Trotz Anfeindungen: Ehrenamt beliebter denn je

Trotz Anfeindungen: Ehrenamt beliebter denn je

Von Jörn Kießler

  • Zahl der Ehrenamtler in NRW gestiegen
  • Freiwilliges Engagement nutzt einem auch selbst
  • Dennoch müssen Organisationen mehr tun

Angepöbelt, angespuckt, angegriffen: Immer häufiger kommt es zu Übergriffen auf Menschen, die sich freiwillig engagieren - das ist Thema der Live-Sendung "Ihre Meinung" am Donnerstag (13.02.2020) im Barmer Bahnhof in Wuppertal.

Trotz dieser Angriffe steigt seit Jahren die Zahl der Menschen, die ein Ehrenamt ausüben. Aus gutem Grund.

Warum übe ich ein Ehrenamt aus?

"Es gibt drei Haupttypen von Menschen, die sich enagagieren", sagt Stefan Rieker. "Der erste sind die Überzeugten, Einmischer und Weltverbesserer, der zweite die Geselligen und Traditionsbewussten und zum dritten gehören die sogenannten Entdecker und Selbstverwirklicher", erklärt der Fachreferent für Bürgerschaftliches Engagement des Paritätischen NRW.

Die einen treten für ihre Werte ein, den anderen sei der soziale Aspekt wichtig, so Rieker. "Und der dritte Typ will etwas lernen und seine Kompetenz erweitern."

Der Anteil der Traditionsbewussten werde jedoch immer kleiner, sagt der Psychologe Prof. Theo Wehner von der ETH Zürich. "Dafür engagieren sich immer mehr freiwillig, weil sie ein Statement setzen wollen."

Dennoch wollen laut Rieker immer weniger Menschen ein Amt mit viel Verantwortung übernehmen, zum Beispiel im Vorstand eines Vereins.

Was bringt mir ein Ehrenamt?

Neben dem eigentlichen Zweck der Organisation fänden Ehrenamtler auch viele Aspekte, die sie selbst weiterbringen würden, sagt Rieker: "Man lernt neue Menschen kennen, die man so vielleicht nicht getroffen hätte, erlebt Gemeinschaft."

Gleichzeitig kann ein Ehrenamt auch eine Investition sein. "Zum Beispiel in die eigene Karriere, wenn man sich in einer Gewerkschaft engagiert", sagt Prof. Thomas Bauer vom Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Bochum. "Oder in die eigenen Kinder, wenn man freiwillig in der Kita mitarbeitet."

Auch im Lebenslauf einer Bewerbung machten sich mehrere Jahre freiwilliges Engagement oder ein soziales Jahr im Ausland gut, sagt Psychologe Wehner. "Die meisten Menschen bringen sich aus sogenannten multifaktoriellen Gründen ehrenamtlich ein. Sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben, aber auch selbst einen Nutzen daraus ziehen."

Dennoch gebe es auch immer noch Menschen, die sich aus gesellschaftlichem Druck engagierten - gerade auf dem Land "Dort kann man sich nicht verstecken", sagt Bauer.

Stand: 13.02.2020, 13:05

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