Verseuchte Eier: Was Verbraucher wissen müssen

Verseuchte Eier: Was Verbraucher wissen müssen

  • Welche Gefahr besteht für Verbraucher?
  • Sind auch NRW-Eierproduzenten betroffen?
  • Fragen und Antworten zum Skandal.

Was ist Fipronil?

Das Mittel Fipronil kommt als Pflanzenschutzmittel oder in der Veterinärmedizin zum Schutz von Hunden vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. Der in den 1980er Jahren in Frankreich entwickelte Wirkstoff ist allerdings nicht nur für Zecken und Flöhe, sondern auch für Honigbienen in hohem Maße giftig. 2013 hat die Europäische Union daher beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden.

"Die Anwendung bei lebensmittellieferden Tieren ist nicht erlaubt", teilte das NRW-Verbraucherministerium mit.

Was müssen Verbraucher beachten?

"Wer in Deutschland Eier gekauft hat, sollte in den Kühlschrank gucken und die Herkunftsbezeichnung überprüfen", sagte Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale NRW am Mittwoch dem WDR. Falls eine der vier bislang bekannten Stempel - 0-NL 4392501, 0-NL 4385501, 1-NL 4128604, 1-NL 4286001 - aufgedruckt seien, sollten die Eier zurück in den Handel gebracht werden. "Dort erhalten die Verbraucher ihr Geld zurück."

Am Mittwochabend ergänzte das NRW-Verbraucherschutzministerium die Liste aufgrund von eigenen Kontrollen. Auch Eier mit den Stempeln 2-NL-4322402, 1-NL-4322401, 0-NL-4170101, 1-NL-4339301, 1-NL-4385701 und 1-NL-4331901 seien stark belastet und sollten auf keinen Fall verzehrt werden. Am Donnerstag aktualisierte das Bundesamt für Verbraucherschutz seine Warnungen mit den deutschen Chargennummern 1-DE-0357731, 1-DE-0358001und 0-DE-0360521. Unter "lebensmittelwarnung.de" gibt es eine ständig aktualisierte Liste mit den betroffenen Chargen.

Warnung vor mit Insektizid verseuchten Eiern

WDR 2 | 02.08.2017 | 03:19 Min.

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Das NRW-Verbraucherministerium geht laut Ministeriumssprecher Wilhelm Deitermann davon aus, dass noch mehr Stempelaufdrucke dazu kommen. Aus den Niederlanden würden derzeit weitere betroffene Nummern-Codes an die deutschen Behörden weitergeleitet. "Wir haben ein eigenes Monitoring für die Packstationen in NRW auf den Weg gebracht und überprüfen die Aufdrucke der dortigen Eier." Erste Ergebnisse seien in einigen Tagen zu erwarten. Schon am Mittwoch gab es Reaktionen aus dem Einzelhandel: Der Rewe-Konzern wird vorerst keine niederländischen Eier in seinen Supermärkten verkaufen. Der Bann gilt auch für die Konzerntochter Penny.

Wer als Verbraucher am Wochenende in den Niederlanden Eier gekauft hat, kann auf der Seite des Niederländischen Wirtschaftministeriums die Stempelaufdrucke überprüfen. Insbesondere warnen die niederländischen Behörden vor dem Verzehr von Eiern mit den Chargennummern x-NL-40155xx (x steht dabei für alle Zahlen von 0 bis 9). Diese Eier seien so stark belastet, dass der Verzehr eine akute Gesundheitsgefahr mit sich bringen könne, so die Warnung.

Sind auch Bio-Eier belastet?

Die in NRW verkauften niederländischen Eier stammen von zwei Bio- und zwei Freilandhöfen. Das ist jeweils an der ersten Ziffer der Stempelaufdrucke erkennbar. Eine 0 steht für Ökologische Erzeugung, eine 1 steht für Freilandhaltung.

Was passiert, wenn man Eier mit Fipronil-Spuren isst?

Vermutlich nichts. Die derzeit gemessenen Fipronil-Werte der Eier sind nicht sehr hoch: "Für Erwachsene ist das noch nicht gefährlich", sagte eine Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Wegen Analyseergebnissen in Belgien hatte das BfR allerdings vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder beim Verzehr der Eier gewarnt. Auf Basis europäischer Verzehrsdaten für Kinder ergibt sich demnach eine Überschreitung der sogenannten akuten Referenzdosis (ARfD) bis um das 1,6-Fache bei den betroffenen Hühnereiern. Dies gilt aber nur bei dem höchsten Wert, der in Belgien gemessen wurde.

In höheren Dosen kann Fipronil bei Menschen Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

Die Ergebnisse vom Landwirtschaftsministerium NRW

Es wurden in Nordrhein-Westfalen folgende eihaltigen Lebensmittel auf Fipronil untersucht. Nicht einbezogen wurden Eiprodukte, wie Flüssigei oder Eierlikör-Vorstufen, die noch weiterverarbeitet werden. Mayonnaisen und vergleichbare Produkte: 63 Proben untersucht, 1 Probe (Remoulade) mit einem gesicherten Gehalt von 0,008 mg/kg Fipronil Nudeln: 56 Proben untersucht, 1 Probe (Gabelspaghetti) mit einem gesicherten Gehalt von 0,037 mg/kg Fipronil feine Backwaren: 52 Proben untersucht, 2 Proben (Bisquitrolle, Bisquittortenboden) mit gesicherten Gehalten an Fipronil von jeweils 0,006 mg/kg Eierliköre und Produktvorstufen: 62 Proben untersucht, 5 Proben mit gesicherten Gehalten an Fipronil von 0,006, zweimal 0,009, 0,017 und 0,018 mg/kg.

Nur wenn der Gehalt im Endprodukt so hoch ist, dass ein gesundheitliches Risiko nicht mehr ausgeschlossen werden kann, kann ein öffentlicher Rückruf erfolgen. Das war bei keinem der untersuchten Lebensmittel der Fall. Allerdings wurden alle Lebensmittel, die gesichert einen Fipronilgehalt oberhalb von 0,005 mg/kg aufgewiesen haben, von den Herstellern vom Markt genommen. Da durch die Probenahmen und Untersuchungen nicht alle am Markt befindlichen Erzeugnisse der vorgenannten Produktgruppen überprüft werden konnten und weil kein Gesundheitsrisiko besteht, bitten wir um Ihr Verständnis, dass es nicht angemessen wäre (und auch keine Rechtsgrundlage dazu besteht), konkrete Erzeugnisse zu nennen.