Diesel und Benziner werden durch Elektroautos ersetzt

Das passiert, wenn nur noch Elektroautos fahren

Stand: 30.05.2018, 17:45 Uhr

  • Der CO2-Ausstoß verbessert sich nur leicht
  • Auch E-Autos produzieren Feinstaub
  • Zusätzlicher Strombedarf nur mit Kohlekraft möglich

Über Deutschlands Straßen rollen derzeit 45,5 Millionen Pkws – die meisten davon als qualmende Benziner oder Diesel. Eine Maßnahme der Bundesregierung lautete deshalb: Mehr Elektroautos. Eine Million bis 2020, um genau zu sein. Die fahren schließlich abgasfrei.  

Mit aktuell 53.861 E-Autos sind wir von diesem Ziel weit entfernt, erreichen werden wir es kaum. Doch selbst, wenn alle Autos in Deutschland elektrisch führen, wäre das keine Lösung für das Umweltproblem – noch nicht.

Punkt 1: Schadstoffe

CO2: Von wegen emissionsfrei: Die Herstellung und Stromproduktion von E-Autos erzeugt eine nicht unwesentliche Menge an Emissionen. Denn ein Großteil der Energie dafür kommt aus Kohlekraft. Elektroautos erzielen so eine ähnliche Klima-Bilanz wie Diesel-Fahrzeuge – nur Benziner schneiden noch schlechter ab.

Würden wir jetzt alle Autos auf unseren Straßen durch E-Autos ersetzen, würde das also nur 12 Prozent Treibhausgase pro Jahr einsparen – mit dem aktuellen Strommix. Aber: Je mehr wir auf erneuerbare Energien setzen, desto besser wird auch die Klimabilanz von E-Autos. Bei 100 % Ökostrom im Netz läge die CO2-Ersparnis bei rund 60 Prozent.

Stickoxide: Die schädlichen Abgase kommen zum Großteil aus Verbrennungsmotoren, die größten Verpester: Diesel-Pkw. Da E-Autos nichts verbrennen, ginge die Stickoxid-Belastung in unseren Städten gen Null – und damit die gesundheitsschädliche Wirkung auf den Menschen. In puncto Stickoxid-Belastung wäre der Effekt einer reinen E-Auto-Quote also extrem gut.  

Feinstaub: Feinstaub entsteht primär durch Reifen- und Bremsabrieb – das gilt für Diesel, Benziner und E-Autos gleichermaßen. Elektroautos ändern deshalb wenig an der Feinstaubbelastung. Mit einer 100-Prozent-Quote würde sich der Ausstoß insgesamt sogar verdoppeln, da bei der Batterie-Herstellung in Fabriken viele der kleinen Partikel entstehen – aber eben nur rund um die Fabriken, wo wir kaum mit ihnen in Kontakt kommen. Die meisten von ihnen sind in Asien.

Was ist gefährlich an Diesel und Stickoxiden?

Quarks 27.02.2018 01:53 Min. Verfügbar bis 27.02.2023 WDR

Punkt 2: Stromverbrauch

45,5 Millionen E-Autos benötigen etwa 125 Terrawattstunden Energie im Jahr – also 23 Prozent mehr, als Deutschland derzeit verbraucht. Dieser zusätzliche Bedarf an Strom ließe sich zwar problemlos decken, aber nur mit „dreckiger Energie“. Anders als Solar- und Windkraftanlagen können Kohle- und Gaskraftwerke ihre Kapazität flexibel anpassen und einfach mehr produzieren.

Ein Engpass entstünde eher bei der Verteilung des Stroms in die Ortsnetze: Wenn zu viele E-Autos gleichzeitig laden, kann es zu flächendeckenden Stromausfällen kommen. Für eine E-Auto-Quote von 100 Prozent berechnet die TU München über 650 Ausfallstunden. Das Problem ließe sich jedoch lösen: durch Netzausbau und intelligentes Laden – also dann, wenn Strom verfügbar ist.

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