Hohe Durchfallquote bei Fahrschülern: Woran liegt's?

Hohe Durchfallquote bei Fahrschülern: Woran liegt's?

  • Führerscheinprüfung oft erfolglos
  • Besonders Theorie betroffen
  • Welche Rolle spielen die Fahrschulen?

Die Zahl der Fahrschüler, die durch die praktische Prüfung fallen, steigt seit Jahren. Sind die Prüfungen zu schwer? Und welche Rolle spielen die Fahrschulen? Fragen und Antworten.

Wie haben sich die Durchfallquoten beim Führerschein entwickelt?

Die Quote der Bewerber für einen Autoführerschein, die bei der Prüfung durchfallen, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts lag die Durchfallquote in der theoretischen Prüfung in Deutschland bei rund 36 Prozent, in der praktischen Prüfung bei rund 30 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen sieht die Quote geringfügig besser aus: 34,8 Prozent der theoretischen Prüfungen wurden nicht bestanden, in der Praxis rund 29,5 Prozent. 2019 lagen die Quoten laut Tüv Rheinland in NRW bei 37,2 und 28,2 Prozent.

Woran scheitern so viele bei der Fahrprüfung?

Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DVR) ist der Aufwand für die theoretische Prüfung gestiegen. Teilweise müssen Prüflinge anhand von animierten Grafiken zum Beispiel knifflige Fragen zu Vorfahrtsregeln beantworten. Besonders für Migranten sei die theoretische Prüfung eine hohe Hürde, vor allem wenn die Deutschkenntnisse noch begrenzt sind.

Außerdem tun sich viele Anwärter in Zeiten von Instagram und Internet schwerer mit dem Lernen, sagt Sören Heinze vom Autoclub Europa (ACE): "Und für den Führerschein lernt man nicht so nebenbei."

Hohe Durchfallquote bei Führerscheinprüfungen

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 28.01.2020 06:11 Min. Verfügbar bis 27.01.2025 WDR 5 Von Franz-Josef Hansel

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Bei der praktischen Prüfung sind nach Meinung der Experten besonders der starke Verkehr und das anspruchsvolle Verkehrsgeschehen in den Städten Gründe für die hohen Durchfallquoten.

Laut Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein gibt es bei praktischen Prüfungen sogar ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. In Köln liegt die Durchfallquote demnach bei knapp 40 Prozent, im benachbarten Bergischen Land nur bei 20 bis 25 Prozent.

Sind auch die Fahrschulen schuld?

Es gibt immer wieder Vorwürfe, einige Fahrschulen würden bewusst auf einen Misserfolg ihrer Schüler hinarbeiten. Die müssten zum Beispiel zusätzliche teure Fahrstunden nehmen.

"Es gibt auch unseriöse Anbieter", räumt Fahrlehrer Bartels ein. Diese könne man aber oft an ihren Gebührentabellen erkennen. Dort würden nur 25 Euro pro Stunde berechnet statt den 40 bis 45 Euro, die im Bereich Nordrhein üblich sind. Dafür würden für die Anmeldung zur Prüfung 400 Euro erhoben, also vier- oder fünfmal mehr. "Diese Unternehmen sind wirklich nicht unglücklich, wenn ihre Schüler mehrmals antreten müssen."

"Haltlos" findet ACE-Sprecher Heinze solche Behauptungen. Zum einen würden Tüv oder Dekra bei der praktischen Prüfung entscheiden, wer durchfällt - nicht der Fahrlehrer. Natürlich sei es möglich, dass ein Fahrlehrer den Schüler verfrüht zur Prüfung dränge. "Aber das habe ich noch nie gehört."

Zur Bekräftigung zitiert Heinze seinen eigenen Fahrlehrer: "Die beste Werbung für eine Fahrschule sind die bestandenen Prüfungen." Deswegen ist er sicher, dass "fast 100 Prozent aller Fahrlehrer korrekt arbeiten."

WDR 2 Start Up: Führerschein 2020

WDR 2 Start Up - Der Frühstücksgag 29.01.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 28.01.2021 WDR 2

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Stand: 30.01.2020, 16:34

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