Warum so viele Unternehmen keine EEG-Umlage zahlen

Warum so viele Unternehmen keine EEG-Umlage zahlen

Von Sascha Schwarz

  • Im neuen Jahr steigt die EEG-Umlage
  • Viele Unternehmen sind von der Zahlung teilweise befreit
  • Kein Anreiz zum Stromsparen

Am 1. Januar wird Strom zunächst teurer. Der Grund: Die EEG-Umlage steigt um gut fünf Prozent. 2021 soll die Umlage dann zwar deutlich sinken. Allerdings wird gleichzeitig ein Preis für CO2 eingeführt. Und: Dank großzügiger Ausnahmeregeln sind Jahr für Jahr mehr Unternehmen von der vollen Umlage befreit. Die Hintergründe.

Im neuen Jahr steigt die EEG-Umlage

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 30.12.2019 03:47 Min. Verfügbar bis 29.12.2020 WDR 5 Von WDR5

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Was ist eigentlich die EEG-Umlage?

Die EEG-Umlage ist ein Teil des Strompreises. Mit ihr soll der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden. 2019 lag diese Zusatz-Abgabe bei 6,41 Cent pro Kilowattstunde. Seit 2010 hat sich die Umlage mehr als verdreifacht. Zuletzt war sie zwei Jahre in Folge gesunken. 2020 aber steigt der Preis auf 6,76 Cent.

Warum müssen viele Unternehmen weniger zahlen?

Die EEG-Umlage gilt auch für Unternehmen. Die hohen Strompreise in Deutschland bedeuten gerade für international tätige Unternehmen einen Wettbewerbs-Nachteil. Deshalb gibt es die "Besondere Ausgleichsregelung". Diese Förderung können Unternehmen beantragen, die mehr als eine Gigawattstunde Strom pro Jahr verbrauchen.

Für die erste Gigawattstunde müssen diese Unternehmen die volle EEG-Umlage zahlen. Alles darüber hinaus wird mit einem günstigeren Satz von maximal 15 Prozent abgerechnet. Günstigere Preise bedeuten aber höhere Preise für alle anderen Stromverbraucher.

Sind die Ausnahmen gerechtfertigt?

Das Bundeswirtschaftministerium sieht die "Besondere Ausgleichsregelung" als wichtiges Instrument, um Unternehmen und Arbeitsplätze in Deutschland zu halten. "Eine Begünstigung von Unternehmen, die stromkosten- und handelsintensiv sind, ist für die Wirtschaftsstandorte Deutschland und Europa unabdingbar", heißt es aus dem Ministerium.

Und in der Tat: Stromgroßabnehmer wie die Aluwerke in Neuss verbrauchen jährlich mehr als 600 Gigawattstunden Strom. Müssten sie darauf die volle EEG-Umlage zahlen, wären die Werke weitaus weniger konkurrenzfähig.

Auf der anderen Seite versuchen immer mehr Unternehmen in den Genuss der Ausnahme zu kommen. 2010 waren es noch 521, im Jahr 2018 schon 2.156 Unternehmen - Zahlen von 2019 liegen noch nicht vor. In der langen Liste der Unternehmen finden sich zum Beispiel auch Tierfutterproduzenten, Textilfaserhersteller oder Sägewerke. Experten sehen die vielen Ausnahmen kritisch.

Gunnar Harms, früher bei einem Chemieunternehmen im Energieeinkauf tätig, hat sich lange mit der EEG-Umlage beschäftigt. Er sagt: "Die Sonderregelung verleitet dazu, Stromsparmaßnahmen nicht einzuführen, weil Vielverbraucher den Strom günstiger bekommen."

Harms berichtet zudem von trickreichen Deals, die Unternehmen mit ihren Energieanbietern machen. Es würden mehr Kilowattstunden abgerechnet, als verbraucht wurden. Im Gegenzug werde weniger Gas in Rechnung gestellt. Die Rechnung zahlen dann - die Verbraucher.

Stand: 30.12.2019, 06:30

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