DuMont will sich von Regionalzeitungen trennen

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DuMont will sich von Regionalzeitungen trennen

Von Nina Magoley

Der DuMont-Verlag will sich offenbar von allen Regionalzeitungen trennen. Einem Bericht zufolge soll eine Firma Interessenten finden. Vom Verlag gibt es keine Bestätigung.

Betroffen seien sowohl der "Kölner Stadt-Anzeiger" und der "Express" am Stammsitz in Köln, als auch die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier". Ebenfalls zum DuMont-Verlag gehören die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle und die "Hamburger Morgenpost". Das berichtet das Medienmagazin Horizont am Dienstag (26.02.2019).

Vom Verlag weder ein Dementi noch eine Bestätigung

Dem Medienbericht zufolge soll der DuMont-Verlag eine Münchner Firma damit beauftragt haben, potenzielle Kaufinteressenten zu Angeboten aufzufordern - auch für einzelne Zeitungen. Der Verlag wollte dies am Dienstag weder bestätigen noch dementieren. In einer Antwort auf WDR-Anfrage schrieb das Unternehmen: Eine Überprüfung der Strategie finde üblicherweise regelmäßig statt, so auch bei DuMont. "Aktuell gibt es weder konkrete Ergebnisse noch Entscheidungen dazu."

Branchenkreise bestätigten dem WDR hingegen die Verkaufsabsicht. Der Entschluss der Verlagsleitung, sich nach einem Käufer umzusehen, sei bereits bekannt gewesen.

Nach erfolgreichem Verkauf würden nur noch Facelift, Upljft und Censhare übrigbleiben - die Firmen haben sich auf digitale Produkte spezialisiert. Außerdem bliebe noch der Bereich Business Information, zu dem auch der Bundesanzeiger gehört.

Auflagen im Zeitungsgeschäft sinken

Für einige Mitarbeiter im Kölner Redaktionshaus kommt der Schritt nicht überraschend: Für das Unternehmen habe das Zeitungsgeschäft spätestens seit dem Tod von Verleger Alfred Neven DuMont vor knapp vier Jahren eine immer kleinere Rolle gespielt, heißt es.

Zeitungen des DuMont-Verlages

Dumont-Presse: Kölner Stadtanzeiger und Express

Die Auflagen der Zeitungen sinken seit Jahren. Vor allem Boulevardmedien, wie der Kölner "Express" und die "Hamburger Morgenpost", haben wirtschaftliche Schwierigkeiten. Andere Zeitungen, wie die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und der Kölner Stadt-Anzeiger, machen noch Gewinn.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) forderte den Verlag auf, den geplanten Verkauf zu stoppen und sprach von einem "verlegerischen Offenbarungseid". Obwohl die Notwendigkeit von Qualitätsjournalismus in Zeiten von Fake News und Twittertrollen täglich wachse, sei das verlegerische Verantwortungsgefühl "völlig abhanden gekommen", beklagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

Vorgehen ungewöhnlich

Dass ein traditionsreiches und seit Generationen familiengeführtes Verlagshaus sich so plötzlich von seinem Kerngeschäft komplett trennen will, sei ungewöhnlich, sagt der Dortmunder Medienwissenschaftler Horst Röper.

Ebenso, dass dazu offenbar eine Art Makler eingeschaltet wird: "Innerhalb der deutschen Verlegerszene kennt man sich, man dealt untereinander." Was auch der Grund dafür sei, dass es hierzulande bisher keine "Heuschrecken", kein ausländisches Fremdkapital gebe. Das ließe vermuten, so Röper, dass der Vorgang "nicht gerade professionell" vorbereitet worden sei.

Stand: 26.02.2019, 17:22

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