglieder des Bundestages werden es wohl zu verhindern wissen , um ihre Berufskollegen nicht Brotlos machen wollen . Zumal damals war die Rede von Garanie und auf Initiative der produzierenden Industrie wurde die Gewährleistung mit der Beweisumkehr eingeführt , erst dadurch wurde der kurzlebige Mist produziert.

  • 2 Noch ein Aachener 07.11.2019, 15:31 Uhr

    Die Ausdehnung der Beweislastumkehr von 6 auf 24 Monate ist wesentlich wichtiger, als die Ausdehnung der Gewährleistungsfrist. Seriöse Hersteller von hochwertigen Produkten handhaben es heute schon so, ob etwas nach 4 oder 14 Monaten streikt, macht da keinen Unterschied. Bei vielen Billigbuden sieht es anders aus: "Vor 7 Monaten gekauft? Beweisen Sie uns per Gutachten von mindestens drei verschiedenen Sachkundigen, dass der Fehler schon beim Kauf vorlag, dann sehen wir weiter, eher passiert hier gar nichts." Und bevor man sich den Ärger antut, kauft man einfach neuen Schrott.

  • 1 Frank 07.11.2019, 15:30 Uhr

    Was für ein Blödsinn, höherwertige Geräte wären längst auf dem Markt, würden aber nicht gekauft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die teuren Geräte genauso schnell kaputtgehen wie die billigen, Wasserkocher und Mixer von Krupps (werden anscheinend nur noch in China hergestellt), Staubsauger von Hoover, alles Geräte, die bei mir kurz nach Ablauf der Garantie kaputtgegangen sind. Ich habe dagegen uralte Billig-Geräte, die noch immer halten. Es scheint doch eher so, dass alles, was in den letzten 10, 15 Jahren produziert wurde, nicht mehr hält.

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