Nach Polizeieinsatz: Präses schreibt Innenminister Reul

Polizei Hamm stoppt Pilgergruppe für Klimaschutz

Nach Polizeieinsatz: Präses schreibt Innenminister Reul

Von Philip Raillon

Die Polizei Hamm hatte am Freitag eine Pilgergruppe gestoppt - dabei wurde eine Pilgerin verletzt. Der Präses der evangelischen Kirche Rheinland hat sich darüber nun bei NRW-Innenminister Reul beschwert.

Sie hätten gerade das "Vater unser" gesprochen, als die Polizei eingeschritten sei, schildert eine Mitorganisatorin den Vorfall von Freitagmittag. Die zwanzig Christen waren in Hamm von der Polizei gestoppt worden. Bei einem Gerangel wurde dann eine Pilgerin verletzt.

Das beschäftigt nun die Landespolitik, nachdem der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, sich am Wochenende persönlich an NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gewandt hat. Das bestätigte das Innenministerium dem WDR.

Mit Andachten gegen den Klimawandel

Der Präses sieht offenbar durch den Polizeieinsatz die Religionsfreiheit verletzt. Denn die Beamten hatten Freitagmittag in Hamm eine Gruppe von zwanzig Christen gestoppt. Die ziehen seit Anfang Juli mit einem großen, gelben Kreuz von Gorleben nach Garzweiler.

Polizei Hamm stoppt Pilgergruppe für Klimaschutz

Dabei wollen sie mit Andachten und Gottesdiensten auf den Klimawandel aufmerksam machen. Sie fordern ein Ende der Braunkohle. Deshalb hatte die Polizei die Gruppe als politische Versammlung eingestuft.

Hochwasser: "NRW tut am meisten gegen den Klimawandel"

WDR 5 Mittagsecho 16.07.2021 05:23 Min. Verfügbar bis 16.07.2022 WDR 5


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Polizei soll Hundertschaft und Pfefferspray angedroht haben

Das wollten die Pilger nicht akzeptieren. Sie seien eine religiöse Gruppe, die nicht unter das Versammlungsrecht falle. Die Situation spitzte sich dann offenbar am Freitagmittag zu, die Beamten hätten Pfefferspray und eine Hundertschaft angedroht, sagte Mitorganisatorin Negen Jansen.

Es sei dann zu einem Gerangel gekommen, bei dem sich eine Pilgerin am Kopf verletzte. Die Polizei habe einen Krankenwagen aber abgelehnt. Im Internet kursiert ein Video von dieser Situation.

Polizei kündigt Überprüfung des Einsatzes an

Dennoch bestreitet die Polizei in Hamm diesen Vorwurf. Der Einsatzleiter habe mehrfach angeboten, einen Rettungswagen zu rufen. Nach Rücksprache mit dem Innenministerium ordnet die Polizei die Pilgergruppe weiter als Versammlung ein.

Allerdings soll der Einsatz in den kommenden Tagen noch einmal überprüft werden. Insbesondere, ob die Zwangsmaßnahmen, bei denen es zu dem Gerangel kam, angemessen waren.

Die Pilger wollen keine Anzeige erstatten. Sie hoffen aber, dass die Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen die Polizeibeamten eingestellt werden. Der Fall dürfte am Montag in Düsseldorf weiter Thema sein. Die Pilger gehen derweil ihren Kreuzweg weiter.

Stand: 25.07.2021, 19:28

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