Loveparade: "Die Wunde meiner Stadt"

Loveparade: "Die Wunde meiner Stadt"

Das Duisburger Loveparade-Unglück hat eine tiefe Wunde in der Stadt hinterlassen, die längst noch nicht verheilt ist. WDR-Moderatorin Asli Sevindim ist den emotionalen Spuren in ihrer Heimatstadt gefolgt.

Es sollte ein Tag der Freude werden - und endete als furchtbares Drama, das bis heute wie ein Schatten über der Ruhrgebietsstadt hängt. Bei der Duisburger Loveparade 2010 wurden 21 junge Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Kann die Wunde heilen?

Wie aber kann eine solche Wunde wirklich heilen? Hilft die Zeit? Oder ein Gerichtsurteil? Oder braucht es mehr, um ein solches kollektives Trauma zu überwinden? "Eine Gesellschaft verhandelt ihre Zugehörigkeit und Identität über das, was sie erinnert – oder was sie nicht erinnert", sagt Sozialwissenschaftler Benyamin Würker im Film. Wie erinnern die Duisburger? Das will Asli Sevindim wissen.

Für den Film "Die Wunde meiner Stadt" ist die WDR-Moderatorin, die selber in Duisburg aufwuchs, quer durch ihre Heimatstadt gezogen, um Antworten zu finden. Sie hat Menschen getroffen, bei denen das Unglück auf unterschiedliche Weise seine Spuren hinterlassen hat.

Asli Sevindim

Asli Sevindim spricht mit Menschen aus Duisburg über die Katastrophe

Da ist die Facebookerin Maike, die sich bis heute ihre Erinnerungen von der Seele schreibt: "Die Tage danach überall verstörte Gesichter. Dieser junge Typ im Bus. Weinend." Gemeinsam mit ihr läuft Asli Sevindim durch den Tunnel, wo die Massenpanik entstand. Die beiden wollen spüren, wie die Gedenkstätte, die die Stadt mittlerweile am Unglücksort eingerichtet hat, auf sie wirkt. "Seltsam ambulant", wird Asli Sevindim später sagen. Und auch Maike wünscht sich etwas Aktiveres. "Am Jahrestag für seine Mitmenschen da zu sein", zum Beispiel, "das Prinzip Liebe" der Loveparade aufgreifen. Oder ein Konzert.

So inspiriert, trifft Asli Sevindim den Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD). Wie wäre es mit einem Festival, fragt sie ihn? Er zögert: Die Stadt habe ja schon "ganz viel" gemacht. Er wolle über den Vorschlag nachdenken, sagt er schließlich.

Ein Song für Maria

Beim "Traumzeitfestival" im Landschaftspark Duisburg Nord spielt die Band Echo Appartment an einem Sommerabend. Sie hat einen Song geschrieben für Maria, deren Schwester im Tunnel der Loveparade starb. Es werde jeden Tag schwerer, damit zu leben, sagt Maria. Beim Auftritt der Band hören Asli Sevindim und sie gemeinsam zu. Maria wiegt sich zum Rythmus der Musik - und lächelt. "Die Wunde meiner Stadt", sagt Asli Sevindim, "tut heute mal nicht ganz so weh".

Stand: 12.07.2018, 06:00

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