Verschärfte Kontrollen: So geht die Kölner Polizei gegen E-Scooter vor

Verschärfte Kontrollen: So geht die Kölner Polizei gegen E-Scooter vor

Von Oliver Köhler

Seit Biergärten, Bars und Restaurants wieder geöffnet haben, steigt in Köln die Zahl der Unfälle mit E-Scootern. Fast täglich gibt es Schwerverletzte. Die Polizei kontrolliert verschärft - wir waren eine Nacht mit dabei.

Ursache für die Unfälle mit E-Scootern sind laut Polizei in den meisten Fällen Leichtsinn, Alkohol oder Drogen und die Missachtung von Verkehrsregeln. Das zeigt sich auch in der Nacht auf Samstag.

Auf die ersten Scooterfahrer, die sich nicht an Regeln halten, müssen Hauptkommissar Andreas Hetzert und seine Kollegen vom Verkehrsdienst  der Kölner Polizei nicht lange warten. Die Beamten stehen auf dem Rudolfplatz, in der Nähe der Kölner Party- und Bar-Meile, den Ringen.

E-Scooter-Fahrer betrachten Polizei als Spielverderber

E-Scooter stehen neben zwei Frauen bei einer Polizeikontrolle in Köln

 Zwei junge Frauen fahren mit ihren Leih-Scootern erst auf dem Radweg in den Gegenverkehr dann weiter über den Gehweg. Die Polizisten stoppen die beiden, weisen sie auf die Verstöße hin. Jede von ihnen muss 20 Euro Verwarngeld zahlen. Die beiden Frauen sehen nicht ein, dass sie etwas falsch gemacht haben.

„Finde ich ein bisschen übertrieben, als hätten die nichts Besseres zu tun“, sagt eine von ihnen. Die andere nickt und fügt hinzu:

„Ich wusste nicht einmal, dass man hier nicht fahren darf. Andere fahren hier auch rum und da werden wir hier aufgehalten und kriegen eine Strafe. Das ist schon scheiße“.

Hauptkommissar Andreas Hetzert erlebt häufig, dass Scooter-Fahrer Fehler nicht einsehen.

„Das ist eben der egoistische Sinn, den ich  hier jetzt unterstelle, dass man mehr auf den eigenen Spaß achtet und uns als Spielverderber sieht. Aber uns treiben die Unfallstatistiken, die wir jeden Tag auf den Tisch bekommen, wo Fußgänger angefahren werden, wo Rollerfahrer sich durch ihr Unvermögen verletzen“.

Auf dem E-Scooter mit mehr als zwei Promille

Auf dem Rudolfplatz fährt unterdessen eine Gruppe von jungen Männern Slalom zwischen den Fußgängern. Einer der Männer hat deutlich erkennbar Probleme, sich auf dem Elektrotretroller gerade zu halten. Die Gruppe stoppt. Der Mann mit den Gleichgewichtsproblemen kommt beim Absteigen vom E-Scooter ins Stolpern.

Ein Polizist führt einen Promille-Test bei einem jungen Mann bei Straßenkontrolle in Köln durch

Die Beamten lassen ihn ins Alkotest-Röhrchen pusten. Der Wert fällt so hoch aus, dass er mit zur Wache muss. Dort wird ein Arzt eine Blutprobe nehmen. Ihm droht ein Strafverfahren wegen Trunkenheit auf dem E-Scooter. Bei einem zweiten Mann aus der Gruppe messen die Polizisten knapp 0,8 Promille. Gegen ihn leiten sie ein Bußgeldverfahren ein. Der Mann sagt, er habe nicht gewusst, dass auf E-Scootern die gleichen Alkohol-Grenzen gelten wie beim Autofahren.

„Wenn ich gewusst hätte, das das so harte Strafen mit sich zieht, dann hätte ich auf jeden Fall die Finger vom E-Scooter gelassen“, sagt er dem WDR.

Fahren zu zweit oder zu dritt ist eine der Ursachen für Unfälle

Gegen Mitternacht sind neben angetrunkenen Fahrer auch viele unterwegs, die zu zweit auf dem E-Scooter stehen. Das halten die meisten für vollkommen ungefährlich. Dabei ist das Fahren zu zweit oder zu dritt eine der Ursachen für schwere Unfälle, sagt Hauptkommissar Andreas Hetzert.

 „Bei zwei Personen oder drei Personen ist eín Lenkvermögen, ein Bremsvermögen in keiner Weise gegeben. Aber das wird von den Benutzern in dem Moment nicht so gesehen. Da steht Fun ganz vorne - Spaß. Und die Unfallgefahr wird ganz nach hinten geschoben und das ist unser Problem aktuell.“

Handy am Ohr und Dosen mit Hochprozentigem in der Hand

Es ist halb zwei am Morgen, auf dem Rudolfplatz und entlang der Ringe sind kaum noch E-Scooter zu sehen. Die Polizisten sind überrascht, als sie zwei junge Männer auf E-Scootern kontrollieren, die weder den Eindruck machen, getrunken zu haben noch unter Drogen zu stehen. Die Männer nehmen die Kontrolle ganz gespannt.

Einer von ihnen sagt: „Finde ich sogar gut, dass die das machen, weil es hier genug Idioten gibt, die Alkohol trinken und dann mit solchen Dingern herumfahren."

Kurz vor 2 Uhr am Morgen ist die Kontrolle beendet. Fazit der Polizisten: Viele E-Scooter-Fahrer kümmern sich nicht um Verkehrsregeln. Sobald keine Polizei in der Nähe ist, steigen sie wieder zu zweit auf den Roller, Handy am Ohr oder Dose mit Hochprozentigem in der Hand.

Stand: 03.07.2021, 07:48

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