Alternativen zum Töten männlicher Küken

Eier: Früherkennung statt Kükentöten? Servicezeit 02.04.2019 04:08 Min. UT Verfügbar bis 02.04.2020 WDR Von Klaus Kuderer

Alternativen zum Töten männlicher Küken

  • "Ohne Kükentöten" - so oder ähnlich werben Eier-Produzenten
  • Noch sind das nur Nischen-Angebote
  • Tierwohl kostet etwas mehr

Die Bilder sind schwer erträglich: Flauschige Küken sitzen eng gedrängt auf einem Fließband. Die weiblichen Tiere werden aussortiert, die männlichen Küken fallen hinunter - und werden mit Gas getötet.

In Deutschland werden pro Jahr rund 50 Millionen männliche Küken getötet, sagt Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale NRW. Weil sie weder Eier legen, noch schnell Fleisch ansetzen könnten, seien sie wirtschaftlich uninteressant.

Wenige bleiben am Leben

"Die große Mehrheit der Erzeuger tötet männliche Küken", sagt Christian Ippach vom Magazin Ökotest. "Das gilt sowohl für konventionelle Eier, aber auch für Bio-Eier." Das habe ein Test von 20 Eiersorten ergeben, die in Supermärkten, Discountern und Bioläden verkauft werden. Bei nur einem Fünftel der getesteten Eier seien keine männlichen Küken getötet worden.

Spätere Schlachtung

Ohne das Töten männlicher Küken kommt zum Beispiel die Firma Alnatura aus. Die überlebenden Tiere werden aufgezogen und später, im Alter von drei bis fünf Monate, geschlachtet.

Aus dem Fleisch der jungen Hähne werde vor allem Hühnersuppe gemacht, sagt Volker Laengenfelder von Alnatura. "Wir haben auch schon neue Produkte entwickelt, zum Beispiel ein Babygläschen mit Bruderhahnfleisch."

Zweifache Nutzung

Die Aufzucht der sogenannten Brüderhähne wird über den Eierverkauf ihrer Legehennen-Schwestern mitfinanziert. Dadurch sind diese Eier teurer: pro Stück etwa zwei bis vier Cent mehr.

Solche Initiativen hält Christiane Kunzel von der NRW-Verbraucherzentrale für sinnvoll. Noch besser seien die Zwei-Nutzungs-Hühner - alte Rassen, die wieder gezüchtet werden. "Die alten Rassen haben den Vorteil, dass da tatsächlich die männlichen Tiere noch Fleisch ansetzen und die weiblichen Tiere die Eier legen", sagt sie.

Geschlechtsbestimmung im Ei

Das Unternehmen Rewe nutzt ein anderes Verfahren. Für eine bestimmte Eiersorte werden keine geschlüpften Küken, sondern Kükenembryonen getötet. Bereits im Brutei wird mithilfe von Lasertechnik das Geschlecht der Tiere bestimmt. "Aus den männlichen Bruteiern machen wir Futtermittel, die weiblichen Bruteier gehen zurück in den Brutschrank", sagt Ludger Breloh, Geschäftsführer der Seleggt GmbH und Rewe-Manager.

Tierwohl nicht kostenlos

Noch sei der Markt für Eier, für die keine Küken getötet werden, eine Nische, sagt Christiane Kunzel von der NRW-Verbraucherzentrale. Sie hofft aber, dass sich das bald ändert.

Allerdings: Tierwohl bekomme man nicht zum Nulltarif. Die Kunden müssten bereit sein, mehr Geld auszugeben.

Stand: 18.04.2019, 06:00

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