Wer bekommt die neue Grundrente?

Wer bekommt die neue Grundrente?

Von Frank Christian Starke

  • 35 Beitragsjahre sind die Voraussetzung für die Grundrente
  • Keine Bedürftigkeitsprüfung wie bei Hartz IV, dafür Einkommensabgleich
  • Oder: Niemand muss zum Amt und dort alles offenlegen
  • Hilfe gegen Altersarmut, aber kein Patentrezept

Ein Überblick über die wichtigsten Punkte des Kompromisses von Union und SPD.

Was sind die Voraussetzungen dafür, dass jemand die Grundrente bekommt?

Wer die Grundrente bekommen möchte, muss 35 Jahre in die gesetzliche Rente eingezahlt haben. Angerechnet werden dabei Jahre, in denen Kinder groß gezogen oder Angehörige gepflegt wurden. Die Beiträge an die Rentenkasse müssen in dieser Zeit zwischen 30 Prozent und 80 Prozent der Zahlungen eines Durchschnittsverdieners liegen.

Ist das der Fall, wird der mathematisch errechnete Rentenanspruch aufgewertet – gedeckelt bei 80 Prozent der Rente, die ein Durchschnittsverdiener erwirbt. So soll sichergestellt werden, dass jemand, der lange gearbeitet hat, mehr Rente bekommt als jemand, der Grundsicherung im Alter bezieht.

Wie wird das Einkommen geprüft?

Eine komplette Bedürftigkeitsprüfung, wie sie beim Arbeitslosengeld II, also "Hartz IV" und auch in der Grundsicherung im Alter üblich ist, ist vom Tisch. Stattdessen soll es eine Einkommensprüfung geben, in der die laufenden Einnahmen zusammengerechnet werden, auch die aus Kapitalerträgen oder aus der Vermietung einer Wohnung. Als Grenze gelten 1.250 Euro für Alleinstehende und 1.950 Euro für Paare.

Nicht geprüft wird, ob man eine (wertvolle) Immobilie besitzt oder großes Geldvermögen auf dem Konto. Details zur Überprüfung sind noch offen. Organisiert werden soll sie mit Hilfe eines Datenabgleichs zwischen den Finanzämtern und der Deutschen Rentenversicherung.

Ist das Problem der Altersarmut damit gelöst?

Nein, sicher nicht. Noch ist nicht klar, wer genau von der Grundrente profitieren wird. Zu rechnen ist mit einer Millionen Menschen, vermutlich sogar noch mehr, bis zu 1,5 Millionen. Der Großteil davon sind Frauen, die in ihrem Leben wenig verdient und eingezahlt haben. Sie müssen nicht zum Amt und bekommen künftig etwas mehr als die Grundsicherung.

Dennoch wird es in Zukunft Altersarmut geben und die Zahlen werden langfristig steigen. Denn viele Menschen kommen nicht auf 35 Beitragsjahre, weil sie lange arbeitslos waren. Umsonst gibt es das Ganze übrigens nicht: 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro, so sie aktuellen Schätzungen, wird die Grundrente kosten. Finanziert werden soll das ohne höhere Rentenbeiträge. Man setzt vor allem auf die vereinbarte Finanztransaktionssteuer auf Wertpapiergeschäfte. Die gibt es allerdings noch nicht.

Stand: 11.11.2019, 18:19

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Michael Schmidt 12.11.2019, 17:58 Uhr

    Bekommt man auch was ab wenn man erwerbsunfähig geworden ist und 850netto Euro Rente nach 40jahre

  • 5 Queck 12.11.2019, 15:02 Uhr

    Bekommen Erwerbsrenter auch davon was ab? Das mann als Erwerbsrentner auch nicht viel hat und auf Amt muss um über die runten zu kommen da wir nix erwähnt find ich schade

  • 4 Christa Lupp 12.11.2019, 13:09 Uhr

    Wie sieht es bei Rente nach 35 Jahren bei Erberbsminderung aus? Da kann die Bedingung 30 bis 50 % des Durchschnittsrentenversicherungsbeitrages gezahlt zu haben nicht erfüllt sein.

  • 3 s.kurz 12.11.2019, 12:17 Uhr

    habe 45 j. gearbeitet davon 15 j selbststaendig bekomme jetzt 710€ rente .was wird aus mir. bin 85 j alt und pflegefall kann auch keine flaschen mehr sammeln habe also wieder mal pech gehabt komme wahescheinlich un 20j dran wenn die steineklopfer von 1945 weg sind und die nachste generation wieder forderungen stellt

  • 2 Hans H. 12.11.2019, 12:10 Uhr

    Die Grundrente ist eine Nebelkerze, die fast nichts an der Altersarmut ändert und rein gar nichts an der Lohnarmut. Das Einkommen über Lohn muss erstens zum Leben reichen und nicht nur zum überleben. Zweitens muss es aber auch für eine Altersvorsorge reichen, egal wie man Altersvorsorge gestaltet; zu geringer Lohn hat zu geringe Rente zur Folge. Dann muss es auch genügend Arbeit geben in der ausreichender Lohn gezahlt wird; die gibt es aber nicht bei 40 Std/Woche und Rente ab 67. Die offizielle Statistik dazu ist ein Fake und bildet nicht mal annähernd die Realität bei Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung ab. Gibt es nicht genügend Arbeit muss die Arbeitszeit verkürzt werden. Das Gegenteil wird als Verlängerung der Lebensarbeitszeit diskutiert. Die Konsequenz ist, der Stundenlohn muss gewaltig in die Höhe schießen. Damit wären aber Unternehmen in der EU nicht wettbewerbsfähig, also brauchen wir Schutz vor Lohndumping; wenn das in der EU nicht geht, müssen wir die EU verlassen.

  • 1 GermanRobinHood 12.11.2019, 11:47 Uhr

    Steigt bei Witwen oder Witwern auch die Witwen- bzw. Waisenrente falls ihr Partner verstirbt, der Anspruch auf die neue Grundrente hat? Rente vorher 500 € - jetzt Grundrente 900 €. Von welchem Betrag wird denn jetzt die ca. 60%iger Hinterbliebenenrente gezahlt?

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen